Corona-Übertragung könnte sich ab Oktober verdoppeln

Berlin.  Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Corona-Übertragungen bald verdoppeln könnten. Welche Impfung jetzt schützen soll.

Corona: Wann man von einer zweiter Welle spricht

Die Sorge vor der zweiten Welle wächst: Seit August steigen die Infektionen mit Covid-19 wieder deutlich an. Das RKI beschreibt die Entwicklung als "sehr beunruhigend".

Beschreibung anzeigen

Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Grippe- und Coronainfektionen. Ein mathematisches Modell, das sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Institut Pasteur in Paris erarbeitet haben, ergab, dass Grippeerkrankungen die Corona-Übertragung im Durchschnitt um das 2,5-Fache erhöht haben.

Zu diesem Ergebnissen kam das Team um Mathematiker Matthieu Domenech de Cellès, nachdem sie die ersten Monate der Pandemie in Europa am Beispiel der Länder Belgien, Norwegen, Italien und Spanien untersucht hatten. Dabei handelt es sich um vier europäische Länder, in denen die Pandemie während der ersten Jahreshälfte unterschiedlich stark ausgeprägt war.

Dabei zeigte sich, dass die Abnahme der Covid-19-Fälle im Frühling nicht nur mit Gegenmaßnahmen, sondern auch mit dem Ende der Grippesaison zusammenhing.

Corona: Forschende betonen Bedeutung von Grippeschutzimpfung

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten nun, dass die Corona-Übertragung in der bevorstehenden Grippesaison, die hierzulande zumeist von Anfang Oktober bis Mitte Mai andauert, erneut drastisch zunehmen könnten. Und betonen deshalb die Bedeutung von Grippeimpfungen – auch als einen möglichen Schutz vor Covid-19.

Unklar bleibt indes, ob Grippekranke mit höherer Wahrscheinlichkeit Corona auf andere übertragen oder ob eine Grippeerkrankung Menschen anfälliger für Corona macht.

Grippeviren erhöhen Anfälligkeit für Corona

Letzteres sei nach Angaben der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch wahrscheinlicher. Dass Grippeviren die Anfälligkeit für Corona vergrößern könnten, wurde kürzlich in Laborstudien nachgewiesen.

Demnach regen Grippeviren die Herstellung von Rezeptoren an, die das neuartige Coronavirus benötigt, um an menschliche Zellen anzudocken. Eine Grippeschutzimpfung könnte somit nicht nur das Gesundheitssystem entlasten, sondern auch die Corona-Übertragung eindämmen, schließen die Forscherinnen und Forscher.

Die Studie wurde auf der Wissenschaftsplattform medRxiv vorveröffentlicht und muss noch im sogenannten Peer-Review von Fachkolleginnen und Fachkollegen geprüft werden.

Coronavirus – Mehr zum Thema:

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder