Corona-Schnelltest: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Berlin.  Corona-Schnelltests sollen Infektionen in Rekordzeit nachweisen. Das sind die wichtigsten Fakten zu den verschiedenen Varianten.

Neue Corona-Maßnahmen: Das ändert sich ab Donnerstag in Deutschland

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland sollen ab Donnerstag neue Maßnahmen greifen. Hintergrund sind die steigenden Infektionszahlen und die bevorstehende kalte Jahreszeit. Ein Überblick.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Zahl der Corona-Schnelltests in ärztlichen Einrichtungen erhöhen. Infizierte Personen sollen schneller erkannt und die weitere Ausbreitung des Virus bestmöglich gestoppt werden. In Schnelltests erhofft man sich eine zuverlässige Alternative zu mehrtägigen PCR-Testuntersuchungen zu finden. Damit sollen auch die Labore entlastet werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Corona-Schnelltests.

Wie funktioniert ein Corona-Schnelltest?

Es gibt zwei Arten von Schnelltests zum Infektionsnachweis: PCR-Tests , kurz für Polymerasekettenreaktionstests, und Antigen-Tests. PCR-Schnelltests stellen die zeitsparende Variante zu den bisherigen Corona-Untersuchungsverfahren dar: Nachdem aus dem Nasen- und Rachenbereich Proben entnommen wurden, kann das Erbgut des Virus nachgewiesen werden.

Statt das Material in mehreren Schritten im Labore auszuwerten, werden beim Schnellverfahren Kartuschen verwendet. In den Kartuschen findet die Polymerasekettenreaktion statt, bei dem die Virusprobe vervielfältigt wird. Fluoreszierende Stoffe färben die Erreger ein, sodass sie sichtbar gemacht werden. Nach diesem Schritt zeigt sich, ob eine Infektion vorliegt.

Bei PCR-Selbsttests, die beispielsweise eine Tochtergesellschaft des Konzerns Siemens auf den Markt gebracht hat, entnehmen sich die Testpersonen selbst Proben aus dem tiefen Rachenbereich und tauchen die Probe anschließend in eine Kanüle mit Testflüssigkeit ein. Nachdem das Material mit einer Kassette in Kontakt kommt, kann darauf das Ergebnis abgelesen werden.

Antigen-Tests weisen nicht das Erbgut des Virus nach, sondern bestimme Proteinstrukturen des Krankheitserregers. Die Rachenproben werden auf eine Testkassette aufgetragen. Bei der Reaktion zeigt sich, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, ob Virusproteine und damit eine Infektion vorliegt. Eine Infektion wird mit zwei farbigen Linien angezeigt.

Antikörper-Tests untersuchen die Reaktion des Immunsystems auf das Virus. Dieser Test ist allerdings ungeeignet, um eine Infektion selbst nachzuweisen – nach frühestens vier Wochen kann untersucht werden, ob eine zuvor infizierte Personen nun Abwehrkörper im Blut hat. Für die Schnelluntersuchungen werden Tropfen einer Blutprobe in eine Kassette gegeben. Eine Verfärbung stellt ein positives Ergebnis dar.

Wo kann ich einen Corona-Schnelltest machen?

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gilt nach wie vor, dass sie sich an Flughäfen kostenfrei testen lassen können – und müssen. Rückreisende aus Nicht-Risikogebieten sowie neue Passagiere haben allerdings ebenfalls die Möglichkeit, die Flughafen-Tests gegen eine Gebühr in Anspruch zu nehmen. Dabei bieten Frankfurt am Main und München die sogenannten Express-Tests an, die weit weniger als 24 Stunden Zeit benötigen.

PCR-Schnelltests sind vereinzelt auch für Privatpersonen erhältlich: In sogenannten Selbsttest-Kits sind alle benötigten Werkzeuge und Flüssigkeiten vorhanden. In Deutschland dürfen PCR-Tests allerdings streng genommen nur von medizinischen Fachkräften durchgeführt werden. Kassetten für Antikörper-Tests werden kommerziell für Privatpersonen angeboten.

Antigen-Tests wurden bisher vor allem für Studien und Forschungszwecke verwendet – sollen nun aber verstärkt in medizinischen Einrichtungen zum Einsatz kommen. Wie Spahn am Donnerstag dem Morgenmagazin der ARD berichtete, seien Antigen-Tests aktuell ausschließlich als ergänzende Untersuchungen für PCR-Tests zu sehen.

Das Verfahren wird in Teststationen in Gesundheitsämtern verwendet. Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, Praxen humanmedizinischer Heilberufe oder ambulante Pflegedienste sollen ab sofort ebenfalls vermehrt schnelle Antigen-Tests durchführen. Außerdem sollen in Zukunft auch am Münchner Flughafen Antigen-Schnelltests eingeführt werden.

Wie lange dauert ein Corona-Schnelltest?

Wählt man einen PCR-Expresstest am Frankfurter Flughafen, hält man seine Ergebnisse nach drei Stunden in den Händen. In München muss man sich drei bis sechs Stunden gedulden. An weiteren deutschen Flughäfen wartet man 24 bis 72 Stunden.

Abstriche der PCR-Selbsttests, die zu Hause entwickelt werden, zeigen Ergebnisse nach 15 Minuten an. Allerdings gibt es auch Kits, dessen Proben in zuständige Labore geschickt werden müssen. Nach einer Anmeldung in den Online-Portalen der Firmen stehen in zwölf bis 24 Stunden die persönlichen Ergebnisse nach Eingabe von individuellen Codes zum Abruf bereit.

Im Gegensatz zu herkömmlichen PCR-Tests ist die Wartezeit bei den neuen Antigen-Tests rekordverdächtig: Je nach Modell sind die Proben bereits ab zehn bis 15 Minuten ausgewertet – Testpersonen können in den Anlaufstellen vor Ort auf ihre Ergebnisse warten. Ebenso schnell liegen die Ergebnisse von Antikörper-Tests vor.

Was kostet ein Corona-Schnelltest?

Corona-Schnelltests sind im Allgemeinen teurer als die PCR-Tests mit einer mehrtägigen Wartezeit. Am Flughafen in Frankfurt am Main zahlt man für einen Test mit einer Auswertungszeit von sechs bis acht Stunden 59 Euro. Die Express-Untersuchung kostet 139 Euro.

In München bekommt man bei der Expressvariante die Auswertung binnen drei bis sechs Stunden auf sein Mobiltelefon zugesendet. Kostenpunkt: 128 Euro. Bald sollen in München auch Antigen-Schnelltests eingeführt werden – für 190 Euro pro Untersuchung.

Einige Pharmaunternehmen wie Siemens und Roche haben Produkte entwickelt, die ausschließlich für medizinisches Fachpersonal erhältlich sind. Die Kosten, die Testpersonen tragen, sind wegen Neueinführung noch nicht bekannt.

Vereinzelt sind von anderen Marken auch Kits für Privatpersonen zu finden – zu beachten ist, dass Selbsttests weniger verlässlich sind. In diesen Fällen handelt es sich entweder um PCR-Selbsttests zum Einsenden in Labore, oder ebenfalls um Antikörper-Tests. Je nach Anbieter reichen die Preise von zehn Euro, über 99 Euro bis hin zu knapp 300 Euro für Boxen mit mehreren Einzeltests.

Wie sicher ist der Corona-Schnelltest?

Obwohl Schnelltests aufgrund der Zeitersparnis immer beliebter werden, spalten sich die Meinungen der Experten. Im Fall von PCR-Schnelltests ist zu beachten, dass die vereinfachte Variante nur drei Ergebnisse anzeigen kann: positiv, negativ und unklar. Das Ergebnis der Probe könne keinerlei Aussagen über die Virenkonzentration liefern.

Ärzte raten von PCR-Selbsttests, die in Deutschland nicht zugelassen sind, ab. Abstriche müssen schließlich sehr tief aus dem Rachen genommen werden, um so genügend Material sammeln zu können. Andernfalls seien die Ergebnisse nicht zuverlässig. Das könne nur ein geschulter Mediziner.

Die Hersteller der Antigen-Schnelltests garantieren zwar, dass tatsächlich Sars-CoV-2-Viren nachgewiesen werden – allerdings hänge die Genauigkeit nicht zuletzt von der Viruslast ab. Labormediziner Matthias Orth stuft Antigen-Tests, wie auch PCR-Schnelltests, als nicht so zuverlässig wie mehrtägige PCR-Tests ein. Coronaviren seien sich untereinander sehr ähnlich, weshalb es passieren könne, das ein Test nicht wegen SARS-CoV-2 positiv ist, sondern wegen eines anderen Virus.

Auch Virologin Sandra Ciesek bezeichnet die PCR-Variante als „Goldstandard“ der Corona-Untersuchungen. Ein Antigen-Test auf Coronaviren solle für eine hohe Genauigkeit daher im Optimalfall mit einem PCR-Test ergänzt werden. Je weniger Symptome, desto weniger Viren – weshalb die Antigen-Anzeige offenbar nur in schweren Corona-Fällen verlässlich ist.

Was Antikörper-Tests betrifft, seien die Ergebnisse ebenfalls nicht ganz zuverlässig. In diesem Fall kommt es auf den richtigen Zeitpunkt der Blutentnahme an. Entnimmt man Proben in einem Zeitraum von unter vier Wochen nach einer Infektion, können Antikörper nicht genau nachgewiesen werden.

Hat man zwar ein positives Ergebnis, bestehe der Schutz vor einer erneuten Infektion zwar vermutlich – sicher könne man sich aber nicht wirklich sein: Antikörper-Tests können auch mit anderen sehr ähnlichen Viren reagieren. Eine sogenannte Kreuzreaktion könne in diesem Fall auch zu einem positiven Ergebnis führen. „Man kann auch mit einem positiven Testergebnis nicht immun gegen das Virus sein“ meint Dr. Marc Becker, Facharzt für Labormedizin, im Podcast der Apotheken Umschau: „Klartext Corona“.

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