So ist die Corona-Lage in Deutschlands Nachbarländern

Berlin.  Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen derzeit stetig. Doch wie ist die Lage in unseren Nachbarländern? Wir geben einen Überblick.

Montgomery: Lockdown ab 20.000 Neuinfektionen am Tag

Bei 20.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag In Deutschland hält der Weltärztebund-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery einen erneuten Lockdown für nötig. Bei dieser Zahl würde "die Lage außer Kontrolle" geraten, meint Montgomery.

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Die Corona-Lage in Deutschland ist angespannt. Diesen Mittwoch meldete das Robert-Koch-Institut fast 15.000 Neuinfektionen innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden. Weitere Einschränkungen und sogar ein erneuter Lockdown drohen. Auch interessant: Corona-Gipfel zwischen Bund und Ländern – das sind die Pläne von Angela Merkel

Ein Blick über die deutschen Grenze hinaus zeigt, wie die Lage sich auch hierzulande entwickeln könnte, wenn es nicht gelingt, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Denn in vielen unserer Nachbarländer ist die Situation deutlich schlimmer als in Deutschland.

Corona in Belgien: 1390 Infizierte pro 100.000 Einwohner

Setzt man die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen 14 Tagen in Verhältnis zur Einwohnerzahl, ist derzeit kein Staat in der Europäischen Union so stark von der Corona-Pandemie betroffen wie Belgien. Das Land vermeldete am Dienstag rund 1390 Infizierte pro 100.000 Einwohner innerhalb von zwei Wochen.

Wegen der hohen Zahl an Infizieren sind unter anderem in der Provinz Lüttich erste Krankenhäuser überlastet. „Wir müssen wählen zwischen einer schlechten und einer sehr schlechten Lösung“, sagte Philippe Devos vom Verband der medizinischen Gewerkschaften der Deutschen Presse-Agentur. Die sehr schlechte Lösung sei, Patienten gar nicht zu behandeln.

In ganz Belgien gilt derzeit eine nächtliche Ausgangssperre, enge Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts sind auf eine Person beschränkt. Restaurants, Cafés und Bars sind seit 19. Oktober für einen Monat geschlossen. In Brüssel gilt zudem ein komplettes Alkoholverbot im öffentlichen Raum.

Corona in Dänemark: Lage vergleichsweise entspannt

Dänemark verzeichnete am Montag erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als tausend Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Dennoch zählt Deutschlands nördlichster Nachbar nach wie vor zu den weniger von der Pandemie betroffenen Ländern in Europa.

Insgesamt haben sich in Dänemark bisher rund 41.000 Personen mit dem Coronavirus infiziert, 708 sind gestorben. Aktuell darf ab 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden, Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern sind verboten.

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Corona in Frankreich: Situation außer Kontrolle?

Die Corona-Lage in Frankreich verschlechtert sich seit Wochen dramatisch. Allein am Dienstag starben dort 523 Menschen mit dem Virus, die Zahl der Toten liegt insgesamt bei 35.500. Am Sonntagabend wurden erstmals mehr als 52.000 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden erfasst. Insgesamt haben sich in Frankreich bisher rund 1,16 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert – mehr als in jedem anderen Land der EU.

Derzeit gilt in 54 Départements und damit für rund zwei Drittel der Bevölkerung eine nächtliche Ausgangssperre. Lesen Sie auch: Neue Beschränkungen in Deutschland drohen – wann tritt Merkel vor die Presse?

Corona in Luxemburg: Ausgangssperre und Versammlungsverbot

Nächtliche Ausgangssperre und Versammlungsverbot: Mit diesen Maßnahmen versucht Luxemburg die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Insgesamt wurden in dem Großherzogtum bisher 14.399 Corona-Fälle registriert, 147 Patienten sind gestorben.

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Corona in den Niederlanden: Krankenhäuser am Limit

In den Niederlanden ist die Corona-Lage angespannt. Erste Krankenhäuser stoßen an ihre Belastungsgrenzen, viele geplante Operationen wurden deshalb abgesagt. Einzelne Corona-Infizierte wurden mittlerweile nach Deutschland ausgeflogen. Bisher registrierten die niederländischen Behörden in Verbindung mit dem Coronavirus 7062 Todesfälle bei rund 301.000 Infizierten.

Um einer weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken, sind Restaurants, Bars und Cafés in den Niederlanden derzeit geschlossen, Alkohol darf nachts weder konsumiert noch mit sich geführt werden. Im öffentlichen Nahverkehr gilt eine Maskenpflicht.

Corona in Österreich: Hohe Zahlen bei den Neuinfektionen

Auch in Österreich werden derzeit geplante Operationen abgesagt, um Platz für Corona-Patienten zu schaffen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen liegt in der Alpenrepublik seit 22. Oktober täglich über 2.000. Besonders betroffen sind Oberösterreich und Wien.

Corona in Polen: Maskenpflicht auch im Freien

Lange kam Polen während der Corona-Pandemie vergleichsweise glimpflich davon. Mittlerweile steigen die Infektionszahlen aber rasant, zuletzt meldeten die Behörden mehr als 16.000 Neuinfizierte innerhalb eines Tages.

Das öffentliche Leben in Polen ist deutlich eingeschränkt. So ist in öffentlichen Einrichtungen und auch im Freien grundsätzlich eine Maske zutragen. Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften verstärkt, bei Verstößen drohen Geldstrafen. Kinder ab der 4. Klasse befinden sich derzeit im Homeschooling.

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Corona in Tschechien: Ständig neue Höchstwerte

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Tschechien erreicht immer neue Rekordwerte. Am Mittwoch gab das Gesundheitsministerium in Prag bekannt, dass sich innerhalb von 24 Stunden 15.663 Menschen mit dem Virus angesteckt haben.

In Tschechien leben nur rund 10,6 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Überträgt man die Zahlen auf Deutschland, wäre es, als ob sich hierzulande an einem Tag mehr als 120.000 Personen mit dem Virus infiziert hätten.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat die tschechische Regierung strikte Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen. So gilt eine nächtliche Ausgangssperre, die Bürger sollen aber auch tagsüber möglichst zu Hause bleiben und im Homeoffice arbeiten.

Corona in der Schweiz: Hohe Zahlen, kaum Einschränkungen

Die Schweiz meldete zuletzt 8616 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Experten gehen derzeit davon aus, dass Mitte November alle Intensiv-Betten des Landes voll belegt sein werden. Dennoch sind die Beschränkungen derzeit noch gering: So gilt in öffentlichen Räumen und dem Nahverkehr eine Maskenpflicht, spontane Menschenansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als 15 Personen sind verboten.

(mit dpa)

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