Corona-Pandemie

Impfstoffe im Vergleich: Welches Vakzin ist das beste?

| Lesedauer: 9 Minuten
Studie: Wirkung von Biontech/Pfizer-Impfstoff lässt stetig nach

Studie: Wirkung von Biontech/Pfizer-Impfstoff lässt stetig nach

Daten haben gezeigt: Die Wirksamkeit des Impfstoffes von Biontech/Pfizer lässt mit der Zeit nach. Alle zwei Monate verliert die Impfung circa sechs Prozent an Wirksamkeit.

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Berlin.   Johnson & Johnson, Biontech, Moderna oder Astrazeneca: Welcher Corona-Impfstoff ist der beste? Alle Vor- und Nachteile im Überblick.

  • Aktuell sind in der EU die Corona-Impfstoffe der Firmen Johnson & Johnson, Biontech, Moderna und Astrazeneca zugelassen
  • Die vier Vakzine schützen vor schweren Covid-19-Verläufen und verringern alle das Risiko, sich mit Corona zu infizieren
  • Dennoch gibt es Unterschiede: Was sind die Vor- und Nachteile? Welches Vakzin ist das beste? Hier finden Sie alle Informationen

Im Rekordtempo sind Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt worden. Insgesamt sind für die Corona-Impfung vier Mittel in der Europäischen Union (EU) und damit auch in Deutschland bereits zugelassen – die der Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer,Moderna, Johnson & Johnson und Astrazeneca. Im Vergleich der Corona-Vakzine zeigen sich dabei durchaus Unterschiede.

Doch worin unterscheiden sich die zugelassenen Impfstoffe – und wirken sie auch gegen die Mutationen des Coronavirus? Was kann beispielsweise das Vakzin von Novavax, das bald zugelassen werden könnte? Wir geben einen Überblick zu den wichtigsten Fakten.

Neue Technologie: Wie sind die Corona-Impfstoffe aufgebaut?

Bei den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. In dem Begriff steht das „m“ für messenger und „RNA“ für ribonucleic acid (Deutsch: Ribonukleinsäure). Es ist das erste Mal, dass Impfstoffe dieser Art in der Humanmedizin verwendet und zugelassen wurden. Lesen Sie dazu mehr Informationen: Wie funktioniert die mRNA-Impfung?

Mit der mRNA enthalten die Impfstoffe die "Bauanleitung" für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen das Virusprotein her. Gegen dieses entwickelt der Körper seine Immunantwort. Die mRNA wird dabei nicht in das Erbgut des Menschen eingebaut.

Bei den Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson handelt es sich um sogenannte Vektorimpfstoffe. Beide Vakzine basieren auf unschädlich gemachten Erkältungsviren. Sie enthalten genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Körperzellen der Geimpften bilden mit Hilfe der Bauanleitung das Protein, der Körper entwickelt eine Immunantwort.

Der Impfstoff von Novavax setzt hingegen auf eine dritte Technologie und basiert auf Proteinen. Das Vakzin enthält das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus, da in Insektenzellen gentechnisch hergestellt wird. Das Immunsystem soll bei der Impfung Antikörper gegen das Protein bilden und so den Körper auf eine Infektion vorbereiten. Das ist vergleichbar mit der Reaktion auf die Grippeimpfung.

Corona-Impfung: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Impfreaktionen sind normale Nebenwirkungen, die nach jeder Impfung auftreten können. Bei den Corona-Impfstoffen unterscheiden sich diese von Präparat zu Präparat meist nur geringfügig. Auftreten können unter anderem Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit sowie Kopf- und Muskelschmerzen, oder auch Fieber und Schüttelfrost.

Die Nebenwirkungen können von Person zu Person unterschiedlich stark auftreten. Bei den mRNA-Impfstoffen sind sie meistens nach der zweiten Dosis stärker, bei den Vektor-Impfstoffen nach der ersten.

In sehr seltenen Fällen sind bei Vektor-Impfstoffen Hirnvenenthrombosen aufgetreten, vor allem bei jüngeren Frauen. Bei mRNA-Vakzinen wurden Fälle von Herzmuskelentzündungen beobachtet, die vor allem jüngere Männr betrafen.

Biontech/Pfizer

Das deutsch-amerikanische Vakzin der Unternehmen Biontech und Pfizer war eines der ersten, der im Kampf gegen die Corona-Pandemie eingesetzt wurde. Wegen seiner hohen Wirksamkeit und den vergleichbar geringen Nebenwirkungen ist der mRNA-Impfstoff mit dem Namen „Comirnaty“ sehr beliebt. Die Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile:

  • Der Impfstoff zeigt – 14 Tage nach der notwendigen zweiten Dosis – eine sehr hohe Wirksamkeit von rund 95 Prozent
  • „Comirnaty“ wirkt auch gegen die Delta-Variante (zu etwa 88 Prozent)
  • Das Vakzin ist für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen und wird nun von der Stiko auch für alle 12- bis 17-Jährigen uneingeschränkt empfohlen
  • Die allgemeinen Impfreaktionen sind vergleichsweise leicht
  • mRNA-Impfstoffe lassen sich leichter herstellen und somit auch schneller an Corona-Varianten anpassen

Nachteile:

  • Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen mRNA-Impfungen und Herzmuskelentzündungen in sehr seltenen Fällen, vor allem bei jungen Männern
  • Der Impfstoff hat keine sehr hohe Haltbarkeit, wenn er einmal aufgetaut wurde. Für eine längere Aufbewahrung sind Temperaturen von -70°C notwendig. Bei normaler Kühlschranktemperatur hält das Vakzin etwa fünf Tage
  • Mit etwa 12 Euro pro Dosis ist der Impfstoff relativ teuer
  • Für den vollen Impfschutz wird eine zweite Dosis benötigt. Der Abstand sollte minimal drei bis maximal sechs Wochen betragen

Moderna

Das Vakzin von Moderna ist – ebenso wie Biontech/Pfizer – ein mRNA-Impfstoff. Auch dieses Präparat zeichnet sich durch eine hohe Wirksamkeit und geringe Nebenwirkungen aus. Was sind die Vor- und Nachteile von Moderna?

Vorteile:

  • Das Moderna-Vakzin hat eine hohe Wirksamkeit von etwa 95 Prozente (zwei Wochen nach der zweiten Dosis)
  • Gegen die Delta-Variante schützt der Impfstoff fast genauso gut wie gegen die ursprüngliche Variante
  • Auch dieser Impfstoff ist für alle Jugendlichen ab zwölf Jahren zugelassen und empfohlen
  • Das Vakzin hält sich bei normaler Kühlschranktemperatur im Schnitt 30 Tage. Das ist besonders für Hausärzte ein großer Vorteil
  • Das mRNA-Vakzin lässt sich, ebenso wie das Biontech-Präparat, relativ schnell herstellen und neuen Virus-Varianten anpassen

Nachteile:

  • Wie auch bei Biontech gibt es Hinweise auf Herzmuskelentzündungen nach mRNA-Impfungen – in sehr seltenen Fällen und vor allem bei jungen Männern
  • Beim Transport muss das Vakzin konstant bei -20°C gekühlt werden, was logistisch eine Herausforderung ist
  • Moderna ist 14,70 Euro pro Dosis der teuerste Impfstoff
  • Für den vollen Impfschutz wird eine zweite Dosis nach maximal sechs Wochen benötigt

Astrazeneca

Das britisch-schwedische Corona-Vakzin von Astrazeneca ist im Laufe der Impfkampagne vom Hoffnungsträger zum Außenseiter geworden. Grund dafür sind vor allem die seltenen Fälle von Hirnvenenthrombosen. Das sind die Vor- und Nachteile von Astrazeneca:

Astrazeneca und EU legen Streit um Impfstoff-Lieferungen bei
Astrazeneca und EU legen Streit um Impfstoff-Lieferungen bei

Vorteile:

  • Der Impfstoff wirkt etwa zu 80 Prozent gegen eine Corona-Infektion
  • Das Astrazeneca-Vakzin schützt nach zwei Impfdosen zu rund 67 Prozent vor der Delta-Variante des Coronavirus
  • Die Lagerung des Präparates ist einfacher als die von etwa Biontech und Moderna

Nachteile:

  • Bei dem Astrazeneca-Impfstoff kam es in sehr seltenen Fällen zu Hirnvenenthrombosen, vor allem bei jüngeren Frauen. Deswegen empfiehlt die Stiko, den Impfstoff nur bei Personen über 60 Jahren einzusetzen
  • Bei Personen jeden Alters, die als Erstimpfung Astrazeneca erhalten haben, empfiehlt die Stiko wegen der Thrombose-Gefahr, die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff durchführen zu lassen
  • Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis ist mit 12 Wochen recht lang
  • Wegen der komplizierteren Herstellung von Vektor-Impfstoffen kann das Astrazeneca-Vakzin neuen Varianten eher langsam angepasst werden

Johnson & Johnson

Der Corona-Impfstoff „Janssen“ des US-amerikanischen Konzerns Johnson & Johnson gehört zu den Vektor-Impfstoffen, ebenso wie etwa das Astrazeneca-Vakzin. Was sind die Vor- und Nachteile?

Vorteile:

  • Anders als bei den anderen Impfstoffen recht bei „Janssen“ eine Dosis für den vollen Impfschutz. Vierzehn Tage nach der Immunisierung tritt die volle Wirksamkeit ein
  • Die Lagerung ist im Gegensatz zu anderen Corona-Vakzinen unkomplizierter. Eine Lagerung bei normaler Kühlschranktemperatur ist drei Monate lang möglich
  • Mit rund sieben Euro pro Impfdosis ist das Vakzin günstiger als etwa Biontech oder Moderna

Nachteile:

  • Die Wirkung des Impfstoffs ist nicht so hoch wie bei anderen Vakzinen. Gegen eine Corona-Infektion schützt „Janssen“ zu etwa 66 Prozent, gegen schwere Covid- Verläufe zu durchschnittlich 85 Prozent
  • Bei dem Vakzin von Johnson & Johnson kam es in sehr seltenen Fällen zu Hirnvenenthrombosen, vor allem bei jüngeren Frauen. Deswegen empfiehlt die Stiko, den Impfstoff nur bei Personen über 60 Jahren einzusetzen
  • Vektor-Impfstoffe können langsamer als mRNA-Impfstoffe an Corona-Varianten angepasst werden. Grund dafür ist, dass bei der Herstellung mehr Prozessschritte zur Sicherheitsüberprüfung und zum Heranziehen von Zellen benötigt werden
  • Wie bei jedem Impfstoff können auch bei „Janssen“ Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen und Fieber. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer allergischen Reaktion kommen

Novavax

Der Impfstoff von Novavax ist aktuell noch nicht zugelassen, doch Studien aus den USA liefern vielversprechende Ergebnisse. In einer Studie mit 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde eine Wirksamkeit von 93 Prozent gegen die vorherrschenden Virusvarianten festgestellt. Die berichteten Impfreaktionen ähneln denen der anderen Vakzine: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen.

Auch der Transport des Impfstoffes ist vergleichsweise unkompliziert, weshalb er wahrscheinlich eine wichtige Rolle für Impfkampagnen in Entwicklungsländern spielen wird. Novavax plant, im September den Zulassungsantrag in der EU zu beantragen.

(yah/lhel/bml/msb/raer/dpa)

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