Wohin Corona-Geimpfte ohne Quarantäne reisen können

Lesedauer: 14 Minuten
Scholz hält Urlaubsreisen im Sommer für denkbar

Scholz hält Urlaubsreisen im Sommer für denkbar

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Menschen im Sommer in den Urlaub fahren können. Das hänge unter anderem davon ob, wie die Pandemie sich in Deutschlands Nachbarländern entwickle.

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Berlin.  Urlaub in der Pandemie? Einige Länder gestatten bereits die quarantänefreie Einreise – allerdings nur für Geimpfte. Eine Übersicht.

  • Immer mehr Menschen in Deutschland und den EU-Ländern sind gegen das Coronavirus geimpft
  • Um Touristen anzuziehen, locken Urlaubsländer wie Griechenland nun mit einer Einreise ohne Quarantäne – für Geimpfte
  • Ein EU-weit gültiger digitaler Impfpass soll außerdem dafür sorgen, dass das Reisen in Europa wieder einheitlicher wird

Der Sommer ist nicht mehr allzu fern. Doch was wird in diesem Jahr aus dem Urlaub? Tendenziell sinken die Corona-Zahlen in den meisten europäischen Ländern, die Impfquoten steigen und die nächsten Lockerungen rücken – zumindest für Geimpfte und Genesene – schon in greifbare Nähe.

Vor allem der 17. und der 19. Mai wurden von einigen Regierungen als Stichtage für die nächsten Schritte raus aus dem Lockdown auserkoren. Dennoch: Aktuell sind mit einer Reise ins Ausland meist noch große Hürden wie Testpflichten und Quarantäneregeln verbunden.

Doch tatsächlich erlauben immer mehr Länder die quarantänefreie Einreise zu Urlaubszwecken – für Geimpfte. Die EU will bis zum Sommer einen europaweit gültigen Impfausweis einführen, mit dem auch Urlaubsreisen ermöglicht werden sollen. Noch ist aber nicht klar, ob damit auch Reiseprivilegien verbunden werden sollen.

Gleichzeitig Tourismusbranche arbeitet an Öffnungsplänen, die an den Impfstatus der Reisenden gekoppelt sind. So verkündete der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours bereits, dass ab Herbst in den Urlaubshotels der Marke Allsun nur noch Gäste mit einer Corona-Impfung willkommen sind. Unter der Marke Allsun betreibt Alltours 35 Hotels in Griechenland, auf den Kanaren – und Mallorca.

Es gibt jedoch bereits Länder, die einen ganzen Schritt weiter sind. Dort ist Urlaub schon jetzt ohne Einreisebeschränkungen und Quarantäne möglich – sofern man geimpft ist oder eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat. Eine Übersicht:

Wo Urlaub für Corona-Geimpfte schon möglich ist

  • Bulgarien: In Bulgarien geht die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit Mitte April kontinuierlich zurück. Lokale, Einkaufsmalls und Fitnesszentren sowie Theater, Kinos und Museen sind mit Auflagen wieder geöffnet. Die Hotels empfangen schon seit Ende 2020 wieder Gäste. Geimpfte, Getestete und von Covid-19 Genesene dürfen ohne Quarantänepflicht einreisen.
  • Dänemark: Die Geschäfte sind in Dänemark längst wieder offen. Cafés, Restaurants und Bars dürfen wieder Kunden bedienen – innen aber nur, wenn die Gäste per App einen negativen Corona-Test, eine vollständige Impfung oder eine überstandene Infektion belegen können. Die Neuinfektionszahlen sind stabil, die Sieben-Tage-Inzidenz seit Wochen unter 100. Vollständig gegen Covid-19 geimpfte Deutsche und viele andere Menschen aus EU- und Schengen-Ländern – auch Touristen – dürfen seit dem 1. Mai wieder nach Dänemark einreisen. Dabei müssen sie im Gegensatz zu anderen Reisenden keine negativen Corona-Tests oder Einreisegründe wie etwa den Besuch von Partnern vorweisen können, auch Test- und Quarantänepflicht nach Ankunft fallen für sie weg. Bedingung ist, dass das Land der Reisenden zumindest als „oranger Staat“ gilt, die dortige Corona-Lage also nicht zu schlimm ist und dort keine besorgniserregenden Varianten des Coronavirus grassieren. Deutschland gilt derzeit als orange.
  • Griechenland: In Griechenland dürfen Cafés, Bars und Tavernen unter Auflagen ihre Außenbereiche öffnen – für alle Gäste, egal ob geimpft oder nicht. Allerdings schließt die Gastronomie um 22.45 Uhr, ab 23.00 Uhr gilt dann ein abendliches Ausgangsverbot. Reisen innerhalb Griechenlands sind nicht uneingeschränkt möglich - diese Auflage soll aber am 15. Mai aufgehoben werden. Aus deutscher Sicht gilt Griechenland derzeit noch als Risikogebiet, die Infektionslage entspannt sich aber. Besucher müssen vor der Einreise online ihre Daten hinterlegen. Bei der Einreise muss dann eine vollständige Impfung oder ein höchstens 72 Stunden alter PCR-Test vorgelegt werden. Vollständig geimpft heißt hier, dass die zweite Impfung mindestens 14 Tage her ist. Eine Quarantänepflicht besteht nicht mehr.
  • Estland: Eine Reise nach Estland ist ohne Einschränkung für Geimpfte und Corona-Genesene möglich. Sowohl Impfung als auch Genesung müssen in den vergangenen sechs Monaten geschehen sein. In beiden Fällen sind ärztliche Nachweise vorzulegen, nachzulesen etwa in den Reise- und Sicherheitshinweisen des AA für Estland.
  • Georgien: Georgien erlaubt die uneingeschränkte Einreise auf dem Luftweg für Personen, die über den vollständigen Impfschutz verfügen. Ein entsprechender Nachweis muss vorgelegt werden. Liegt ein ausländisches Impfzertifikat vor, muss dieses in die georgische oder englische Sprache übersetzt werden.
  • Island: Reisende, die nachweislich von einer Covid-Infektion genesen sind, sind von einer Quarantäne befreit. Der Nachweis einer Impfung gegen Covid-19 befreit ebenfalls von der Isolation. Ob der Nachweis anerkannt wird, hängt am Ende jedoch von der Entscheidung der Grenzbehörden ab. Zudem müssen seit 1. April auch Einreisende mit einem Impfzertifikat oder dem Nachweis einer überstandenen Coronavirus-Infektion einen PCR-Test bei Einreise vornehmen lassen.
  • Israel: Ausnahmen von der Test- und Quarantänepflicht bestehen laut Informationen des AA für Reisende, die nachweisen können, an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein oder in Israel eine Impfung bekommen zu haben. Allerdings besteht vorerst weiterhin ein Einreiseverbot für Ausländer. Ausnahmen gelten laut AA nur für ausländische Reisende, die einen Lebensmittelpunkt in Israel nachweisen können. Lesen Sie dazu: So wurde Israel Weltmeister im Impfen
  • Kroatien: In Kroatien dürfen Hotels und Gaststätten draußen Gäste empfangen. Dabei gelten Auflagen. Es besteht Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen und draußen überall dort, wo kein 1,5-Meter-Abstand eingehalten werden kann. Bis 3. Mai erhielten 17,5 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung. Wer die Einreisebedingungen erfüllt, kann in Kroatien Urlaub machen. Für die Einreise brauchen Deutsche entweder einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, einen negativen Antikörper-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, eine Bestätigung, Covid-19 überstanden zu haben, oder den Nachweis einer vollständigen Impfung (die zweite Impfung muss mindestens 14 Tage zurückliegen. Weitere Testauflagen während des Aufenthalts gibt es nicht. Vorrechte für Geimpfte gibt es nur bei der Einreise.
  • Madeira: Wie das Tourismusbüro der beliebten Urlaubsinsel im Atlantik mitteilt, müssen vollständig Geimpfte keinen negativen PCR-Test vorweisen. Die Impfbescheinigung muss in englischer Sprache vorliegen und wichtige Daten wie Name, Geburtsdatum, Art des Impfstoffs und Impfdatum enthalten. Personen, die in den vergangenen 90 Tagen eine Corona-Infektion überstanden haben, sind ebenfalls von der Testpflicht befreit. Dies muss aber mit einer ärztlichen Bescheinigung nachgewiesen werden. Sämtliche Nachweise müssen vor der Einreise mit Hilfe der App madeirasafe.com auf englisch eingereicht werden.
  • Republik Moldau: Die Einreise ins Land ist Touristen grundsätzlich untersagt - für Geimpfte gibt es Ausnahmen: Sofern eine Bescheinigung über eine zweifache Impfung vorgelegt werden kann und der oder die Einreisende keinerlei Symptome zeigt, ist eine Einreise ohne Quarantäne gestattet. Die Bescheinigung muss in rumänischer, englischer oder russischer Sprache verfasst sein.
  • Österreich: Am 19. Mai dürfen Gastronomie, Hotels, Bühnen und Sporteinrichtungen wieder aufmachen. Als Schutzmaßnahme sind Zutrittstests vorgesehen. Veranstaltungen sind draußen mit bis zu 3000 und drinnen mit bis zu 1500 Personen erlaubt. Mit den Öffnungsschritten soll auch die Quarantäne für Urlauber aus Deutschland fallen. Geimpfte, Getestete und von Covid-19 Genesene dürfen ins Land. Die Regierung plant, dass Menschen schon drei Wochen nach der Erstimpfung keine Tests mehr vorweisen müssen. Dennoch ist Österreich aus deutscher Sicht weiterhin Risikogebiet. Bei der Rückreise stehen ein Test und mindestens fünf Tage Quarantäne an.
  • Polen: Das deutsche Nachbarland hat die zehntägige Quarantänepflicht bei der Einreise für nachweislich Geimpfte abgeschafft. Für diese Personengruppe entfällt ebenfalls die Corona-Testpflicht. Das sehen die aktuellen Einreisebestimmungen vor. Auch wer innerhalb der vergangenen sechs Monate wegen einer Corona-Erkrankung einen Krankenhausaufenthalt oder Isolierung durchlaufen hat, kann ohne Beschränkungen einreisen.
  • Pukhet (Thailand): Um den Tourismus und damit die Wirtschaft anzukurbeln, will Thailands Regierung ab Juli die quarantänefreie Einreise auf die Insel Phuket erlauben. Einreisewillige müssen vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein. Und eine weitere Voraussetzung muss erfüllt sein: 70 Prozent der einheimischen Bevölkerung müssen bis dahin gegen das Virus immunisiert sein. In den kommenden Wochen soll der Öffnungsplan wegen der steigenden Infektionszahlen allerdings noch einmal verhandelt sein, berichtet die "Bangkok Post".
  • Rumänien: In dem südosteuropäischen Land ist der Betrieb der Außengastronomie weitgehend wieder erlaubt, Hotels sind geöffnet. Im Freien und damit auch etwa an Stränden gelten weiter Masken- und Abstandspflichten. Die Impfkampagne im Land läuft auch Hochtouren, eine Priorisierung gibt es nicht mehr. Sorgen bereitet die Frage, inwieweit die Kampagne die Landbevölkerung und die religiösen Gruppen erreicht. Bei der Einreise müssen sich Deutsche für 14 Tage in Quarantäne begeben. Davon befreit ist, wer mindestens zehn Tage vor Reiseantritt die zweite Corona-Impfung erhalten hat. Für andere EU-Bürger gelten teils weniger Einschränkungen, Deutschland gilt in Rumänien als Risikogebiet.
  • Seychellen: Weil die Impfrate der Inselgruppe im indischen Ozean so hoch ist, hat die Regierung die Einreisebestimmungen weiter gelockert. Für eine Einreise benötigen Touristinnen und Touristen nur noch einen negativen PCR-Test, außerdem müssen sie sich auf der Online-Plattform des Inselstaates registrieren.
  • Slowakei: Die Geschäfte in der Slowakei sind unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln wieder geöffnet. Gastronomiebetriebe dürfen in ihren Außenbereichen servieren. Touristen müssen nach vorheriger Online-Registrierung eine 14-tägige Quarantäne antreten, von der sie sich nach frühestens acht Tagen freitesten können. Geimpfte können diese Zeit verkürzen, indem sie sich sofort nach der Einreise einem PCR-Test unterziehen.
  • Slowenien: Personen, die gegen Covid-19 geimpft sind oder die sich nachweislich infiziert haben und hiervon genesen sind, sind laut AA von der Quarantäne befreit.
  • Ungarn: Die Außenbereiche der Gaststätten stehen allen offen. Geimpfte und Genesene können außerdem in Hotels übernachten, Museen, Theater, Kinos, Bäder, Fitness-Studios und Sportveranstaltungen besuchen. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 00.00 bis 05.00 Uhr. Außerdem besteht Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen sowie draußen in allen verbauten Gebieten. Von der Maskenpflicht ausgenommen ist alles, was nur Geimpften und Genesenen vorbehalten ist.
  • Zypern: Unbeschwertes Urlauben ist auf der Mittelmeerinsel aufgrund strenger Auflagen noch nicht ohne Weiteres möglich. So dürfen die Menschen dort derzeit nur einmal am Tag für drei Stunden unterwegs sein – etwa, um an den Strand zu gehen oder einzukaufen. Dazu müssen sie eine SMS senden, die von der Polizei kontrolliert werden kann. Zypern und Deutschland stufen sich gegenseitig als Corona-Risikogebiete ein – die Einreise nach Zypern ist aber dennoch möglich. Potenzielle Gäste müssen ihre Reise online ankündigen und ihre Daten hinterlassen. Zur Einreise benötigen sie außerdem einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, oder eine abgeschlossene Corona-Impfung – abgeschlossen ist sie zwei Wochen nach der Gabe der zweiten Dosis.

Impfpass: EU-weit gültiges Dokument geplant

Ein EU-weit einheitlicher Impfausweis soll ab dem Sommer das Reisen in Europa trotz Pandemie ermöglichen. Das EU-Parlament machte Ende April den Weg für finale Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten frei. Hier bahnt sich wegen Änderungsforderungen allerdings Streit an. Das Thema ist ein wichtiges Anliegen der stark vom Tourismus abhängigen Mitgliedstaaten.

Die EU-Kommission soll im Auftrag der 27 EU-Länder dafür sorgen, dass kein Flickenteppich unterschiedlicher Dokumente entsteht. Mitte März schlug sie deshalb die gesetzliche Einführung eines sogenannten grünen Zertifikats vor: Die nationalen Behörden müssen dieses Dokument dann nach EU-einheitlichen Regeln ausstellen, die allerdings noch im Detail von EU-Parlament und Mitgliedstaaten ausgehandelt werden müssen.

Das Zertifikat ist in erster Linie als digitales Dokument gedacht, um es auf Mobilgeräten vorzeigen zu können. Es soll aber auch ausgedruckt werden können. Wichtig ist, dass ein QR-Code gescannt werden kann, um die Echtheit zu prüfen. Das Dokument soll in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch ausgestellt werden. Die deutsche Impfpass-App orientiert sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums an diesen Vorgaben.

Muss ich für Flug oder Kreuzfahrt gegen Corona geimpft sein?

Die australische Fluggesellschaft Qantas kündigte im November an, auf bestimmten Strecken nur noch Geimpfte mitzunehmen. Andere Airlines zeigten sich daraufhin irritiert. Der Luftverkehrsverband BDL machte daraufhin prompt deutlich, dass er davon nichts hält. Bisher ist sind derartige Pläne auch von keiner weiteren Fluggesellschaft bekannt.

Einige große Kreuzfahrt-Reedereien haben ihre Pläne für den Sommer bereits angekündigt und werden - wenn überhaupt - nur mit geimpften Passagieren auf Kreuzfahrt gehen. So startet die Norwegian Cruise Line (NCL) im Sommer mit drei Schiffen in die Saison. Im Mittelmeer werden dann auch Schiffe von Royal Carribean unterwegs sein, die ebenfalls nur geimpfte Gäste an Bord lassen - ebenso wie Celebrity Cruises. Bei beiden Unternehmen gilt allerdings: Nur über 18-Jährige müssen vollständig geimpft sein. Passagiere unter 18 brauchen "nur" einen negativen PCR-Test.

Die bei deutschen Urlauberinnen und Urlaubern besonders beliebten Reedereien Aida, Tui Cruises und MSC planen nach Informationen der dpa keine Corona-Impfpflicht.

(dpa/afp/fmg)

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