Nebenwirkung

Herzmuskelentzündung – Risiko bei Jungs nach Impfung größer?

| Lesedauer: 4 Minuten
Novavax - was den neuen Impfstoff so besonders macht

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Berlin  Nach einer Impfung mit Biontech entwickeln manche Jugendliche eine Herzmuskelentzündung. Eine neue US-Studie beziffert das Risiko.

Eine neue Studie aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Herzmuskelentzündung nach einer Biontech-Impfung für Jungs höher ist als das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Dazu haben die Forschenden verglichen, wie häufig Jugendliche ohne Vorerkrankungen zwischen zwölf und 17 Jahren nach der Impfung eine sogenannte Myocarditis entwickelten und wieviele Personen aus derselben Altersgruppe im selben Zeitraum wegen einer Covid-Erkrankung ins Krankenhaus mussten. Insgesamt untersuchten sie 257 Fälle von Herzmuskelentzündungen, die im ersten Halbjahr 2021 nach einer Corona-Impfung bei Jugendlichen in den USA dokumentiert wurden.

Das Ergebnis: Bei Mädchen trat eine Herzmuskelentzündung deutlich seltener auf als bei Jungs, von denen die 12- bis 15-Jährigen am stärksten betroffen sind; auch für 15- bis 17-jährige Jungs ist das Risiko deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, mit Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen. Experten verweisen allerdings auch darauf, dass die Gefahr einer Herzmuskelentzündung bei einer Covid-Infektion steigt. Zudem verliefen die Herzmuskelentzündungen meist milde, Todesfälle sind bislang nicht registriert worden. Die Rate der Erkrankungen lag bei den Jungen (12 bis 15 Jahre) bei 162,2 pro eine Million, bei den Mädchen bei 13,0 pro eine Million.

Lauterbach hält an Impfempfehlung für Jugendliche fest

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach auf Twitter von einer gut gemachten Studie, gab aber zu bedenken, dass sie das Problem Long Covid außer Acht lasse. Tatsächlich leiden auch viele Kinder nach einer Covid-Erkrankung an Langzeitfolgen. "Außerdem verläuft die Myocarditis meist leicht und heilt von alleine aus", so Lauterbach. "Somit scheint die Stiko-Impfempfehlung weiterhin richtig zu sein."

Bis Mitte August hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) die Corona-Impfung nur Jugendlichen mit Vorerkrankungen wie Diabetes empfohlen. Dann sprach das Fachgremium eine generelle Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige aus. Das Risiko einer Covid-Erkrankung sei höher einzuschätzen als das einer Herzmuskelentzündung. Inzwischen hat die Stiko auch eine generelle Impfempfehlung für Schwangere und stillende Mütter ausgesprochen.

Herzmuskelentzündungen nach Impfung mit mRNA-Wirkstoffen

Eine Studie aus Israel kam kürzlich zu einem ähnlichen Ergebnis. Im April hatte es erstmals Berichte über Herzmuskelentzündungen nach einer Impfung mit dem Mittel von Biontech gegeben. Das Problem tritt aber auch beim Corona-Impfstoff von Moderna auf, der ebenfalls auf mRNA-Technik basiert. "Todesfälle aufgrund von Myokarditis wurden nicht berichtet", heißt es im jüngsten "Epidemiologischen Bulletin" des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 19. August. Auch interessant: Biontech kündigt Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige an

Geklärt ist der Zusammenhang bislang nicht, die US-Gesundheitsbehörde CDC hält ihn aber für wahrscheinlich. "Es hat zuletzt eine höhere Anzahl von Myokarditis-Fällen bei Männern zwischen 16 und 24 Jahren innerhalb von 30 Tagen nach ihrer Zweitimpfung mit einem mRNA-Wirkstoff gegeben als statistisch zu erwarten ist", heißt es in einem Bericht der Behörde vom 23. Juni. "Wir wissen nicht, ob die Impfung die Ursache ist, aber es sieht aus wie ein Muster und kein Zufall", zitierte der US-Sender CNN eine namentlich nicht genannte Quelle innerhalb der CDC.

Bei einer Myokarditis entzünden sich Zellen im Muskelgewebe des Herzens. Ursache ist oft eine Infektion mit Bakterien oder Viren. Besonders häufig tritt sie nach einer verschleppten Grippe auf. Zwar heilt die Erkrankung in der Regel wieder ab, doch bei einigen Betroffenen kann es zu Langzeitschäden wie einer bleibenden Herzschwäche kommen. In seltenen Fällen kann eine Myokarditis auch eine nicht infektiöse Ursache haben, heißt es bei der Deutschen Herzstiftung. Eine mögliche Erklärung dafür könnten Autoimmunerkrankungen sein. Lesen Sie auch: Booster-Impfung in Oberhausen – Todesfall aufgeklärt (küp/fmg)

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