Impfschutz

Biontech und Moderna: So gut schützt Impfung vor Omikron

| Lesedauer: 5 Minuten
Omikron-Variante: WHO warnt vor "sehr hohem Risiko"

Omikron-Variante: WHO warnt vor "sehr hohem Risiko"

Die Weltgesundheitsorganisation stuft das Risiko durch die neue Omikron-Variante des Coronavirus weltweit als "sehr hoch" ein. Ein starker Anstieg der Infektionsfälle durch die Omikron-Variante könne schwerwiegende Folgen haben, warnte die WHO in Genf. of the World Health Organization (WHO) headquarters building in Geneva

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Berlin.  Die Corona-Variante Omikron hat Europa erreicht – viele Menschen sind nun besorgt. Schützt die Impfung auch vor dem mutierten Virus?

  • Die neue Corona-Variante Omikron bereitet Forschern Sorgen
  • Könnte sie den Schutz der Corona-Impfung von Biontech und Moderna umgehen?
  • Was bisher bekannt ist

Eine neue Variante des Coronavirus mit dem Namen Omikron steht im Fokus der Aufmerksamkeit – denn sie scheint in der Lage, die aktuell dominierende Delta-Variante zu verdrängen. In Südafrika, wo die ersten Fälle von Forschenden aus Botswana entdeckt wurden, ist Omikron bereits für rund 75 Prozent aller Neuinfektionen verantwortlich – zwei Wochen nachdem zum ersten Mal das Genom der Variante sequenziert wurde.

Das besondere an der Variante ist die hohe Anzahl an Mutationen des Spike-Proteins – quasi die Brechstange, mit der das Virus in die Zelle einbricht. Gegen das Spike-Protein sind auch viele Impfstoffe gerichtet. Laut RKI-Chef Lothar Wieler gibt es einige Mutationen an Stellen, an die neutralisierende und therapeutische Antikörper binden.

Biontech und Moderna: Wie gut schützen Impfstoffe gegen Omikron?

Sorgen bereitet – neben der offenbar nochmals höheren Ansteckungsgefahr – vor allem die Möglichkeit, dass Omikron in der Lage sein könnte, den Impfschutz auszuhebeln. Zumindest ein Stück weit. "Die neue Variante scheint zum ersten Mal eine echte massive Durchbruchsvariante zu sein", twitterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Freitag besorgt und teilte einen Tweet des Harvard-Epidemiologen Eric Feigl-Ding.

"Verdammt, sieht so aus, als ob die Variante wirklich den Impfschutz umgehen kann", hatte der Wissenschaftler in für ihn typisch markigem Ton getwittert und seinerseits auf einen Tweet verwiesen, der mitteilte, die beiden B.1.1529-Infektionen in einem Quarantäne-Hotel in Honkong seien bei vollständig mit dem Biontech-Impfstoff geimpften Patienten aufgetreten. Lesen Sie auch: Omikron – Schützt die Corona-Impfung auch vor der neuen Variante?

Am Mittwoch folgte ein weiterer Tweet Lauterbachs, der dagegen Hoffnung macht: "In Israel gibt es Hinweise, dass Biontech auch gegen Omikron 90 Prozent Wirksamkeit habe." Bisher wurden die Daten allerdings nicht veröffentlicht.

Omikron: Wirksamkeit der Impfstoffe nicht sicher

Aufgrund der bisher geringen Datenlage sind Experten allerdings nach wir vor besorgt. Der britische Wissenschaftler James Naismith von der Universität Oxford ging am Freitag in der Radiosendung BBC 4 Today noch davon aus, dass die derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe "fast sicher" weniger effektiv gegen Omikron sind.

Auch aus Sicht des südafrikanischen Virologen Shabir Madhi schützen herkömmliche Impfstoffe nur bedingt vor der neuen Corona-Variante. Dem TV-Sender eNCA in Johannesburg sagte er am Freitag: "Wir gehen davon aus, dass es noch einiges an Schutz gibt." Es sei aber wahrscheinlich, dass bisherige Impfstoffe weniger wirksam sein dürften.

So reagieren Biontech und Moderna auf die Corona-Variante

Ein Beweis für den sogenannten Immunescape bei der neuen Variante ist das zwar noch nicht, doch der Hersteller Biontech teilte noch am Freitag mit, man könne die Besorgnis der Experten nachvollziehen und habe "unverzüglich Untersuchungen zur Variante eingeleitet". In spätestens zwei Wochen sei mit Ergebnissen zu rechnen.

Biontech-Chef Uğur Şahin fügte am Dienstagabend im Rahmen einer Preisverleihung hinzu, dass Corona-Impfstoffe würden auch wirksam gegen die neue Variante sein. Man solle sich dennoch boostern lassen.

Sollte Omikron allerdings wirklich in der Lage sein, den Impfschutz auszuhebeln, träfe dies den Hersteller nicht unvorbereitet. Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer habe man schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten Escape-Variante des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern.

Lesen Sie auch: Virus-Variante – Omikron löst in Israel Alarmstimmung aus

Dafür seien klinische Studien mit "variantenspezifischen Impfstoffen" gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden.

Auch der Impfstoff-Hersteller Moderna hat bereits angekündigt, auf die neu aufgetauchte Variante zu reagieren. Man sei bereits mit der Forschung an Booster-Impfungen beschäftigt, die auf Mutationen, wie sie bei; Omikron auftreten, angepasst werden könnten, heißt es von dem Unternehmen. Entsprechende Daten erwarte man in den kommenden Wochen. Dass der bisherige Impfstoff gegen die Variante weniger wirksam ist, kann das Unternehmen bisher nicht ausschließen.

Virologin Sandra Ciesek zeigte sich im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" allerdings zuversichtlich: Die Anpassung der Impfstoffformeln sei leicht umzusetzen: "Das ginge relativ schnell und unkompliziert." Da Omikron nur jeweils eine Mutation an den Angriffspunkten der kürzlich entwickelten Corona-Medikamente Molnupiravir und Paxlovid zeige, würden die Wirkstoffe wohl weiter wirken.

Drosten: Mehr Daten zur Beurteilung von Omikron nötig

Dem Virologen Christian Drosten zufolge sind bei der Einschätzung der neuen Virusvariante noch viele Fragen offen. So sei unklar, ob die Variante tatsächlich ansteckender ist oder ob ein anderer Faktor Grund für die momentan beobachtete Ausbreitung ist. "Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise", teilte Drosten am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mit.

"Nach derzeitigem Ermessen sollte man davon ausgehen, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich weiterhin schützen", meint Drosten. Der Schutz gegen schwere Infektionen sei besonders robust gegen Virusveränderungen. "Der beste Schutz auch gegen die neue Variante ist daher das Schließen aller Impflücken in der Bevölkerung und die schnelle Verabreichung von Auffrischungsimpfungen." (pcl/mit dpa)

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