Pandemie

Corona-Flucht: Querdenker starten Kolonie in Paraguay

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Corona-Impfplicht: Was bedeutet das?

Corona-Impfplicht: Was bedeutet das?

Was bedeutet eine Impfpflicht konkret? Und ist eine solche Impfpflicht in Deutschland überhaupt rechtens? Antworten dazu gibt's im Video!

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Berlin  Die vermeintliche Corona-Gängelung und andere Verschwörungstheorien treiben Hunderte nach Paraguay – in ein Projekt für Querdenker.

"Gemeinsam in die Neue Zeit" will eine Gruppe deutscher, österreichischer und schweizerischer Querdenker in Paraguay gehen. Auf rund 1600 Hektar entsteht dort in der Provinz Caazapá, einer der ärmsten des Landes, bereits seit 2016 die Kommune "El Paraíso Verde" ("das grüne Paradies"). Die Website des Projekts spricht selbstbewusst vom "größten Stadtentwicklungs- und Siedlungsprojekt Südamerikas".

Doch was verbirgt sich dahinter? Rund 20.000 Menschen sollen dort einmal Platz finden, in einer Kleinstadt und mehreren Dörfern, vernetzt mit 100 Kilometern Straße, zwischen künstlich angelegten Seen und Kanälen.

Das Siedlungsprojekt des deutschsprachigen Ehepaars Sylvia und Erwin Annau sieht sich als vermeintliches "Friedensprojekt" samt geplantem Schulsystem, "auf der Basis der existierenden anthroposophischen Lehrmethoden". Das Paar beschreibt sich als "einfache Menschen" und bekennt sich dazu, den sogenannten "Querdenkern" anzugehören.

"Querdenker" wollen auswandern: Siedlungsprojekt mit Straßen und Kanälen

Im englischsprachigen Internetauftritt des Projekts ist die Rede von angeblichen "sozialistische Trends in Wirtschaft und Politik", die den Ausschlag für die Gründung gegeben hätten. Auch der moderne Mobilfunkstandard 5G und die in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, angestrebte Corona-Impfpflicht werden als Gründe angeführt. Mit dem "El Paraíso Verde" habe man einen Ort erschaffen, wo Menschen "im Zustand der Wahrheit leben" könnten. Es sei ein "Zufluchtsort für 'konservative Querdenker'".

Die Werbung scheint zu verfangen. Offiziellen Angaben zufolge sind allein im vergangenen Jahr 101 Menschen aus Deutschland in die Region ausgewandert, wie der britische "Guardian" berichtet. Im Jahr 2019 gab es demnach gerade einmal vier deutsche Immigranten.

Unter den Einwanderern seien ältere Menschen und Mittvierziger, die versuchten, "mit ihren Kindern hierher zu fliehen". Dem Bericht zufolge verfügen die Projektanhänger in Paraguay bereits über politischen Einfluss und sollen etwa versucht haben, gegen strengere Corona-Regeln lobbyiert zu haben. "Sie haben Politiker und Geld auf ihrer Seite", sagte ein ehemaliges Stadtratmitglied aus der Region der Zeitung.

Querdenker-Kolonie: Krude Thesen zu Corona-Impfung

Auf den Social-Media-Kanälen verbereitet das Grüne Paradies derweil reichlich krude Thesen und nachweislich falsche Verschwörungsmythen zu Covid-19, Corona- oder Masernimpfungen. In der Beschreibung eines Videos vom Oktober 2020 etwa ist die Rede von einer "nicht existierenden Pandemie", die Menschen zu "gefügigen Sklaven" mache.

In einem weiteren Video tritt ein Familienvater auf, der sein Kind nach eigenen Angaben vor einer Masernimpfung "schützen" wollte und angibt, dass er sich "sofort eine Maskenbefreiung" von einem Arzt habe ausstellen lassen. Er habe aber lange suchen und die Leistung selbst bezahlen müssen. In zahlreichen Videos ist die Rede von einer Angst, die die Menschen zum Auswandern getrieben habe. Lesen Sie dazu: Corona – Die größten Verschwörungsmythen erklärt

Angst scheint den Projektanhängern aber nicht nur die Corona-Pandemie zu machen. Gründer Erwin Annau sprach 2017 vor paraguayanischen Regierungsmitgliedern davon, dass "der Islam nicht zu Deutschland" gehöre.

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