Virusinfektion

Affenpocken breiten sich weiter aus – auch in Deutschland

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Affenpocken: weiterhin viele Infektionen

Affenpocken in Deutschland angekommen: 21-tägige Isolation für Infizierte empfohlen

Wie infektiös Affenpocken für Menschen sind, erklärt das Video.

Video: zro / cenders
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Berlin.  Affenpocken verbreiten sich weltweit weiter aus. Auch in Deutschland steigen die Zahlen. Besorgt äußern sich die Behörden in Kanada.

Von der Virus-Erkrankung Affenpocken sind nach US-Angaben mittlerweile hunderte Fälle in mehr als 20 Ländern bekannt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte am Freitag mit, ihr seien mehr als 700 Affenpocken-Fälle in 21 Ländern bekannt. Alle Patienten erholten sich oder seien bereits genesen, Todesfälle habe es nach den vorligenden Informationen nicht gegeben.

Bei den derzeitigen Ausbrüchen traten von den ersten 17 Affenpocken-Infektionen außerhalb Afrikas dem CDC-Bericht zufolge 16 bei Männern auf, die nach eigenen Angaben Sex mit Männern haben. 14 Fälle sollen demnach mit Reisen im Zusammenhang stehen.

65 Affenpockenfälle in Deutschland

In den USA wurden laut CDC 20 Fälle in elf Bundesstaaten registriert. Darunter sei mindestens ein Fall, bei dem kein Zusammenhang mit einer Reise bestehe und auch sonst unklar sei, wie er verursacht worden sei, erklärte CDC-Vertreterin Jennifer McQuiston. In Deutschland wurden dem Robert-Koch-Institut bis Freitag 65 Affenpockenfälle aus neun Bundesländern gemeldet.

Bilder von Affenpocken: So sieht der Ausschlag aus

Bei Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und entwickelt sich schnell zu einem Hautausschlag mit Krustenbildung. Es existieren Impfstoffe gegen die Krankheit.

Kanada bezeichnet Affenpocken-Lage als besorgniserregend

In Kanada wurden bis Freitag 77 Fälle gezählt, die meisten in der Provinz Québec. Howard Njoo von der nationalen Gesundheitsbehörde nannte die Lage auf einer Pressekonferenz "besorgniserregend". Es sei zu befürchten, dass das Virus innerhalb von Familien auf schwangere Frauen und kleine Kinder übertragen werde. Njoo hob hervor, dass die Affenpocken jeden befallen könnten, "unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung".

In den sozialen Netzwerken kursiert derweil eine alternative Erklärung für den Ursprung des aktuellen Affenpocken-Ausbruchs. Schuld soll der Astrazeneca-Impfstoff gegen Covid-19 sein, denn ein Foto eines Beipackzettel des Vakzins zeigt, dass er abgeschwächte "Schimpansen-Adenoviren" enthält. Doch während es sich beim Stoff in dem Impfstoff um ein Adenovirus handelt, gehört das Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) zur Gattung der Orthopoxviren.

Kein Zusammenhang zwischen Affenpocken und Astrazeneca

Doch beide haben eine völlig andere Funktionsweise, erklärte Stephan Becker, stellvertretender Koordinator für neu auftretende Infektionskrankheiten beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gegenüber dem Recherchezentrum Correctiv: "Beide befinden sich in unterschiedlichen Teilen der infizierten Zellen, das Adenovirus geht in den Zellkern, das Affenpockenvirus vermehrt sich im Zytosol der Zellen." Als Zytosol wird Flüssigkeit innerhalb einer Zelle bezeichnet.

Außerdem verursachen Adenoviren und Orthopoxviren unterschiedliche Beschwerden: Erstere lösen unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts oder der Bindehaut und Hornhaut aus, während letztere je nach Typ für verschiedene Pockenerkrankungen verantwortlich sind. (dpa/ fmg)

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.

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