Arbeitskampf

Mallorca: Große Streiks angekündigt – Flughafen droht Chaos

| Lesedauer: 4 Minuten
Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Nicht nur im Supermarkt explodieren die Preise. Auch die Urlaubsreise wird 2022 teurer.

Beschreibung anzeigen

Madrid  Flugbegleiter und Reinigungspersonal am Flughafen Palma de Mallorca streiken. Nun soll eine weitere Gruppe dazukommen. Es droht Chaos.

  • Mitten in der Reisezeit steuert der Flughafen von Mallorca auf ein großes Problem zu
  • So streiken im Juli nicht nur die Mitarbeiter von einigen Airlines, auch der Flughafen von Mallorca wird bestreikt
  • Das könnte für Urlauber bittere Folgen haben

Der Inseltraum könnte so schön sein. Die lang ersehnten Sommerferien nahen, der Mallorca-Urlaub ist gebucht. Doch schon die Anreise im Flugzeug könnte zum Problem werden: Das Kabinenpersonal von gleich drei Billigfluglinien kündigte Streiks an – mitten in der Urlaubssaison. Es droht ein Sommer-Chaos auf Mallorcas Airport, zumal auch die Reinigungskräfte die Arbeit niederlegen.

Schon an diesem Freitag ist der erste Streiktag, an dem die in Spanien stationierten Ryanair-Flugbegleiter am Boden bleiben wollen.

Mallorca: Nun drohen auch die Fluglotsen mit Streik

Wie sich das auf den Flugbetrieb auswirkt, wird man beim anlaufenden Ryanair-Ausstand sehen. Der Arbeitskampf bei der irischen Fluglinie trifft nicht nur Tausende von Mallorca-Reisende, sondern er dürfte auch den Betrieb mit anderen Ferienflughäfen wie Teneriffa, Alicante, Valencia, Barcelona oder Sevilla stören.

Spaniens Regierung ordnete zwar eine Mindestversorgung an, wonach 50 bis 80 Prozent der Ryanair-Flüge garantiert werden müssen. Doch ob diese Regelung auch eingehalten wird, ist erfahrungsgemäß unsicher. Reisende sollten sich daher informieren, ob ihr Flug tatsächlich stattfindet.

Auf Mallorcas Airport will von Juli an außerdem das Reinigungspersonal Besen und Putzlappen ruhen lassen. Von früheren Putzausständen weiß man, was das bedeuten kann: Der Flughafen in Palma, auf dem jetzt im Sommer täglich mehr als 100.000 Urlauber abgefertigt werden, könnte sich in eine einzige Müllhalde verwandeln. Auch die Toiletten werden dann üblicherweise nicht mehr geputzt.

Aber es könnte noch schlimmer kommen: Die spanischen Fluglotsen drohen ebenfalls mit Arbeitsniederlegungen. Spaniens Flugverkehrskontrolleure beklagen Überlastung und Personalmangel. Der Luftverkehr laufe wieder im Hochbetrieb, in diesem Rekord-Sommer seien mehr Flugzeuge als vor der Pandemie in der Luft, aber die Belegschaft sei nicht größer, sondern kleiner geworden.

Mallorca-Streik: Gewerkschaften appellieren an Reisende

Unter Spanienreisenden ruft die Streikwelle bei den Low-Cost-Airlines zwiespältige Reaktionen hervor. "Wer billig fliegt, der hat auch unterbezahltes Personal – und das muss sich ändern", schreibt ein Mallorca-Urlauber im sozialen Netzwerk Facebook. Andere ärgert, dass der Ausstand in die Ferienzeit fällt. "Guter Lohn ist ja schön, aber wer sind die Leidtragenden: die Urlauber", kommentiert ein anderer Inselfan.

Die Gewerkschaften bitten derweil die Passagiere um Verständnis und sprechen von eklatanten Missständen bei Ryanair, Easyjet und Lauda Europe. "Die Kabinenmitarbeiter bei Ryanair sind Arbeiter dritter Klasse", klagt die Arbeitnehmervertretung USO. "Unsere Rechte werden nicht respektiert." Ryanair sei die einzige internationale Fluggesellschaft in Spanien ohne Flächentarifvertrag.

Wie niedrig die gezahlten Löhne sind, macht USO am Beispiel von Easyjet deutlich. "Im Moment bekommen die Easyjet-Mitarbeiter in Spanien einen Basislohn von 950 Euro." Das seien 850 Euro weniger, als die Flugbegleiter in Deutschland oder Frankreich erhalten. Hinzu kommen allerdings noch variable Lohnzuschläge, die von der Zahl der Flugstunden abhängen.

Mallorca-Streik: Diese Rechte haben betroffene Urlauber

Nicht nur in Spanien, auch in anderen europäischen Ländern sind viele Ryanair-Mitarbeiter sauer. Sie werfen Airline-Boss Michael Kevin O'Leary vor, Arbeitsbestimmungen und gesetzliche Mindestlöhne nicht einzuhalten. Deswegen sind in diesen Tagen auch die Flugbegleiter in Portugal, Frankreich, Italien und Belgien auf den Barrikaden, wo es ebenfalls zu Arbeitsniederlegungen kommt.

Reisende, deren Flug annulliert wird, haben auf jeden Fall Anspruch auf vollständige Erstattung des Preises oder auf Ersatzbeförderung, erklärt die deutsche Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. Inwieweit auch Schadenersatz oder Ausgleichszahlungen verlangt werden könnten, richte sich nach den jeweils anwendbaren nationalen Vorschriften.

Die Fluglinie hafte dann nicht für mögliche Schäden, wenn sie nachweise, dass sie die Annullierung durch "außergewöhnlicher Umstände" verursacht wurden, wozu auch Streiks gehören könnten. Anwälte weisen aber darauf hin, dass es juristisch umstritten ist, ob bei einem Streik des eigenen Personals "außergewöhnliche Umstände" angeführt werden können, da ein Arbeitgeber ja durchaus Einfluss auf Tarifverhandlungen hat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder