Beobachtungen aus Schläger-Prozess – So agieren die Anwälte

Von links: Anwalt Jan-Robert Funck, die beiden Angeklagten, und Anwalt Alexander Funck.

Von links: Anwalt Jan-Robert Funck, die beiden Angeklagten, und Anwalt Alexander Funck.

Foto: Flentje 

Jan-Robert Funck verteidigt mit seinem Bruder Alexander Funck jeweils einen Angeklagten im Prozess vor dem Braunschweiger Landgericht.

Es geht um Schlägereien in Lengede und Vatertag am Salzgittersee, bei denen Menschen teilweise sehr schwer verletzt.

Wenn Jan-Robert Funck das "Fragerecht" hat, fliegen die Seiten der Akten nur so durch seine Finger. Ob der Anwalt wirklich etwas sucht, oder nur so tut, das weiß er selbst am besten. Meistens beginnt er im ruhigen, warmen Ton, die Zeugen zu befragen. Die Fragen scheinen harmlos, sind leicht zu beantworten, führen aber meist zu einem Ziel: das Belastende in der Aussage zu entschärfen.

Wenn Jan-Robert Funck die Hände wie auf der berühmten Dürer-Zeichnung faltet, den Kopf zurück nimmt und tief durchatmet, wird es meistens ernst für die bis dahin selbstsicheren Zeugen. Es folgt eine bissige, oft entlarvende Frage und ein dauerhafter Blick in die Augen der Person auf dem Zeugenstuhl.

Zum Schluss lässt sich Jan-Robert Funck viel Zeit, blättert noch einmal scheinbar gezielt durch die Akten, sagt dann "O.k.", macht eine Pause und stellt dann fest: "Ich habe keine weiteren Fragen mehr."

Sein Bruder Alexander Funck, der den älteren Angeklagten verteidigt, sieht zwar nicht aus wie "Detective Columbo", fragt aber wie er: stets in diesem vermeintlich unscheinbaren, schwer naiv bis ahnungslos wirkenden Tonfall.

Ohne Blickkontakt zum Zeugen blättert Alexander Funck tief über den Tisch gebeugt ebenfalls in seinen Akten, stellt harmlose, hinführende Fragen. Dann dreht er den Kopf von unten hoch, blickt zum Zeugen und stellt eine Frage, die zwar immer noch naiv klingt, aber ganz und gar nicht unwichtig ist.

Oft wird dadurch deutlich, dass frühere Aussagen der Zeugen nicht mehr zu den Antworten passen, die sie eben noch dem Anwalt gaben. Auch das schwächt eine vermeintlich belastende Aussage ab.

Auch bei Alexander Funck gibt es bisher selten klare Schlussfolgerung, was sich aus den Antworten der Zeugen ergibt. Nur manchmal macht er deutliche Ansagen wie: "Sie waren besoffen, und Sie verschleiern das hier!"

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