"Es ist unerhört, wie die Kirche mit einem verdienten Pfarrer umgeht"

Braunschweiger Anwalt vertritt Ex-Pfarrer Erich Helmer und reicht Klage beim Kirchen-Verwaltungsgericht ein

PEINE. Nachdem sich der ehemalige Pfarrer Erich Helmer kritisch über die Peiner Superintendentin geäußert hat, verlangt die evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig seine Ordinationsurkunde zurück.

Ohne Ordinationsrecht darf der 86-Jährige vertretungsweise keine Gottesdienste, Hochzeiten oder Beerdigungen mehr übernehmen.

Der Brief kam in der Adventszeit. Helmer: "Ich war mehr als 60 Jahre als Pfarrer tätig, und dann so etwas. Das hat mich getroffen. Der Brief hat mir das Weihnachtsfest verhagelt." Traurig klingt der 86-jährige Peiner. Und wütend. "Das lasse ich mir nicht bieten", sagt er auf PN-Anfrage. Er habe den Braunschweiger Rechtsanwalt und Notar Friedrich Lehmann damit beauftragt, Klage beim Kirchen-Verwaltungsgericht einzureichen.

Der Anwalt empört sich, wie er sagt, auch als Kirchenmitglied: "Es ist unerhört, wie die Kirche mit einem verdienten Pfarrer umgeht." Vor Gericht habe Helmer gute Chancen.

Die Kirche warnt davor, gegen das entzogene Recht zu verstoßen: "Herr Helmer würde sich des Missbrauchs einer Amtsbezeichnung schuldig machen", erklärt Michael Strauß, Pressesprecher der Landeskirche. Warum aber weist die Kirche Helmer ausgerechnet jetzt – kurz nachdem er Superintendentin Christa Gerts-Isermeyer in den PN kritisiert hat – darauf hin, dass er angeblich bereits seit Beginn seines Ruhestandes 1983 kein Ordinationsrecht besitzt? Strauß: "Er hat sich in letzter Zeit öffentlich zu Wort gemeldet und sich als Pfarrer im Ruhestand tituliert. Damit hat er suggeriert, dass er aus einer geistigen Position heraus spricht. Das tut er aber nach Einschätzung des Rechtsamtes des Landeskirchenamtes nicht."

Helmer steht weiterhin zu seiner Kritik an der Superintendentin. Er sagt: "Ich hatte mir als angehender Pfarrer einst vorgenommen, auch unbequeme Dinge beim Namen zu nennen und niemals unwahr zu werden. Nur so würde man auch glaubhaft unseren Glauben vertreten können. Dabei bleibe ich."

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