„Ich muss wissen, wer der Mörder ist“

Peine  Ein Besuch in der Krimistube an der Jägerstraße in der Peiner Südstadt – Treffpunkt zum Schmökern, Stöbern und Verweilen.

Sabine Schymosch in ihrer Krimistube. Ihre Mutter, Ruth Otto, stellt die Räume der ehemaligen Bäckerei in Peine zur Verfügung.

Sabine Schymosch in ihrer Krimistube. Ihre Mutter, Ruth Otto, stellt die Räume der ehemaligen Bäckerei in Peine zur Verfügung.

Foto: Heike Severin

Am Ende der Straße, dort wo einst ein Bahnübergang in unmittelbarer Nähe war, befindet sich das Haus Jägerstraße 3. In den 1960er Jahren befand sich dort der Verkaufsraum einer Bäckerei. Nun steht „Krimistube“ in geschwungenen Lettern auf dem Schild im Schaufenster.

Dort sitzt eine Figur, die sehr starke Ähnlichkeit mit Sherlock Holmes aufweist. Der berühmte Detektiv, den der britische Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle Ende des 19. Jahrhunderts erfunden hat, gibt dem Betrachter schon einmal einen Hinweis darauf, dass sich hinter der Eingangstür mehr als 300 Kriminalfälle verbergen, die gelöst werden möchten.

Belebung in der Südstadt

Die Idee, eine Krimistube zu eröffnen, ist Sabine Schymosch (59) vorm Fernseher gekommen. „Es lief der Krimi ,Wilsberg´“, erinnert sie sich. Kombiniert mit ihrem Engagement beim Runden Tisch in Peine, der sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Geschäfte und Treffpunkte für Begegnungen in der Peiner Südstadt zu schaffen, fiel ihr der leerstehende Laden ihrer Mutter ein.

Im Spätsommer 2013 ging es los.“ Zunächst wurde alles ausgemistet, die Wände wurden gestrichen. „Und in sämtlichen Kellerräumen suchte ich nach brauchbaren Möbeln“. Auch Freunde und Bekannte wurden einbezogen. „So fanden sich schnell ein gemütliches Sofa, Cocktailsessel und sogar ein Ohrensessel“, erzählt die 59-Jährige.

Ihre 265 Bücher umfassende Krimisammlung fand Platz in diversen Regalen. So schuf sie einen Raum, der zum Schmökern und Verweilen einlädt.

„So ist alles gewachsen“, freut sich Sabine Schymosch und greift sich ein Buch. Sie hat mehrere Lieblingsbücher. „Die Frauen die er kannte“ von Hjorth & Rosenfeldt ist für sie „besonders dick“. „Wenn es nicht so schön große Schrift hätte, hätte ich es sicher nicht gelesen“, schmunzelt sie.

Ein weiteres Auswahlkriterium für sie: „Wenn mich der Inhalt nach den ersten 100 Seiten nicht mitgerissen hat, lese ich nicht weiter.“ Den genannten Titel las sie bis zum Schluss. „Ich muss schließlich wissen, wer der Mörder ist“.

Ein Buch von hinten lesen? „Undenkbar, die Spannung muss bis zum Schluss anhalten“, winkt Sabine Schymosch ab – und greift zu ihrem zweiten Lieblingsbuch: „Verblendung“ von Stieg Larsson. „Das ist für mich wie ein neuer Klassiker, einfach gut, man muss ihn gelesen haben!“

Fälle aus dem wahren Leben

Ihre Hände schweifen weiter über das Bücherregal. Sie greift nach „Abgeschnitten“ von Fitzek Tsokos. „Er ist im echten Leben ein Gerichtsmediziner. Gemeinsam mit einem Autor hat er einen Roman verfasst.“

Schließlich landet Sabine Schymosch bei Ferdinand von Schirach und seinem Buch „Schuld“. „Es sind wahre Kurzgeschichten – erzählt von einem Berliner Staatsanwalt. So, wie das Leben eben sein kann.“

Von Beruf ist die Peinerin nicht etwa Kriminologin oder Gerichtsmedizinerin – sie ist Sparkassenbetriebswirtin. Bevor sie im vergangenen Sommer in die passive Altersteilzeit ging, war sie Marktbereichsleiterin in der Südstadt.

„Ich wollte die Hände aber nicht einfach in den Schoß legen“, sagt die 59-Jährige und lacht. So hat sie hat bereits „mehrere Dinge angeleiert, damit es nicht langweilig wird“.

Spannende Ahnenforschung

Außer der Krimistube, deren Buchbestand sie bereits durch verschiede Spenden aufstocken konnte, wird sie ein Schöffen-Amt übernehmen, um sich „mit Geschichten auseinanderzusetzen, die das Leben schreiben.“

DIE KRIMISTUBE

Tatort: Krimi-Stube, Jägerstraße 3, in Peine. Die Räume laden zum Stöbern, Klönen und Verweilen ein. Gäste sind herzlich willkommen.

Tatzeit: Die Krimistube ist donnerstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

Die Bücher werden kostenfrei verliehen. Buchspenden werden gern angenommen und in den Bestand aufgenommen.

Später dann möchte sich Schymosch mit Ahnenforschung beschäftigen. „Auch das kann, glaube ich, recht spannend werden.“

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