Kreiselternrat Peine: Lehrermangel könnte „böses Blut“ geben

Peine.  Förderschullehrkräfte sollen im neuen Schuljahr aus Regelschulen abgezogen werden, um die Astrid-Lindgren-Schule in Groß Ilsede zu unterstützen.

Zu wenig Lehrer gibt es an der Astrid-Lindgren-Schule in Groß Ilsede: Deshalb helfen dort im neuen Schuljahr Förderschullehrer aus Regelschulen aus.

Zu wenig Lehrer gibt es an der Astrid-Lindgren-Schule in Groß Ilsede: Deshalb helfen dort im neuen Schuljahr Förderschullehrer aus Regelschulen aus.

Foto: Archiv

Mit Sorge blickt der Kreiselternrat dem nächsten Schuljahr entgegen, das am Donnerstag beginnt: Die Elternratsmitglieder Roland Mainka und Daniela Klein befürchten: Es könnte „böses Blut“ geben. Denn der unverminderte Mangel an Förderschullehrkräften werde im Landkreis zu einem konkreten Problem führen: Für rund 40 Mädchen und Jungen, die mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ (GE) an Regelschulen (Grundschulen und weiterführende Schulen) beschult werden, wird der Stundenumfang betreuender Förderlehrkräfte Klein und Mainka zufolge erheblich reduziert.

Hintergrund: Wegen des Personalmangels an der Groß Ilseder Astrid-Lindgren-Schule (Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung) sollen diese Lehrkräfte der Regelschulen zunächst einmal den Bedarf an der Förderschule decken. Zuständig für solche Personalausstattungen ist das Land, der Landkreis Peine als Schulträger ist vielmehr verantwortlich für die Schulgebäude und die (sächliche) Ausstattung. Die Eltern-Kritik wende sich in Sachen Lehrer aber trotzdem an den Landkreis, machen Mainka und Klein deutlich.

Im Kreis Peine gibt es rund 1100 Schulkinder mit Förderbedarf unterschiedlicher Art (mit verschiedenen sonderpädagogischen Fachrichtungen) – und die Tendenz ist laut Mainka steigend. Mit dem Förderschwerpunkt GE gibt es im Kreisgebiet rund 230 Schüler. Für die Förderunterstützung der GE-Kinder an Regelschulen gibt es kein Anrecht, sondern die Betreuung ist ressourcengebunden – und Lehrer sind eben nicht ausreichend vorhanden.

Roland Mainka schlägt eine Lösung vor, die allerdings nicht kurzfristig Abhilfe schaffen würde: „Die Ausbildung zum Lehrerberuf sollte geändert werden in ein duales Studium.“ Die Praxisanteile könnten allen zu Gute kommen – den Lehrern, den unterbesetzten Schulen und den unterversorgten Kindern.

Das sagt die Landesschulbehörde

Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde in Lüneburg, räumt ein, Förderschullehrkräfte würden niedersachsenweit gesucht – der Landkreis Peine bilde da keine Ausnahme. „Für die Astrid-Lindgren-Schule haben wir für das kommende Schuljahr drei Stellen für Förderschullehrkräfte ausgeschrieben, bisher konnten wir eine davon besetzen“, betont Bianca Schöneich: „Das Einstellungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen und wir arbeiten weiter intensiv daran, alle Stellen zu besetzen.“

Nach jetzigem Stand kann die Astrid-Lindgren-Schule der Sprecherin zufolge zum kommenden Schuljahr drei Lehrkräfte mit 60 Stunden an die Regelschulen abordnen. „Wir stimmen dem Kreiselternrat zu, dass diese Stunden für die 40 Schülerinnen und Schüler, die mit dem Förderschwerpunkt GE an Regelschulen beschult werden, nicht ausreichend sind, müssen aber natürlich auch die Versorgung der Astrid-Lindgren-Schule im Blick behalten“, beschreibt Bianca Schöneich das Dilemma. Dort, wo Förderschullehrkräfte nicht im erforderlichen Stunden-Umfang zur Verfügung stünden, würden dafür auch Lehrkräfte, die nicht über das Lehramt für Sonderpädagogik, sinnvoll durch die Schulen eingesetzt – diese Lehrer verfügten aber gegebenenfalls „durch Fort- und Weiterbildungen über sonderpädagogisches Know-how und entsprechende Erfahrung“. Dazu gewährt das Land laut Bianca Schöneich weitere Stunden zur inklusiven Beschulung „großzügig über entsprechende Zusatzbedarfe“.

Und weiter: „Die Landesregierung hat eine Reihe von Vorkehrungen getroffen, um dem bundesweit herrschenden Mangel an Sonderpädagogen zu begegnen und die Regelschulen beim Umgang mit Schülern zu unterstützen, die sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf haben.“ Dazu gehörten unter anderem Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Regelschullehrkräfte, die Aufstockung der Stellen für pädagogische Mitarbeiter sowie die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren Inklusive Schulen (RZI). Das RZI befindet sich in Peine, Woltorfer Straße 73, zu erreichen ist es telefonisch unter der Nummer (05171) 5058342 oder unterMarkus.Liebich@nlschb.niedersachsen.de per Mail – es berät individuell die Schulen und Eltern.

Das sagt die SPD

Matthias Möhle, SPD-Landtagsabgeordneter aus Peine, stellt klipp und klar fest: „Die Versorgung mit Förderschullehrkräften ist immer noch unzureichend und wird im Landes-Kultusausschuss regelmäßig thematisiert.“ Einerseits sollen dem SPD-Mann zufolge die Lehrkräfte möglichst sinnvoll für die inklusive Beschulung sowohl an den Förderschulen, als auch in den Regelschulen eingesetzt werden. „Zum anderen muss die Zahl der Förderschullehrkräfte aber auch durch eine höhere Zahl von Studienabsolventen wachsen“, setzt Möhle hinzu: „Die Bedenken der Eltern und des Kreiselternrats kann ich nachvollziehen.“

Deshalb sei es wichtig, „die Kapazitäten möglichst sinnvoll auf die Schulen zu verteilen und in ausreichendem Maß durch Lehrkräfte mit entsprechenden Zusatzqualifikationen zu ergänzen“. Für die Zukunft wolle die SPD-/CDU-Landesregierung weiterhin an einer Erhöhung der Zahl der Förderschullehrkräfte arbeiten. Möhle: „Auch müssen wir dem Unterstützungsbedarf der Sonderpädagogen durch Bereitstellung von pädagogischen Mitarbeitern sowie einem guten Angebot an Fortbildungsmaßnahmen Rechnung tragen.“ Außer dem gebotenen Ausbau der personellen Ressourcen sei ihm auch die Erhöhung der Besoldung der Lehrkräfte wichtig: „Wir werden künftig nur dann ausreichend Personal haben, wenn die hochqualifizierten Lehrkräfte auch entsprechend bezahlt werden.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder