Belastete Zeugin Peiner Angeklagten aus Rache?

Hildesheim.  Das behauptet eine weitere Zeugin im Drogenprozess. Doch das Gericht hegt Zweifel. Nächste Woche Mittwoch fällt das Urteil

Die Kammer zieht in den Sitzungssaal des Landgerichtes Hildesheim ein.    

Die Kammer zieht in den Sitzungssaal des Landgerichtes Hildesheim ein.    

Foto: Bettina Reese

Im Drogenverfahren gegen zwei Peiner (34 und 35 Jahre) wurden am Dienstag auf Antrag eines Verteidigers zwei neue Zeugen gehört. Den Angeklagten wird vorgeworfen, mit größeren Mengen von Kokain und Marihuana gehandelt zu haben.

Einer davon ist der jüngere Bruder des 35-jährigen Angeklagten. Gegen den 22-Jährigen hatte die Staatsanwaltschaft nach der belastenden Aussage der Ex-Freundin des 35-Jährigen auch ermittelt. Die Ermittlungen gegen ihn wurden aber eingestellt. „Es war absolut falsch, was sie gesagt hatte“, gab der Mann vor Gericht an. Seit seiner Haftentlassung im Jahr 2017 sei er clean, würde kein Marihuana rauchen und auch keine anderen Drogen nehmen. Er habe ein neues Leben angefangen, gab er vor Gericht an. Mit Kokain habe er noch nie etwas zu tun gehabt.

Der Staatsanwalt hakte nach, fragte, ob er unter einem Pseudonym einen Facebook-Kommentar auf einen Gerichtsbericht unserer Zeitung geschrieben habe. Das gab der 22-Jährige zu. In seinem Kommentar am 14. August 2019 bezeichnete er die Ex-Freundin seines Bruders als Junkie, und die Väter von ermittelnden Polizisten als Pädophile.

Gehört wurde auch eine 23-jährige Peinerin, die gemeinsam mit der 27-jährigen Hauptbelastungszeugin zu deren Aussage bei der Polizei erschienen war. Bei der gesamten Vernehmung der 27-Jährigen sei sie dabei gewesen. Sie hatte sich aber erst vor kurzem bei dem Verteidiger gemeldet und ihm berichtete, dass die 27-Jährige sich nur mit der Anzeige an dem 35-Jährigen rächen wollte.

Nicht ganz klar war es der Vorsitzenden Richterin Karin Brönstrup, warum sie sich jetzt erst gemeldet habe. Sie habe dann doch gewusst, dass die Männer grundlos in Untersuchungshaft sitzen würden, hielt die Richterin der 23-Jährigen vor. „Ich hätte viel früher kommen sollen“, gab die Frau an. Nochmals betonte sie, dass sich die 27-Jährige wirklich über die belastende Aussage gegen den 35-Jährigen gefreut hätte.

Etwas durcheinander kam die Frau mit den Zeiten. Sie gab an, die 27-Jährige im Mai auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt zu haben – aber nur flüchtig. Die Aussage bei der Polizei erfolgte aber schon im April 2019 – darauf wies die Kammer sie hin. Daraufhin änderte sie ihre Aussage.

Die Kammer nahm zur Kenntnis, dass die 23-Jährige keine Fahrtkosten erstattet haben wollte – sie war von der Schwester des 35-jährigen Angeklagten zum Gericht gefahren worden.

Der letzte Verhandlungstag in diesem Prozess ist der kommende Mittwoch. Dann wird auch das Urteil erwartet.

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