Konzert in Peine: Sängerin verarbeitet Depressionen

Peine.  Marie-Luise Gunst erhält in Peine viel Applaus. Ihr Auftritt ist Teil der Gesundheitswoche. Hier finden Sie das Programm.

Das Konzert „Depressionen unplugged“ mit Marie-Luise Gunst & Band (vorne rechts) wurde vom „Bündnis gegen Depression“ mit Unterstützung von Pastor Markus Lenz (links) organisiert. 

Das Konzert „Depressionen unplugged“ mit Marie-Luise Gunst & Band (vorne rechts) wurde vom „Bündnis gegen Depression“ mit Unterstützung von Pastor Markus Lenz (links) organisiert. 

Foto: Heike Saalmann

Die Gefühlswelt ist dicht, „ich erreiche mich einfach nicht“. Gleich zu Beginn des Konzerts „Depressionen unplugged“ nimmt Marie-Luise Gunst die Zuhörer in der Peiner Friedenskirche mit in ihre Gefühlswelt, lässt sie teilhaben „an dem, was berührt“. Die Berliner Sängerin (35) weiß, wovon sie spricht, war und ist von Kindheit an immer wieder von Depressionen betroffen und verarbeitet ihre Erlebnisse in ihren Songs, „um mit anderen ins Gespräch zu kommen: aus Leid wurde Lied“.

„Manchmal fühle ich mich, als wäre ich unter Wasser“, schilderte die Sängerin. Alles sei dumpf und nicht klar zu erkennen. So entstand der Song „Tiefsee“, in dem die Seele auf dem Grund sinkt „und immer weiter muss ans Licht“. In den Erklärungen zwischen den Songs betrachtete Marie-Luise Gunst ihre inneren Wunden, „denn nur, wenn ich sie gut versorge, kann es sein, dass sich nicht alles wieder rückwärts dreht“.

Gunst versuchte diese Gefühle in Wort zu packen und es entstand der Song „Das tapfere Schneiderlein“. Auch tragisch-komische Geschichten von der „ WG Schwermut“ hatte Marie-Luise Gunst im Gepäck. „Seit Jahren lebe ich in einer WG mit meiner Depression“, so die Berlinerin. „Wenn sie da ist, bestimmt sie über mich, manchmal für Stunden, manchmal für Tage“. Marie-Luise Gunst verlas frisch-freche Dialoge, in denen sie mit der Depression kämpft, sie abhängt und doch wieder eingeholt wird. Die Erzählungen stimmten die Zuhörer in der Kirche nachdenklich und doch auch stellenweise heiter, zauberten manches Lächeln in die Gesichter, ließen einige Zuhörer zustimmend nicken.

Zum Konzert hatte das lokale Bündnis gegen Depressionen eingeladen, das jährlich rund um den 10. Oktober – dem Tag der seelischen Gesundheit – das Thema zusammen mit Betroffenen, Angehörigen und Interessierten aufgreift und in Veranstaltungen auf unterschiedlichen Ebenen anbietet. „Wir sind froh, Marie-Luise Gunst für das Konzert gewonnen zu haben“, schilderte Organisatorin Claudia Brass. „Sie hat das Talent, das traurige Tabu-Thema eindringlich, ruhig und einfühlsam mittels Musik und Gesang darzustellen.“

Programm der „Peiner Wochen der seelischen Gesundheit“:

Sonntag, 13. Oktober: ökumenischer Gottesdienst (Petra Zappe/katholische Kirchengemeinde und Markus Lenz/evangelische Kirchengemeinde) zum Thema Einsamkeit. Friedenskirche in Peine, Gunzelinstraße 29c. 10 Uhr.

Dienstag, 15. Oktober: Das „Trialog-Forum seelische Gesundheit“ lädt ein zum Thema Psychose. Impuls vom AWO-Psychiatriezentrum Königslutter zu Behandlungsmöglichkeiten. Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Profis. Gemeindehaus Friedenskirche in Peine, Eichendorffstraße 6. 18 bis 20 Uhr.

Mittwoch, 16. Oktober: Vortrag/Lesung mit Dr. Eva Wlodarek (Hamburg) aus ihrem Buch „Einsam: vom mutigen Umgang mit einem schmerzhaften Gefühl“. Buchhandlung Thalia in Peine, Breite Straße 8. 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr). Anmeldung erwünscht und Infos unter buendnis-depressionen@landkreis-peine.de per Mail.

Donnerstag, 17. Oktober: Vortrag und Austausch über „Sind Männer einsame Wölfe? – Männer und Kommunikation“. Vortragsveranstaltung und Diskussionsrunde mit Dirk Böhnstedt von der Tagesklinik für Männer in der Klinikum Wahrendorff. Arcus in Peine, Ilseder Straße 39. 18 Uhr.

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei, um Spenden gebeten. Eine Anmeldung ist nur am 16. Oktober wünschenswert.

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