Kinderpornografie – Bewährungsstrafe für Mann (65) aus Peine

Peine.  Der Angeklagte gab sich zunächst unschuldig und wurde erst auf Zureden geständig. Der 65-Jährige muss nun eine Therapie machen.

Eine Besucherin betritt das Amtsgericht auf dem Amtshof in Peine.

Eine Besucherin betritt das Amtsgericht auf dem Amtshof in Peine.

Foto: Thomas Stechert

Ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung – so lautet das Urteil des Peiner Amtsgericht für einen 65-Jährigen aus Peine, der auf zahlreiche Computerdateien mit Kinderpornografie besessen und einige davon mit offenbar Gleichgesinnten getauscht hat. Zunächst hatte der Mann sich unschuldig gegeben, erst im Verlauf der Verhandlung am Montag räumte er die ihm zu Last gelegten Taten ein.

Ja, er habe die Dateien mit Kinderpornografie besessen, sagte der gelernte Maler, der mittlerweile im Ruhestand ist. Allerdings seien ihm diese im Verlauf etlicher Jahre zugeschickt worden, er hätte sie gar nicht haben wollen. „Ich habe die Dateien auch immer gelöscht“, sagte er. Einen Verteidiger hatte der Mann nicht mit zur Verhandlung gebracht.

Auch für das Verschicken der Bilder hatte er eine Erklärung parat: „Die Fotos hatte ich bekommen und habe sie nur zurückgeschickt“, sagte er.

Richter Wilfried Lehmann-Schmidtke indes glaubte dem Angeklagten kein Wort. Denn die Polizei hatte im Verlauf der Ermittlungen nicht nur die Bilddateien aus dem Mobiltelefon des 65-Jährigen herausgelesen – auch die Chatnachrichten, die den Austausch der Bilder begleiteten, fanden die Beamten. Trotzdem blieb der Angeklagte zunächst bei seiner Version, blätterte gelassen in den Unterlagen mit der Anklageschrift.

Auch als der Richter sagte, er könne die Chatverläufe gern öffentlich in die Verhandlung einbringen, lenkte der Peiner nicht ein. Vielmehr berichtete er davon, dass er sich nicht an Kindern ergötzen könne, er habe schließlich selbst Enkel.

Mehrfach versuchte Lehmann-Schmidtke dem Angeklagten zu erklären, dass die Kinder auf den Bildern zwar lächeln mögen, sich aber bestimmt nicht freiwillig auf die darstellten Szenen einließen. Als der Richter die Chats verlas, wurde der Angeklagte immer stiller. Der zu einem Bild beigefügte Text „Meine kleine Sklavin“ war noch eine der harmloseren Varianten.

Letztlich gelang es dem 65-Jährigen nicht zu erklären, warum er die 185 Kinderpornos, die am Ende angeklagt wurden, erst zwei Monate vor dem Zugriff der Polizei gelöscht hatte – und nicht immer dann, wenn er sie bekommen hatte, wie er zuvor behauptete. Ungeklärt blieb auch, wieso er elektronische Kopien von Bildern „zurück“ an den Absender schickte.

Die Staatsanwältin redete dem Angeklagten ebenfalls ins Gewissen, er solle sich zu seinen Neigungen bekennen und schlug ihm eine Therapie vor. Er habe wenig Zeit, antwortete der Mann zunächst, willigte dann aber doch ein.

In seiner Urteilsbegründung erklärte Lehmann-Schmidtke noch einmal, dass die Kinder sich nicht freiwillig für sexuelle Handlungen hergeben würden. „Das ist ein Sumpf, der trocken gelegt werden muss“, sagte der Richter. Dies könne nur über Strafen für die Beteiligten gelingen. Der Angeklagte in Peine habe den Markt mit dem Weiterleiten der Bilder bedient.

Der Richter setzte die Strafe zur Bewährung aus. Bisher ist der 65-Jährige nicht straffällig geworden. Im Zuge der dreijährigen Bewährungszeit wird dem Verurteilten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Außerdem muss er eine Therapie beginnen und darf diese nicht aus eigenem Antrieb abbrechen.

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