Buh-Rufe und Klatschmärsche im Peiner Forum

Peine.  Gernot Hassknecht aus der Heute-Show eilt im Forum durch viele Themenbereiche.

Gernot Hassknecht eilte im Peiner Forum in seinem Programm lautstark durch viele Themenbereiche.

Gernot Hassknecht eilte im Peiner Forum in seinem Programm lautstark durch viele Themenbereiche.

Foto: Rainer Heusing

Als „Deutschlands beliebtesten Choleriker“ kündigte ihn Kulturring-Geschäftsführer Thomas Renz in seiner Begrüßungsansprache an. So war es verständlich, dass das Forum am Mittwochabend ausverkauft war. Denn die Besucher wollten Gernot Hassknecht, die Kultfigur aus der preisgekrönten „Heute-Show“ des ZDF, mal live erleben.

Hans-Joachim Heist, so lautet der Geburtsname des Künstlers, ist eigentlich ein friedfertiger, liebenswerter Mensch, der den Schalk im Nacken hat – so wie Heinz Erhardt, den er früher oft parodiert hat. Aber als Hass-Knecht (nomen est omen) muss er nun auch auf der Bühne den Brüller geben. Sein Programm steht unter dem Titel „Jetzt wird’s persönlich“.

In Peine begann er es mit einer Neujahrsansprache, in der er gleich loslederte. Die Entscheidung für Florian Silbereisen aus dem Jahre 2019 müsse umgehend korrigiert werden, sagt er, um dann zu explodieren: „Ich wollte doch Traumschiff-Kapitän werden.“

Und so schippert er Volldampf voraus durch viele aktuelle Themen, knöpft sich Verkehrsminister Andreas Scheuer vor, der mit der gescheiterten PKW-Maut Milliarden versenkt habe, erläutert, was er unter autonomem Fahren verstehe („Tempo 70 auf der Autobahn und immer auf der linken Spur“), nennt Englands Premier Boris Johnson „die britische Fleischwurst“, Donald Trump „Präsident Planlos“ und empfiehlt, Strafzölle auf jeden Big Mac zu erheben. Er geißelt den „Verblödungsauftrag der Privatsender“ und die Werbemethoden in der Partnervermittlung, um dann in den Saal zu brüllen: „Ich parshippe nicht, ihr Flitzpiepen.“ Verständlich, Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht ist verheiratet und vor einigen Tagen 71 geworden.

Er wird in seinen Ausführungen oft mit Einspielern unterstützt. So fragt er das Publikum, von wem die gezeigten Zitate stammen könnten, von Adolf Hitler oder vom AfD-Politiker Björn Höcke, denn Gernot Hassknecht fordert immer wieder: „Wir müssen die Demokratie gegen die Rechten verteidigen.“

Er sagt: „Alles mit Volk im Namen ist scheiße“, um sich dann zu vergaloppieren, als er aufzählt: „Volkswagen (da schallen ihm Buh-Rufe entgegen), Volksmusik und Volk-Kornbrot (gemeint ist Vollkornbrot)“.

Als er am Schluss daran erinnert, dass man einst fünf Prozent Zinsen auf ein normales Sparbuch erhalten habe, rät er den Zuschauern: „Erzählen Sie das bloß nicht Ihren Kindern.“

Nach fast zwei Stunden dankt ihm das Publikum mit Klatschmärschen.

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