So sieht die Volksbank im Kreis Peine die Corona-Krise

Peine.  Ein Gespräch mit dem Direktionsleiter über die Folgen im Haus, die Wiederöffnung ab dem 4. Mai und Auswirkungen auf die Wirtschaft im Kreis.

Die Mitarbeiterinnen der Volksbank BraWo in Peine (Filiale Am Markt), Christine Neumann und Gabriele Bartheld, sorgen mit verschiedenen Maßnahmen für den Infektionsschutz.

Die Mitarbeiterinnen der Volksbank BraWo in Peine (Filiale Am Markt), Christine Neumann und Gabriele Bartheld, sorgen mit verschiedenen Maßnahmen für den Infektionsschutz.

Foto: Volksbank BraWo

Die Witze über die Maskenpflicht beim Besuch in Bankfilialen sind in Coronazeiten längst alle gemacht. Auch diese „systemrelevanten“ Einrichtungen mussten und müssen aktuell sehr ernsthaft auf immer neue Lagen personell und organisatorisch reagieren. Außerdem bekommen die Banken mit, wie es der Wirtschaft im Kreis Peine dieser Tage ergeht. Darüber sprachen wir exemplarisch mit Stefan Honrath, Leiter der Volksbank-BraWo-Direktion Peine.

Ab Montag wieder alle Geschäftsstellen geöffnet

„Alle unsere Geschäftsstellen waren besetzt“, berichtet Stefan Honrath über die vergangen Wochen. Im Kreis Peine seien zuletzt zwei von acht Geschäftsstellen im Servicebereich für den Publikumsverkehr geöffnet gewesen. Bei sechs Filialen seien, nach telefonischer Absprache, ohne Servicebereich, auch Termine möglich gewesen. Ab Montag, 4. Mai, seien nun alle Geschäftsstellen der Bank wieder regulär zu den gewohnten Geschäftszeiten geöffnet. Das wurde am Donnerstag entschieden.

Es gebe bei der Volksbank keine Kurzarbeit oder gar Entlassungen. Die Mitarbeiter seien unterschiedlich belastet gewesen zuletzt. „Bei Privatkunden gibt es gerade deutlich weniger Gespräche, aber von den Unternehmen haben wir aktuell sehr viele Anfragen“, sagt Stefan Honrath. Dabei sei es in den ersten Corona-Wochen gar nicht vorrangig um die Themen Bankkredite und staatliche Kredite gegangen, sondern eher um einen Austausch über mögliche Maßnahmen des Unternehmers und oft auch um Tilgungsaussetzungen.

Am Montag seien nun bei der Volksbank die Beratungen wieder überall persönlich möglich, weiterhin sollten dafür Termine vereinbart werden. „Uns ist bewusst, dass die meisten Menschen zurzeit hauptsächlich die Corona-Pandemie umtreibt. Dennoch muss auch das alltägliche Leben – wenn auch mit Einschränkungen – weitergehen. Dafür öffnen wir unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen“, heißt es in der Pressemitteilung der Volksbank.

Acrylwände als Spuckschutz

Neben Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln (Händewaschen, mindestens 2 Meter) gebe es in den Filialen Sicherheitsmaßnahmen: „Acrylwände als Spuckschutz für Servicebereiche und Beratungsgespräche, Mitarbeiter tragen Mund-Nasen-Masken, im Bedarfsfall stehen den Kunden Einmalmasken und Einmalhandschuhe zur Verfügung, verschließbare Entsorgungsbehälter für Einmalmasken sind vorhanden, Markierbänder auf den Böden innerhalb der Geschäftsstellen sorgen für den notwendigen Abstand untereinander.“

Keine Maskenpflicht

Eine Maskenpflicht gebe es nicht, erläutert Stefan Honrath. Die Maske sei – in diesem Fall – aber wünschenswert. „Wir setzen auf die Rücksichtnahme unserer Kunden.“ Dies gelte beispielsweise besonders in den Eingangsbereichen, wo bei mehreren Personen der Mindestabstand nicht immer möglich sei.

Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt der Peiner Volksbank-Chef auch eine Zusammenfassung der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die diversen Branchen. Einzelhandel, Hotel und Gastro, Fleischer, Friseure oder Bäcker mit Café seien sehr hart getroffen. Gerade bei Hotels und Restaurants sei nach den bisherigen Schließungen auch erst später wieder mit Normalität zu rechnen.

Wie verhalten sich die Kunden: Geld ausgeben oder zurückhalten?

Die Baubranche sei zwar weniger beeinträchtigt durch Corona, aber auch hier müsse die weitere Entwicklung erst abgewartet werden. Die Frage, die nicht nur in dieser Branche gilt, laute: Geben die Kunden weiter Geld aus, erteilen sie Aufträge und kaufen, oder halten sie ich erstmal zurück?

Deswegen sei gerade in der Industrie derzeit keine Standardaussage möglich. Hier gebe es sehr große Unterschiede bei den Abläufen oder Abhängigkeiten von Abnehmern oder Lieferketten. Womöglich gebe es auch Zurückhaltung bei vor Corona geplanten Investitionen, auch das habe Auswirkungen auf viele Firmen.

Fortwährender Lernprozess

Für die Unternehmer, mit denen die Volksbank Kontakt hat, sagt Stefan Honrath: „Sie leiden mehrheitlich. Ich stelle aber auch fest, dass viele sich als widerstandsfähig erweisen.“ Die meisten seien sehr aktiv bei der Abstimmung der besten Maßnahmen. Es sei aber dieser Tage für alle ein fortwährender Lernprozess. Einiges, was gestern sinnvoll erschien, müsse womöglich schon wieder geändert werden.

Jetzt bei Anlagen einsteigen?

Und was sagt der Diplom-Volkswirt nun zum Thema Anlagen und Aktien und so? Denn nur beim Stichwort Corona fallen die Kurse teilweise, beispielsweise wenn Einschränkungen bei der Produktion nur angekündigt oder umgesetzt werden. Doch irgendwann geht es ja wieder weiter mit Produktion und den Verkäufen. Sollte man daher im Corona-Tiefpunkt einsteigen und Anlagen kaufen?

Bei aller Vorsicht mit so einer allgemeinen Analyse sagt Stefan Honrath: „Das ist nichts für Menschen, die sehr auf Sicherheit setzen!“ Denn bei der aktuell, sich täglich ändernden Lage müsse auch weiterhin mit zwischenzeitlichen Rückschlägen gerechnet werden. Wer einen langen Atem habe, könne sich aber überlegen, ob er jetzt einsteigt und mit der aufkommenden Normalität auf wieder steigende Kurse setzt.

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