Klinikum Peine retten – „Noch nichts in trockenen Tüchern“

Peine.  Der Insolvenzsachverwalter verweist auf formaljuristische Hürden. Aber er ist auch „sehr zuversichtlich“. Gläubigerausschuss will Weg mitgehen.

Raus aus der AKH-Gruppe, weg von Celle  – Ankunftsziel Landkreis Peine: So demonstrierte Betriebsrat des Klinikums Peine plakativ vor der Kreistagssitzung vorigen Mittwoch in der Gebläsehalle in Groß Ilsede. Der Landkreis Peine sei der „Lieblingsarbeitgeber" der Belegschaft, so Betriebsrätin Gabi Sukopp."

Raus aus der AKH-Gruppe, weg von Celle  – Ankunftsziel Landkreis Peine: So demonstrierte Betriebsrat des Klinikums Peine plakativ vor der Kreistagssitzung vorigen Mittwoch in der Gebläsehalle in Groß Ilsede. Der Landkreis Peine sei der „Lieblingsarbeitgeber" der Belegschaft, so Betriebsrätin Gabi Sukopp."

Foto: Thomas Stechert / Archiv

Das erklärte Ziel: Der Landkreis Peine will das Klinikum Peine aus dem Verbund der wirtschaftliche angeschlagenen AKH-Gruppe Celle übernehmen und unter eigener Regie in die Zukunft führen. Als Termin für die Übernahme aus dem laufenden Insolvenzverfahren wird der 1. Oktober 2020 angepeilt. Zur Erinnerung: 2003 hatte der Kreis das damalige Kreiskrankenhaus nach Celle verkauft.

Der Peiner Kreisrat Henning Heiß: Wir sind auf gutem Weg

In der jüngsten Kreistagssitzung vorigen Mittwoch in der Ilseder Gebläsehalle überbrachte Erster Kreisrat Henning Heiß in seinem mündlichen Sachstandsbericht zum Insolvenzverfahren eine, so wörtlich, „gute Botschaft“: „Wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, was wir noch nicht auf dem Schirm hatten, werden wir zu einem erfolgreichen Abschluss kommen – dass wir, der Landkreis Peine, das Klinikum aus dem Insolvenzverfahren heraus übernehmen.“ Nur eine Woche davor sei er noch nicht so optimistisch gewesen. Aber Anfang vergangener Woche sei ein „Durchbruch“ erzielt worden. „Wir sind auf ausgesprochen gutem Weg, Schwierigkeiten haben wir aus dem Weg geräumt.“

Heiß sprach von einer Liste mit 29 Punkten, die der Kreis mit dem AKH verhandelt habe – mit für beide Seiten befriedigenden Ergebnissen. So seien diverse Serviceleistungen des AKH für das Peiner Krankenhaus zunächst weiter in Anspruch zu nehmen, so in der Personalwirtschaft und der EDV, in der Apotheken- und Sterilgutversorgung.

Sachwalter Malte Köster: Großer Schritt zu nachhaltiger Sanierung des Klinikums Peine

Die Entscheidung über den Fortgang des Insolvenzverfahrens hat indes der Gläubigerausschuss zu treffen – und der ist an diesem Montag zusammengekommen. Nach dieser Zusammenkunft äußerte sich Sachwalter Dr. Malte Köster auf Anfrage unserer Zeitung einerseits optimistisch, andererseits dämpfte er die Euphorie. „Die Sitzung des Gläubigerausschusses ist sehr konstruktiv verlaufen. Der Ausschuss hat einhellig signalisiert, den eingeschlagenen Weg zur Sanierung des Klinikums mitzugehen.“ Und er fügte hinzu: „Heute, Montag, war ein wichtiger Termin und ein großer Schritt in Richtung einer nachhaltigen Sanierung.“

Der Dämpfer: „Aber bis zur Rettung des Klinikums liegt noch Arbeit vor uns, denn aus formaljuristischer Betrachtung ist noch nichts in trockenen Tüchern“, schränkte Köster ein. Unter dem Strich aber, wenngleich ohne Angaben zu Details, kam der Fachanwalt für Insolvenzrecht zu seiner positiven Bewertung im Sinne des Peiner Rettungsplans, also der angestrebten Übernahme. Köster erklärte wörtlich: „Nach der heutigen Sitzung bin ich aber sehr zuversichtlich, dass wir kurzfristig zu verbindlichen Vereinbarungen kommen werden.“

AKH-Gruppe Celle: Es gibt noch Punkte, die einer Einigung bedürfen

Die AKH-Gruppe in Celle äußerte sich in ähnlicher Weise nach dem Gläubigerausschuss – generell zuversichtlich, aber mit Vorbehalt. „Genau wie Sachwalter Dr. Köster ist auch die AKH-Gruppe zuversichtlich, dass eine Sanierung des Peiner Klinikums gelingen könnte“, heißt es in der von Sprecher Tobias Mull am Abend übermittelten Stellungnahme. Die Einschränkung: „Es gibt jedoch durchaus noch einige Punkte, die einer Einigung bedürfen. Wir sind jedoch optimistisch, dass wir innerhalb der konstruktiven Gespräche mit dem Landkreis Peine auch hier schon bald eine Einigung erzielen können.“

Im Kreishaus in Peine war am Montagabend keine Stellungnahme zu erhalten.

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