„Germania“ gedenkt den Peiner Gefallenen von 1870/1871

Peine.  Das Denkmal wurde 1875 auf dem historischen Marktplatz aufgestellt und kam vor 30 Jahren an die Sedanstraße.

Die „Germania“ an der Sedanstraße in Peine. 

Die „Germania“ an der Sedanstraße in Peine. 

Foto: Jens Koch

Wenig beachtet, befindet sich an der Sedanstraße in Peine ein altes Denkmal – die „ Germania “, die an einen 150 Jahre zurückliegenden Konflikt erinnert, dessen Ausgang wesentlich die jüngere deutsche Geschichte geprägt hat.

Nach dem preußischen Sieg über Österreich 1866 betrachtete Frankreich die zunehmende Machtballung Preußens in Deutschland mit Sorge und bangte um seine Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent. Otto von Bismarck, der Kanzler des Norddeutschen Bundes, war überzeugt, dass sich ein militärischer Konflikt mit Frankreich auf Dauer nicht vermeiden lassen werde. Er sah in einem Krieg das geeignete Mittel, die nationale Einigung Deutschlands unter Führung Preußens durch „Eisen und Blut“ zu vollenden. Da sich die süddeutschen Staaten zur Waffenbrüderschaft mit Preußen verpflichtet hatten, sollten sie in einem gemeinsam gegen Frankreich geführten Krieg auch politisch in das neu zu gründende Reich eingebunden werden.

Bismarck brüskiert den französischen Kaiser mit der „Emser Depesche“

Anlass zum Krieg bot die Kandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen um die vakante spanische Krone im Juli 1870. Preußen erkannte für sich machtpolitische Vorteile durch Inthronisierung eines Hohenzollern in Spanien, Frankreich fühlte dagegen eine Bedrohung an seiner Südwest-Flanke. Obwohl Prinz Leopold aufgrund französischer Proteste seinen Anspruch am 12. Juli 1870 zurückzog, brüskierte Bismarck den französischen Kaiser mit der „ Emser Depesche “ (zutreffender: Die daraus resultierende, provokante Pressemitteilung Bismarcks) vom 13. Juli so stark, dass sich dieser am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung gegen Preußen veranlasst sah. In Deutschland schlug darauf die patriotische Begeisterung ähnlich hohe Wellen wie in den Befreiungskriegen.

Der deutsche Aufmarsch im Westen erfolgte mit Hilfe der Eisenbahn zügig. Die vereinigten deutschen Armeen umfassten schon bald rund 519.000 Soldaten, darunter auch zahlreiche Teilnehmer jüdischen Glaubens. Das französische Berufsheer verfügte über 336.000 Mann. Im Verlaufe des Krieges wuchsen beide Heere über die Millionengrenze . Der Charakter der Kriegführung hatte sich allerdings grundlegend geändert und trat endgültig in das Zeitalter des industrialisierten Volkskriegs ein. Kopf der deutschen Kriegführung war der Chef des preußischen Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke. Unter seiner strategischen Leitung verlief die deutsche Offensive ab August 1870 erfolgreich.

Der deutschen II. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen gelingen Siege

Nach Erfolgen bei Weißenburg und Wörth sowie der Erstürmung der Spicherer Höhen gelang der deutschen II. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen am 16. August 1870 bei Vionville der Sieg in der ersten großen Entscheidungsschlacht des Kriegs. Zwei Tage später erfolgte bei Gravelotte die größte Schlacht des gesamten Kriegs. Ein Befreiungsversuch endete letztlich für die französischen Truppen in einer katastrophalen, kriegsentscheidenden Niederlage bei Sedan am 2. September 1870. Beim triumphalen Sieg der deutschen Verbände geriet auch Napoleon III . in deutsche Gefangenschaft. Er wurde als Kriegsgefangener nach Wilhelmshöhe bei Kassel gebracht und musste später ins englische Exil gehen.

Am 27. Oktober 1870 ergab sich die französische Rheinarmee in Metz, rund 170.000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Rund 41 000 deutsche Soldaten ließen ihr Leben auf den Schlachtfeldern. Paris kapitulierte nach schwerem Beschuss am 28. Januar 1871, noch am selben Tag wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet. Am 18. Januar 1871 erfolgte dann im Spiegelsaal von Versailles die Kaiserproklamation Wilhelms I.

Peiner „Germania“ ist geschmückt mit Krone, Schwert und Siegeskranz

Die Peiner Germania ist eine Sandstein-Skulptur , die schon 1875 auf dem historischen Marktplatz aufgestellt wurde. Sie stellt jedoch keine Peiner Eigenheit dar; ähnliche Denkmäler sind weit verbreitet. Als weibliche Verkörperung Germaniens – geschmückt mit Krone, Schwert und Siegeskranz – sollte die Figur ein Symbol des deutschen Sieges sein, errungen im Krieg 1870/71 und an die darin gefallenen Soldaten aus Peine erinnern. Die rechte Hand (mit inzwischen entferntem Lorbeerkranz) streckt die Figur gen Himmel, die linke umfasst das Schwert. Ihre Inschrift lautet: „Ihren im Kriege 1870/71 gefallenen Söhnen der Stadt Peine.“ Acht Opfer sind namentlich dort vermerkt. 1952 wurde das Denkmal vom Marktplatz in den Herzberg (Kastanienallee) versetzt; 1990 – also vor 30 Jahren – folgte eine erneute Umsetzung an die Sedanstraße .

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