Pendler wollen günstige Nahverkehrskarte

Plockhorst  Initiativen mehrerer Ortschaften weisen auf ein Problem hin und sagen: Es wäre leicht zu beheben.

Blick auf den Parkplatz in Dedenhausen.

Foto: WEP AG

Blick auf den Parkplatz in Dedenhausen. Foto: WEP AG

Aus den Ortschaften pendeln viele Bürger per Bahn in die regionalen Oberzentren nach Hannover oder Wolfsburg. Je nach Ziel nutzen sie entweder den Bahnhof Dedenhausen in Richtung Hannover oder den benachbarten Bahnhof Meinersen/Ohof in Richtung Wolfsburg. Das Problem: der deutliche Preisunterschied der Fahrkarten bei einem Start außerhalb der jeweiligen Region. Viele Pendler nutzen zwar die Bahn, fahren jedoch mit dem Auto zu dem Bahnhof, von dem sie preisgünstiger starten können. Das Ergebnis: Überfüllte Bahnhofsparkplätze und Umweltbelastung.

Auf diesen Missstand haben Initiativen der betroffenen Dörfer in einer gemeinsamen Erklärung die Region Hannover hingewiesen. „Regelmäßig lesen und hören wir von negativen Umweltbilanzen und Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr. Landesprogramme werden aufgelegt, aber einfache Veränderungen, die helfen würden, scheitern an der fehlenden Zusammenarbeit einzelner Landkreise und Verkehrsgesellschaften“, schreiben die Vertreter der Zukunftsinitiative der Dörfer Wehnsen, Eickenrode und Plockhorst (WEP AG), der Ideenwerkstatt Eltze, der Zukunftswerkstatt Dedenhausen und der Gemeinde Meinersen an den Regionspräsidenten. „Aus unserer Sicht muss das Niedersächsische Verkehrsministerium als übergeordnete Stelle alle an einen Tisch holen und eine positive Lösung für alle Bürger der Region sowie die Umwelt ausarbeiten“, so die Forderung aus den Ortschaften.

Uwe Thiesing, Ortsbürgermeister Wehnsen, sagt: „Es gibt viel zu viel unnützen Pendlerverkehr, da es günstiger ist, mit dem Auto zum entfernten Bahnhof zu fahren, um das Regions- oder Großraum-Ticket nutzen zu können.“ Thomas Spanuth, Bürgermeister von Meinersen, erklärt: „Das lobenswerte Umweltverhalten der Bahnpendler wird durch die unnütze zusätzliche Autopendelei konterkariert. Für teures Geld installierte Pendlerparkplätze sind hoffnungslos überfüllt.“

Rolf Kobbe, Ortsbürgermeister Plockhorst, weist auf die „gerade erst für teures Geld sanierten Kreisstraßen“ hin. Diese würden durch die unnützen Pendlerfahrten schnell wieder zerstört. „Und Anwohner haben mit der Lärmbelästigung zu kämpfen.“

Joachim Hutschenreuter, Ortsbürgermeister von Dedenhausen, ist davon überzeugt: „Bei einheitlichen Fahrpreisen an beiden Bahnhöfen würden alle profitieren.“

Stefanie Heidinger von der Ideenwerkstatt Eltze kündigt an: „Wir werden auch zukünftig eng mit der WEP-AG zusammenarbeiten und viel Energie und Engagement in die Forderung zur Umsetzung der geplanten Erweiterung des GVH-Regionaltarifs investieren.“

Die gemeinsame Erklärung wurde an alle Gemeinden, Landkreise, Landräte, Verkehrsausschüsse und Gesellschaften sowie an das Niedersächsische Ministerium für Verkehr versendet. „Immer wieder lesen wir, dass Geld zur Verfügung gestellt und Planungsstellen eingerichtet werden, damit die Umweltbelastung und Verkehrsdichte reduziert wird. Dies ist ein guter Ansatz aber es muss auch etwas passieren“, erklärt Jens Reupke, WEP AG Koordinator Gruppe Versorgung und Verkehr. Das Problem könne durch eine preisgünstige Nahverkehrsfahrkarte einfach gelöst werden. „Es entstehen keine Kosten, aber alle würden profitieren.“ Aus diesem Grund müsse eine übergeordnete Stelle – zum Beispiel das Niedersächsische Verkehrsministerium – darauf drängen, dass alle betroffenen Stellen an einen Tisch kommen und eine Lösung ausarbeiten. „Landkreisgrenzen dürfen dabei keine Rolle spielen“, erklärt Reupke weiter.

Der Vorschlag, eine preisgünstige Nahverkehrsfahrtkarte einzuführen, stoße bei der Region Hannover auf offene Ohren, antwortet Regionsrat Ulf-Birger Franz auf die gemeinsame Erklärung der Ortsbürgermeister und Bürgermeister. „Mehrfach in den vergangenen Jahren hat die Region in Gesprächen mit dem heutigen Regionalverband Großraum Braunschweig die Möglichkeiten von Übergangstarifen zwischen den Verkehrsgebieten der beiden Aufgabenträger erörtert“, schreibt Franz. „Wir konnten allerdings bisher unter anderem auch vertriebliche Hürden noch nicht nehmen.“

Aktuell plane die Region mit einigen umliegenden Landkreisen die Erweiterung des schon bestehenden GVH-Regionaltarifs für Zeitkarten („Cards“) jetzt auch für Einzelfahrscheine („Tickets“). Leider seien die Landkreise Gifhorn und Peine aus verschiedenen Gründen im ersten Schritt noch nicht dabei.

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