Adenstedterin: Kastenstandhaltung für Sauen verbieten

Adenstedt.  Helga Laue verlangt zusammen mit Tierschutzverbänden eine Abschaffung dieser Haltungsform. Der Bundesrat hat sein Votum vertagt.

Kastenstandhaltung für Sauen – laut Tierschutzverbänden eine Tierquälerei, die verboten werden müsse. 

Kastenstandhaltung für Sauen – laut Tierschutzverbänden eine Tierquälerei, die verboten werden müsse. 

Foto: Privat

Buchstäblich um eine Sauerei soll es am morgigen Freitag im Bundesrat gehen – und das angesichts der Corona-Pandemie weitgehend unter Nichtbeachtung der Öffentlichkeit: Verschiedenen Tierschutzverbänden zufolge soll sich die Länderkammer auf einen „faulen Kompromiss“ bei der umstrittenen Kastenstandhaltung für Sauen geeinigt haben, der Bundesrat werde dies morgen beschließen.

Zu diesen Verbänden gehört die „Bürgerinitiative (BI) Lahstedt/Ilsede für Tier, Mensch und Umwelt“: Deren Vorsitzende Helga Laue aus Adenstedt fordert im Namen der Tierschutzverbände vom Bundesrat ein Verbot der Kastenstandhaltung, denn: „Sauen sind leidensfähige Mitgeschöpfe und keine empfindungslosen Produktionseinheiten oder Produktionsmaschinen. Auch für sie muss das Tierschutzgesetz gelten.“ Profit könne und dürfe kein zulässiger Grund sein, diesen Tieren so großes Leid durch „wochenlanges Einsperren in Kastenstände und in Ferkelschutzkörbe zuzufügen“. Helga Laue appelliert: „Diese grausame qualvolle Tierhaltung muss sofort gestoppt werden.“

Laut den Tierschutzverbänden haben sich die Bundesländer aber auf den Kompromiss geeinigt, wonach die umstrittene Kastenstandhaltung für Sauen weiterhin erlaubt bleiben solle. „Die Anforderung, dass Sauen im Kastenstand in Seitenlage ihre Gliedmaßen ungehindert ausstrecken können müssen, gilt bereits seit 1992“, erinnern die Verbände und sprechen schon dabei von Tierquälerei. Nun solle diese Anforderung aber abgeschafft werden: „Sauen sollen in Zukunft nur noch den Kopf ausstrecken dürfen.“

„Wieder einmal geht es bei einem politischen Beschluss im Tierschutz weniger um die Belange der Tiere, als vielmehr um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Schweineproduktion – eine Missachtung des Bürgerwillens, wie sie deutlicher nicht sein kann“, sind die Tierschützer überzeugt. Sie erinnern als positives Beispiel an das Legehennenurteil des Bundesverfassungsgerichts und die Aufnahme des Staatsziels Tierschutz ins Grundgesetz, aktuell sei eine Normenkontrollklage zur Schweinehaltung beim Bundesfassungsgericht anhängig.

In Deutschland, das sich des ethischen Tierschutzes rühme, sollen laut den Tierschützern die Sauen aber weiterhin gequält werden. „Die Sauenhaltung in Kästen ist, obwohl nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung offenbar nur als Ausnahme konzipiert, die meistgenutzte Haltungsform beim Abferkeln“, betonen Helga Laue und ihre Mitstreiter. Diese Haltung, die die Tiere „physisch und psychisch traumatisiert“, sei die „Grundlage einer Schweineproduktion in industrieller Form“; zudem führe diese Haltung zum „massiven Verdrängungs- und Konzentrationsprozess in der Ferkelerzeugung“ und zu „massiven tierschutzrechtlichen und ökologischen Problemen“. Helga Laue: „Die geplante Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung böte die Chance, endgültig Abstand zu nehmen von der Kastenstandhaltung, wie es andere Länder vorgemacht haben.“ Ein Verbot werde von der Bevölkerung mehrheitlich gefordert. Die Adenstedterin: „Generell werden Haltungsformen, die dem Staatsziel Tierschutz nicht entsprechen, gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert.“

Helga Laue zitiert das Landesamt für Statistik, das für das Jahr 2016 (neuere Zahlen liegen nicht vor) für den Kreis Peine ermittelt habe: 32 Betriebe und 10.630 Tiere in der Schweinehaltung; acht Betriebe und 2137 Tiere in der Ferkelhaltung; sieben Betriebe und 420 Tiere in der Zuchtsauenhaltung.

Aktuelle Entwicklung: Eine für viele überraschende Wende bei der Kastenstandhaltung für Sauen: Entgegen der allgemeinen Erwartung hat der Bundesrat eine Entscheidung über diese bei Tierschützern umstrittene Massentierhaltung vertagt – das berichtet Helga Laue, Vorsitzende der „Bürgerinitiative (BI) Lahstedt/Ilsede für Tier, Mensch und Umwelt“, erfreut. Diese BI sowie viele andere Tierschutzorganisationen halten die Kastenstandhaltung für eine Tierquälerei und fordern ihr Verbot. „Auf Initiative der Grünen hat der Bundesrat einen Beschluss zur Kastenstandhaltung verschoben“, sagt Helga Laue aus Adenstedt – für sie sei dies ein Teilerfolg. Der Protest der Tierschützer gehe aber weiter, denn noch sei das Ziel – ein bundesweites Verbot – nicht erreicht. Infos zur Kastenstandhaltung unter anderem unter http://agfan.org/ im Internet.

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