Mutmacher!

Zivilcourage und Mut müssen im Alltag gelebt werden.

Der rechte Terror von Halle an der Saale am Mittwoch dieser Woche macht fassungslos. Wütend. Und traurig – der geständige Täter hat zwei Menschen erschossen, weitere Menschen wurden verletzt. In seinem Geständnis hat der 27-jährige Täter seine antisemitische und rechtsextremistische Motivation laut Bundesanwaltschaft bestätigt.

Die blutige Tat schreckt auf. Doch ist sie wirklich überraschend? Schon länger ist eine Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft zu beobachten. Und vor „Halle“ gab es die Ereignisse in Chemnitz, gab es den Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke. In Peine macht es in diesem Moment Mut, dass maßgebliche Akteure und Meinungsbildner aufstehen und Zeichen setzen: Spontan haben Landrat Franz Einhaus und Bürgermeister Klaus Saemann am Donnerstag, also am nächsten Morgen nach der Attacke, ein „deutlich sichtbares Zeichen gegen gewalttätigen Antisemitismus und Ausländerhass“ gesetzt – am jüdischen Mahnmal an der Hans-Marburger Straße in Peine legten sie Blumen als Zeichen der Solidarität und in Gedenken an die beiden Todesopfer sowie deren Angehörige nieder. Das Mahnmal befindet sich auf dem Gelände der am 11. November 1938 zerstörten Synagoge.

Auch das „Peiner Bündnis für Toleranz – bunt statt braun“ steht auf. Steffi Weigand warnt vor den Umtrieben einer „hasserfüllten Eskalationsrhetorik“ und appelliert: Wir, jeder von uns, müssen uns dieser Entwicklung entgegenstellen und uns dafür einsetzen, dass alle Religionen und Ethnien ihren Platz haben.

Peine ist nicht frei von rechten Umtrieben – so sei erinnert, warum es das Toleranz-Bündnis gibt: Im Jahr 2011 konnte ein großer Neonazi-Aufmarsch in Peine nicht verhindert werden. Das war der Anlass für die Initiatoren um die Peiner Grünen herum, ein Bündnis im Landkreis Peine zu initiieren. Kirchen, Gewerkschaften, alle Parteien, Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Vereine und weitere Organisationen schlossen sich dem Aufruf an und gründeten so das Peiner Bündnis für Toleranz. ​Alle einigt der Gedanke, dass braune Umtriebe in Peine – und anderswo – nichts zu suchen haben. Seit 2013 organisiert das Bündnis jährlich am ersten Samstag in Juni das „Fest der Kulturen“.

Ein Lehre ist: Wir, alle Demokraten, müssen uns dem Rechtsextremismus in all seinen Formen entgegenstellen. Wer schweigt, der macht sich mitschuldig für das, was in der Welt passiert.

Deshalb sind auch die Worte von Mehmed A. Akyalcin, Sprecher der Peiner Takva-Moscheegemeinde, eine ernstzunehmende Mahnung: „Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Gefragt ist jeder einzelne in der Gesellschaft.“ Zivilcourage und Mut müssen im Alltag gelebt werden, nur so können wir gegen Antisemitismus und Rassismus bestehen. Wenn wir diesen Mut aufbringen, sollte das friedliche Miteinander einer vielgestaltigen Gesellschaft gelingen – auch hier bei uns im Peiner Land!

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