In Peine lebt’s sich gut und günstig! Stimmt das?

Der soziale Wohnungsbau ist in den Blickpunkt gerückt. Und ebenso Wendeburg als „Nobelviertel“.

Wenn das keine wertvolle Werbung fürs Peiner Land ist: „Die Gemeinde Wendeburg gilt als Nobelviertel, in dem sich eine Vielzahl an Villen aneinanderreihen, und selbst ein Yachthafen ist dort zu finden“, schreibt die Hamburger Illustrierte „Gala“, die ihre Seiten mit Geschichten und Geschichtchen über Prominente füllt. Womöglich werden sich auf dem Schreibtisch von Gemeindebürgermeister Gerd Albrecht alsbald die Ansiedlungsgesuche von Stars und Sternchen stapeln. Die pauschale Bewertung der Wohnqualität in Wendeburg aus der Fernsicht der Hamburger muss lokal nachgeschärft werden: Gemeint ist nicht die Gemeinde in Gänze, sondern das Hafenviertel Marina Bortfeld, ein maritimes Quartier mit Seeblick. Und Anlass für die Berichterstattung war ein Einbruch im Hause des Basketball-Stars Dennis Schröder, bei dem die Täter offenbar reiche Beute gemacht hatten.

Auch an anderer Stelle wird Wendeburg in höchsten Tönen gepriesen, vornehmlich von Immobilienmaklern. Dort wohne vor allem einer: der Luxus. Der Marina wird gar das Etikett „Wunder von Bortfeld“ verpasst – mit Wow-Effekt.

Zurück auf den harten Boden des Wohnungsmarkts: Tatsächlich sind beileibe nicht alle Ecken im Peiner Land so stylisch und schick, und ist ein Dach über dem Kopf – ob gekauft oder gemietet – für die Mehrzahl der Zeitgenossen zunächst einmal eine kniffelige Kostenfrage. Die Konzentration auf die Wohnraumversorgung insbesondere für einkommensschwache Haushalte hatten sich der Landkreis wie auch die Stadt schon 2017 bei der gemeinsamen Präsentation ihrer Wohnraumversorgungskonzepte vorgenommen. Überschrift: „In Peine lebt es sich gut und günstig – das soll so bleiben!“. Und Peines Bürgermeister Klaus Saemann versicherte: „Der Ruf nach sozialem und bezahlbarem Wohnraum wird lauter. Dem werden wir Rechnung tragen.“

In den Jahren bis heute aber hat es nach Rechnung der Partei Die Linke eine fatale gegenteilige Entwicklung gegeben. „Der Mietenwahnsinn macht sich in Peine breit. Günstiger Wohnraum geht verloren“, schlägt Jürgen Eggers, Ratsherr in der Stadt, Alarm. Ein Mieten-Deckel sei notwendig, um weitere drastische Mietsteigerungen zu verhindern. Das Rathaus relativiert: Jüngste Neubauten hätten das gehobene Preissegment bedient, das habe den Durchschnitt gehoben. Der Trend werde sich einerseits fortsetzen, entlaste andererseits aber auch den Wohnungsmarkt. Günstiger Wohnraum werde weiterhin angeboten.

Auch die CDU führt Klage über ein Defizit an Sozialwohnungen. Mehr als 400 preisgünstige Wohnungen fehlten. Für die Gemeinden scheinen solvente Bauherren lukrativer zu sein, so die Kritik. Die CDU fordert die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft oder die Erweiterung der Peiner Heimstätte. Politik und Verwaltung müssen sich der Aufgabe stellen, den eigenen Anspruch, gute und günstige Lebensverhältnisse zu bieten, zu erfüllen.

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