Immer wieder ein Problem: Arbeit für Flüchtlinge

Lengede  Safa Abdelhay floh mit ihrem Mann aus Syrien, wo sie als Lehrer unterrichteten. Hier durfte sie bisher nur Praktikantin im Kindergarten sein.

Safa Abdelhay machte im Januar ein Praktikum im Lengeder Kindergarten „Sonnenschein“ – mit Kopftuch. „Das war überhaupt kein Problem“, sagt die Leiterin Karin Koblischke (hinten); Zweite von rechts Michaela Vanselow, die für die Gemeinde Lengede Flüchtlinge und Asylbewerber betreut.

Foto: Bode

Safa Abdelhay machte im Januar ein Praktikum im Lengeder Kindergarten „Sonnenschein“ – mit Kopftuch. „Das war überhaupt kein Problem“, sagt die Leiterin Karin Koblischke (hinten); Zweite von rechts Michaela Vanselow, die für die Gemeinde Lengede Flüchtlinge und Asylbewerber betreut. Foto: Bode

Es ist die bekannte Geschichte: Sie können und sie wollen, aber sie sollen oder dürfen nicht. Safa Abdelhay (33) und ihr Mann Mohammad Assad (34) leben als anerkannte Kriegsflüchtlinge in der Gemeinde Lengede. In Syrien arbeiteten beide als Lehrer, unterrichteten Schüler von der fünften bis neunten Klasse.

Unabhängig davon, ob die syrische Lehrerausbildung in Deutschland als ausreichend anerkannt wird, gibt es ein Problem: Beide unterrichteten in Syrien nur ein Fach: Arabisch. „Das braucht hier keiner“, bekam Mohammad Assad schon mal auf einem deutschen Amt zu hören.

Die Antwort, dass inzwischen auch viele arabische Kinder in Deutschland aufwachsen, die Sprache ihrer oder ihrer Eltern ursprünglichen Heimat nicht nur dem Lesen und Schreiben, sondern auch dem Vermitteln von Kultur dient – weswegen in Deutschland auch Deutsch in der Schule unterrichtet wird – behielt er für sich.

Ein deutsches Lehramtsstudium hält Safa Abdelhay für kaum noch machbar: „Ich bin 33, ich bin Mutter“, zwei Söhne, vier und sieben Jahre alt. Ihr Mann absolviert gerade die zweite Stufe des staatlichen Deutschkurses. Beide haben schnell gelernt. „Aber immer mit dem Zug nach Braunschweig. Da ist der Tag fast weg“, sagt Mohammad Assad. Die von Ehrenamtlichen geleiteten Sprach- und Kulturkurse vor Ort in Lengede seien da besser und für den Staat insgesamt günstiger.

Michaela Vanselow, die für die Gemeinde Lengede die Flüchtlinge in Teilzeit betreut, überlegte mit der Familie, welche Arbeit möglich sein könnte. Fast unentgeltlich, was den beiden erstmal reichte – um die für Flüchtlinge oft quälende Wartezeit am Tag sinnvoll zu füllen – gibt es in Deutschland eher Möglichkeiten.

Es wurde entschieden, dass Safa Abdelhay ein einmonatiges Praktikum im Lengeder Kindergarten macht. Auch wenn eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin für sie eher nicht mehr infrage kommt, könnte das Praktikum der Auftakt gewesen sein, um später mal zum Beispiel als pädagogische Helferin an Grundschulen arbeiten zu können.

Das Praktikum machte die Syrerin im Januar. Zum Fototermin mit unserer Zeitung am Mittwoch im Kindergarten wird sie von Mitarbeitern und besonders von den Kindern herzlich begrüßt und immer wieder umarmt.

„Ich habe sehr viel von ihr gelernt“, sagt Safa Abdelhay über die Leiterin Karin Koblischke. „Und von den Kindern!“ Die haben in der Regel keine Sprachbarriere. Ellenbogen, Kniebeuge und andere Körperteile waren so schnell gelernt. „Die Kinder haben es mir einfach gezeigt.“

Und das Kopftuch von Safa, wie sie alle nennen? Karin Koblischke winkt ab. „Wir haben das einmal vorher erklärt und dann war das überhaupt kein Problem.“

Was war anders als in Syrien? „Dass die Kinder so viel selbstständig machen dürfen“, sagt die Mutter. „Die Gruppen sind hier viel kleiner“, ergänzt ihr Mann. In Syrien seien Klassen mit 60 Kindern üblich.

Er möchte auch gerne wieder als Lehrer arbeiten, würde aber fast jede Arbeit in Deutschland annehmen, betont Mohammad Assad. „Wir wollen arbeiten, wir wollen hier unser eigenes Leben aufbauen“, sagt Safa Abdelhay.

Es sei in Deutschland immer noch nicht leicht für Flüchtlinge, mit Arbeit eigenes Geld zu verdienen, stellt Michaela Vanselow fest. Durch den täglichen Kontakt hat sie einen Eindruck, was die Flüchtlinge könnten. Etwas verzweifelt sagt sie: „Wir haben hier so tolle Leute…“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder