Den Turnerbund Lengede gibt seit 100 Jahren

Lengede.  Eigentlich stünde am heutigen Dienstag die große Feier zum Jubiläum an, aber das ist nicht möglich wegen Corona. Wie geht es dem Verein damit?

„Balance Pads“ nennen sich diese Trainingsgeräte, mit denen Übungsleiterin Sarah Bastek ihre Gruppe zu besserer Bewegungskoordination bringt.

„Balance Pads“ nennen sich diese Trainingsgeräte, mit denen Übungsleiterin Sarah Bastek ihre Gruppe zu besserer Bewegungskoordination bringt.

Foto: Turnerbund Lengede

Einige dürften sich voller Ehrfurcht oder gar Angst noch an den gefühlt stoffbezogenen Schwebebalken oder den Bock aus Leder im quälenden Schulsportunterricht erinnern. Doch wer beim Turnerbund Lengede mitmacht, sieht das bestimmt nicht so – und das am heutigen Dienstag seit 100 Jahren! Gleichwohl macht Corona auch diesem Vereinen einen Strich durch die Trainings- und Wettkampfrechnung.

„Die Feier fällt leider aus!“, sagt der Vorsitzende Burkhard Dubiel im Gespräch mit einer Zeitung. Ob sie noch in diesem Jahr, in verkleinerter Form, oder erst 2021 nachgeholt wird, sei derzeit offen. Dabei sollte das 100-jährige Bestehen doch groß gefeiert werden dieser Tage.

Doch alles ist anders dieser Tage. „In der Männergymnastik sind vorwiegend Ältere, die findet derzeit nicht statt“, erläutert Burkhard Dubiel. Das gelte auch für das Mädchenturnen. „Wir müssten nach jedem Durchgang alles desinfizieren. Wie soll das gehen?“, fragt der Vorsitzende. Zudem seien die scharfen Desinfektionsmittel wahrscheinlich auch nicht gut für die Oberflächen von Schwebebalken, Bock oder anderen Übungsgeräten.

Wo es möglich sei, gebe es regelmäßige Desinfektionen. Viele Abteilungen hätten ihren Betrieb aber auf bestimmte Trainingseinheiten umgestellt, beispielsweise für Kräftigung oder Beweglichkeit – eben alles, was auch allein, als Gruppe, mit Abstand zueinander geht.

Kein Kampf mit Kontakt derzeit

Aber gerade bei den Kampfsportarten im Turnerbund Lengede gingen derzeit gewisse Trainingsformen natürlich nicht. „Das lähmt uns schon ein bisschen, aber wir hoffen, dass es bald auch wieder anders wird“, sagt Burkhard Dubiel.

Treue Mitglieder

Ende 2019 habe der Turnerbund 841 Mitglieder gehabt, junge und ältere Mitglieder hielten sich die Waage. Die Sportler und Sportlerinnen hielten dem Lengeder Verein auch in diesen schweren Tagen, trotz der vielen Absagen und Ausfälle bei Training und Wettkampf, die Treue, sagt der Vorsitzende mit Stolz und voller Dankbarkeit.

In die Hallen nur mit Auflagen

Das Hallentraining sei inzwischen zwar wieder erlaubt, aber auch hier seien die Auflagen wegen des Coronavirus teilweise praktisch kaum zu stemmen, so der Vorsitzende. Die Umkleidekabinen könnten inzwischen wieder genutzt werden. „Bei den Duschen lassen wir das aber noch“, sagt Burkhard Dubiel. Zumal der Landkreis Peine hier zuletzt wieder zurückgerudert habe. Die Hygienemaßnahmen seien zwar nötig, aber auch aufwendig und teuer für den Verein.

Zum Glück gebe es beim Turnerbund Lengede keine Verträge mit hauptamtlichen Trainern. Die Übungsleiter, die der Verein habe, rechneten dieser Tage nur ab, wenn sie auch Trainingsstunden geben können. Auch das lobt der Vorsitzende ausdrücklich und sieht es als Beweis für die Bindung zum Verein.

„100 Jahre in Bewegung“

Den gibt es nun seit 1920. „100 Jahre in Bewegung“ heißt die Festschrift, die bereits zum Jubiläum herausgegeben wurde. „Aktive Sportvereine sind ein großer Gewinn für unsere Gemeinde, denn sie nehmen unverzichtbare soziale sowie gesellschaftliche Aufgaben wahr“, sagt Lengedes Gemeinde-Bürgermeisterin Maren Wegener in ihrem Grußwort. Ortsbürgermeisterin Monika Herbst stellt fest: „Ich weiß, dass man so ein Jubiläum nur erreicht, wenn viele Menschen sich über Jahre, Jahrzehnte hinweg für den Verein engagieren und ehrenamtlich hart dafür arbeiten.“

„Die Kontinuierlichkeit im Verein ergibt sich aus den langen Führungszeiten der Vorstandsmitglieder“, sagt auch Burkhard Dubiel. So seien zum Beispiel Hans Grünhagen 30 Jahre Vorsitzender oder Hans-Georg Schmidt seit 1986 stellvertretender Kassenwart und ab 1997 Kassenwart gewesen. Margrit Franke sei seit 1997 stellvertretende Kassenwartin.

Mehr als 19 Sportarten

Über 19 Sportarten wird in der Festschrift berichtet, von A wie AeroStepDral bis Z wie Zumba. „Dazu kommen noch ‘Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining’ und ‘Fit am Morgen’“, ergänzt der Vorsitzende.

Hochburg im Trampolin

Trampolin sei immer ein Schwerpunkt gewesen. Offensichtlich mit einer guten Ausbildung. Das führte aber auch zu regelmäßigen Abgängen – nach Salzgitter, dort gab es das Bundesleistungszentrum (inzwischen Landeszentrum). „Aber wir sind stolz auf unsere Sportler dort und haben einen guten Kontakt mit Salzgitter“, betont Burkhard Dubiel.

Der sieht als wichtige Ereignisse im Vereinsleben den Bau des Vereinsheimes 1992/93, den Bau der Tennisplätze 1994 und den Tag der offenen Tür zum 90-jährigen Bestehen.

Zu wenige Hallenstunden

Wünsche hat der Vorsitzende aber auch: „Mehr Hallenstunden. Begründung: Die Schulen weiten ihre Nutzungsstunden immer weiter in die Abendstunden aus, so dass speziell für den Kinder- und Jugendbereich kaum Trainingsstunden übrig bleiben. Der Verein kann erst seinen Trainingsbeginn ab 16.30 Uhr ausführen.“

Lernen von Teamfähigkeit

Burkhard Dubiel betont abschließend die „Wichtigkeit des Vereins in der Gesellschaft, gerade im sozialen Bereich zur Förderung des Zusammenhaltes und der Verständigung der Bewohner in der Gemeinde“. Sport im Verein bedeutet für ihn „Lernen von sozialen Zusammenhängen, Lernen von Teamfähigkeit, Lernen von Rücksichtnahme gegenüber Anderen“.

Das soll es im Turnerbund Lengede auch noch viele weitere Jahre geben – trotz der aktuell schweren Zeit wegen des Coronavirus.

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