Corona – so geht es Restaurants in der Gemeinde Lengede

Lengede.  Einige können nicht verstehen, dass sie schließen müssen, obwohl sie alle Auflagen zur Eindämmung des Virus eingehalten haben.

Die Stühle sind schon seit dem ersten Lockdown Mitte März im Restaurant hoch gestellt. Anneta und Giovanni Invidia (nur für das Foto ohne Mund-Nasen-Schutz) gehört das "Picco Bello" in der Ostenstraße in Broistedt. Sie bieten aber einen Außer-Haus-Verkauf an – und hoffen auf normale Zeiten...

Die Stühle sind schon seit dem ersten Lockdown Mitte März im Restaurant hoch gestellt. Anneta und Giovanni Invidia (nur für das Foto ohne Mund-Nasen-Schutz) gehört das "Picco Bello" in der Ostenstraße in Broistedt. Sie bieten aber einen Außer-Haus-Verkauf an – und hoffen auf normale Zeiten...

Foto: Arne Grohmann

Der Deutsche pflanzt kein Apfelbäumchen mehr, wenn morgen die Welt untergeht. Er geht lieber noch mal aufs Klo – und hamstert deswegen Toilettenpapier. Aber er muss auch essen. Und da nicht alle Mehl- und Hefe-Spontaneinkäufer wirklich zu Heimbäckern geworden sind, gehen einige immer noch gerne in ein Restaurant. Wir hörten uns um, wie die Lage bei den Gastrobetrieben in der Gemeinde Lengede in Zeiten von Corona ist.

Für Betroffenheit sorgte bei vielen die Nachricht, dass das Gasthaus „Zur Linde“ in Klein Lafferde das Handtuch geworfen hat. Das hat seine Gründe nicht nur in Corona, es gab auch eine Vorgeschichte, aber das Virus hat letztendlich den Deckel drauf gemacht bei dem Traditionsbetrieb, der nächstes Jahr sein 50-jähriges Bestehen gehabt hätte.

Wir machen weiter die Runde in der Gemeinde Lengede und sprechen mit Fotini Nikolaou, Chefin vom Restaurant „Athen“ am Vallstedter Weg in Lengede. Sie spricht das aus, was viele Gastronomen derzeit denken: Eigentlich gibt es sonst nur bei Verstößen eine Strafe oder gar eine Anordnung, den Betrieb (vorübergehend) zu schließen.

Regeln eingehalten, dennoch Schließung angeordnet

„Wir hatten alle Hygienemaßnahmen umgesetzt: Abstand der Tische, Desinfektion, Kontaktlisten“, zählt die Chefin, die Mieterin des Gebäudes ist, auf. Auch die Gäste verstünden es nicht, dass mit dem neuen Lockdown im November Restaurants keine Chance bekämen, zu beweisen, dass sie keine Gefahr für ihre Gäste darstellen. Besonders, weil andere Einrichtungen und Angebote weiter geöffnet bleiben dürften.

Das Restaurant ist, bis auf die Zeit im Sommer, seit dem ersten Lockdown geschlossen. „Wir haben einen Außer-Haus-Verkauf, es kommen viele“, sagt Fotini Nikolaou. Aber es ei natürlich nicht so wie vor Corona. Und nun brechen ihr auch noch die Einnahmen aus dem sonst lukrativen Weihnachtsgeschäft weg.

Mitarbeiter in 100 Prozent Kurzarbeit

Ihre drei Mitarbeiter in Küche und Service hat die Chefin durchgehend in 100 Prozent Kurzarbeit schicken müssen. „Wie lange noch?“, fragt sie sich. Die Chefin betont aber auch: „Es ist wichtig, dass alle gesund bleiben!“ Und: „Wir sind hier!“

Von einer Lockerung der Auflagen nur für die wenigen Weihnachtstags hält Fotini Nikolaou nicht viel: „Das bringt auch nichts!“ Sie hofft auf die neuen, in Aussicht gestellten Corona-Hilfen für Gastrobetriebe.

Vom „Landhaus“ in Lengede, dass neben dem Bürgerhaus traditionell ein wichtiger Treffpunkt für die Vereine war, war dieser Tage trotz mehrfacher Nachfrage keine Reaktion zu bekommen. Auch hier ist das Restaurant geschlossen, der kleine Hotelbetrieb läuft aber weiter.

Seit Mitte März haben auch Anneta und Giovanni Invidia innen ihr Restaurant „Picco Bello“ in der Ostenstraße in Broistedt nicht mehr aufgemacht, die Stühle sind hoch gestellt. Die wenigen Tische zu reduzieren, weil kaum Platz ist, sie auseinander zu stellen, lohnt sich für sie eigentlich nicht. Auch sie bieten einen Außer-Haus-Verkauf an, der gut angenommen werde.

Der eine Mitarbeiter habe während des ersten Lockdowns unmittelbar das Weite gesucht und sei auch nicht mehr zurückgekommen.

Mit der „zweiten Welle“ schon gerechnet

„Wir überleben“, sagen die beiden, denen das Gebäude mit Wohnung und Restaurant gehört, sie haben also keine laufenden Kosten für Pacht oder Miete. Auch den erneuten Lockdown im November nehmen sie tapfer hin. „Ich wusste schon, es kommt eine zweite Welle“, sagt Giovanni Invidia.

Im Gegensatz zu Italien seien die Regeln zur Eindämmung des Virus in Deutschland wirklich moderat, betonen die beiden. Wir lange halten sie noch durch? „Wir wissen es nicht…“ Es gehe weiter. Es stehe aber auch fest: „Wir müssen was einnehmen!“ Anneta und Giovanni Invidia hoffen auf den Sommer – möglichst ohne Corona.

Während die Restaurants, die in der Regel Aufwand betrieben, um die Schutzmaßnahmen umzusetzen, schließen müssen, drängeln sich die Esser teilweise in den Imbiss-Buden, die weiterhin geöffnet sind. Der „Istanbul-Grill“ im Broistedter Gewerbegebiet (früher „Irma’s“) ist beides: Imbiss und Restaurant.

Gäste haben Angst und blieben weg

Derzeit sei geschlossen, es gebe nur einen Außer-Haus-Verkauf, heißt es auf unsere Anfrage. Schon der Lockdown im Frühjahr sei hart gewesen. Im Sommer habe man die Tische im Restaurant auseinander gestellt. Dennoch seien wohl aus Angst vor dem Virus weniger Gäste als sonst üblich gekommen.

Nun gebe es den nächsten Einschnitt mit dem aktuellen Lockdown. Miete und Strom müssten aber weiter bezahlt werden. „Da muss man durch“, heißt es hier abschließend trocken.

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