Die Gemeinde Lengede entwickelt sich und lockt sogar Fisch

Lengede.  Zwar waren und sind einige Projekte in diesem Jahr auch umstritten, aber die Gemeinde hat noch viel vor – erstmal auch ohne neue Baugebiete.

Die „Villa Mundt“ am Bodenstedter Weg wird für eine neue Bebauung des gesamten Areals abgerissen. Das ärgert einige der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Lengede.

Die „Villa Mundt“ am Bodenstedter Weg wird für eine neue Bebauung des gesamten Areals abgerissen. Das ärgert einige der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Lengede.

Foto: Archiv / Arne Grohmann

Die, die etwas nicht wollen, können sich in Zeiten von Online und Sozialen Medien inzwischen viel leichter zu Wort melden. Andere freuen sich vielleicht eher im Stillen und hinter vorgehaltener Hand. So gab und gibt es einige Projekte in der Gemeinde Lengede, die für die einen überflüssig, nicht gut durchdacht oder schlicht falsch sind, für die anderen hingegen sind sie Gegenwart und Zukunft zugleich.

So wurde in diesem Jahr das Verteilzentrum des Online-Versandhändlers Amazon im Broistedter Gewerbegebiet eröffnet. Amazon muss sich immer wieder Kritik wegen der Arbeitsbedingungen und dem Schaden für den lokalen Handel gefallen lassen. Mit Imagekampagnen und echten Veränderungen bis Verbesserungen kämpft Amazon dagegen an. Wohlwissend, dass das Unternehmen nicht so groß und milliardenschwer geworden wäre, wenn es nicht viele Menschen gäbe, die diese Art der Online-Bestellung von Waren für sich nutzt.

Die weißen „Vans“ erfreuen immerhin die Tankwarte

Nun sammeln sich die weißen „Vans“ im Broistedter Gewerbegebiet, um die online bestellten Produkte auf „die letzte Meile“, also vom Verteilzentrum zum Kunden zu bringen. Zuvor haben LKW bereits die Ware ins Verteilzentrum gebracht. Einige Tankstellen in der Region dürfte der Zulauf an Fahrzeugen ein paar deftige Zusatzeinnahmen bringen.

Kreuzungen sind zu entlasten

Andere, auch in Kreisen der Lokalpolitik, stören sich am zusätzlichen Verkehr. Die Kreuzungen an der Ausfahrt am Gewerbegebiet an der Barbecker Straße und auch ortsauswärts an der Osterriehe seien ohnehin schon regelmäßig überlastet, heißt es. Den Verkehrsfluss auch zukünftig vernünftig zu regeln, ist eine der großen Aufgaben für die Gemeinde Lengede. Umbauten an den Kreuzungen, und auch weitere Zählungen, wird es deswegen geben.

Bei den Baugebieten, die der Gemeinde Lengede neben Einnahmen aber auch immer neue Kosten bringen – zum Beispiel für zusätzliche Kitas und deren Personal – hielt sich die Gemeinde Lengede in diesem Jahr eher mal zurück. Stattdessen wird sogar abgebaut, oder vielmehr abgerissen.

Streitpunkt Abriss „Villa Mundt“

Dass die „Villa Mundt“ am Bodenstedter Weg durch Abriss der geplanten Neubebauung, unter anderem für ein Ärztehaus, weichen muss, trieb einen Keil zwischen Teile der Lokalpolitik, die sich mehrheitlich dafür entschied, und einige Bürgerinnen und Bürger.

Letztere sehen ihr altes und bekanntes Ortsbild in Gefahr. Mit dem beschlossenen Abriss des Hauses Sackgasse 8 wird zudem ein weiteres markantes, älteres Lengeder Gebäude für immer verschwinden. Das wird für nicht wenige im Ort auch nicht durch die auf dem gesamten Areal geplante Neubebauung aufgewogen. Die dann quasi neue Ortsmitte, die so entstehen soll, ist ebenfalls nicht unumstritten in der Bevölkerung und Teilen der Lokalpolitik.

Verbesserungen bei den Bahnhöfen

Dennoch bleibt die Gemeinde Lengede weiterhin in Bewegung. Da passt es ins Bild, dass nach vielen Jahren der zähen Planung und auch verwaltungsinterner Versäumnisse endlich die beiden Bahnhöfe der Gemeinde in Broistedt und Woltwiesche ausgebaut werden sollen in den nächsten Jahren.

Immer mehr Pendler und Pendlerinnen nutzten die attraktive Lage, fahren mit dem Auto oder dem Rad zu einem der beiden Bahnhöfe und steigen dort in die Züge, deren Taktungen sich auch verbessert haben. Da dürfte sich der Einfluss von gleich mehreren Vertretern aus der Gemeinde Lengede im Regionalverband Großraum Braunschweig bezahlt gemacht haben.

Die Parkplätze an den Bahnhöfen bekommen mehr Kapazität, ebenso die Möglichkeiten, dort sein Rad sicher unterstellen zu können. Und irgendwann sollen beide Bahnhöfe in Broistedt und Woltwiesche auch endlich komplett barrierefrei sein.

Ex „Staats“ kommt ins Stocken

Eine zähe Kiste war hingegen das Bauvorhaben rund um die längst abgerissene Traditionsgaststätte „Staats“. Dort sollen Wohnungen entstehen. Es wurde auch fleißig gebaut, doch irgendwann tat sich auf der Baustelle für Monate gar nichts mehr. Und das lag nicht an Corona.

Dem Generalunternehmer wurde gekündigt, weil die „Baumaßnahme nicht vertragsgemäß und nicht im zeitlich vereinbarten Rahmen“ erledigt worden sein soll. Es dauerte dann ein bisschen, bis es wieder weiterging. Aber dann wurde wieder gebaut.

Ich bremse auch für Fische

Tja, und diese Baustelle am Brückenweg in Lengede war dann auch der „Tatort“ für die wohl kurioseste Geschichte in diesem Jahr in der Gemeinde. Irgendwann stand zwar nicht das berühmte Pferd auf dem Flur, sondern der Fisch wanderte über die Straße.

Genauer gesagt war es ganz offensichtlich ein Wels, der dort spät abends dabei war, die Straße zu überqueren – ganz ohne Wasser um sich herum, was Fischen bekannter maßen gar nicht gut tut.

Der Wels wurde mit vereinten Kräften von umsichtigen Anwohnern gerettet und wieder (?) der Fuhse übergeben. Die ganze Prozedur schien er, zumindest zu diesem Zeitpunkt, überlebt zu haben.

Er wird es sich sicher seitdem sehr überlegt haben, wo die Sache mit dem Wurm ihren Haken hat, wenn mal wieder einer im trüben Wasser fischt und die vermeintlich leichte Beute vor ihm so appetitlich zuckt.

Wie der Fisch auf die Straße kam, ist bis heute nicht sicher geklärt. Die Presse nimmt Hinweise entgegen, den aus Gerüchten Fakten zu machen, ist Teil ihrer Aufgabe – auch in der Gemeinde Lengede.

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