Lothar Kothe wohnt in Bettmarer Mühle: eine runde Sache

Bettmar  Der 59-Jährige hat das frühere Mühlengebäude gekauft, das völlig entkernt und umgebaut worden ist.

Eine runde Sache: Lothar Kothe im Wohnzimmer der früheren Mühle.

Eine runde Sache: Lothar Kothe im Wohnzimmer der früheren Mühle.

Foto: Harald Meyer

. Von außen betrachtet ist es ein ungewöhnlicher Wohnort, aber auch drinnen werden Besonderheiten offenkundig – für Lothar Kothe ist es eine „runde Sache“: Der 59-Jährige hat das frühere Mühlengebäude an der Kreisstraße zwischen Bettmar und Sierße gekauft und wohnt in dem früheren Handwerksbetrieb.

Ein kreisrundes Gebäude, das nach oben hin immer schmaler wird: So sehen klassischerweise Mühlengebäude aus, und da macht auch diese frühere Holländerwindmühle des Müllers August Kurmeyer keine Ausnahme. Bereits in den 1990er-Jahren hat der damalige Besitzer die Mühle völlig entkernt sowie Zwischendecken und -wände eingezogen. Und doch sind bestimmte unverwechselbare Eigenarten geblieben: Lothar Kothe, Betriebsratsmitglied bei VW in Braunschweig, verweist im Wohnzimmer im Erdgeschoss auf den Schrank aus Stahl an der Wand. „Hier, schauen Sie, da bleibt immer eine Lücke“, zeigt der Ortsbürgermeister von Bettmar hinter das Möbelstück - und tatsächlich: Wegen des Rundbaus der Mühle kann der gerade Schrank nicht komplett an die Außenwand herangerückt werden – es bleibt Luft. Gleiches ist hinter dem Fernsehschrank im Wohnzimmer festzustellen und bei anderen Möbeln.

Die Küche hingegen – ebenfalls direkt an der runden Außenwand gelegen – ist extra eingepasst worden, im Wintergarten ist wiederum die Rundwand unverstellt erkennbar. Apropos Außenwand: Sie ist sehr dick – Kothe tippt auf etwa 30 Zentimeter – und sorgt für ein angenehmes Innenklima. „Im Sommer ist es in der Mühle schön kühl, die Hitze kommt nicht so rein“, schildert Kothe – ganz angenehm in einem Hitzesommer wie im vergangenen Jahr.

Vom Wohnzimmer aus – am Stahlschrank vorbei mit einem Bild dadrüber vom guten alten VW-Käfer – geht es die Holztreppe hoch in die erste Etage: eine Rundtreppe, versteht sich. Und danach weiter in die zweite Etage – ebenfalls über eine Rundtreppe aus Holz, aber dort wird es schon deutlich enger und – „Vorsicht, Kopf einziehen“ – niedriger wegen obigen Decke (Fußboden). Die ersten beiden Decken zwischen den Etagen sind per Beton eingezogen, die letzte – zum Turm – ist eine Holzdecke. Genau das ist wieder eine Besonderheit: Ein Mühlengebäude ist sehr hoch, und trotz der insgesamt drei Zwischendecken „muss ich mehr heizen als in einer normalen Wohnung“, weiß Kothe.

Ein Blick zurück: Am 22. September 1876 hat der Müller August Kurmeyer aus Garbolzum diese Mühle zwischen Bettmar und Sierße gekauft – so steht es geschrieben in der Bettmarer Ortschronik, in der ein Kapitel der „Kurmeyerschen Mühle“ gewidmet ist. Das Mühlengebäude ist also noch älter. In dieser Holländerwindmühle konnte der Kurmeyer aufgrund der technischen Besonderheiten „eineinhalb mal mehr Mehl mahlen als in einer Bockwindmühle“. Laut der Chronik hat der Sohn Rudolf Kurmeyer die Mühle nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen und 1990 an Karl-Heinz Schade verpachtet, bereits ein Jahr später wurde sie stillgelegt.

Inzwischen ist längst alles, was auf den Mühlenbetrieb hinweist, entfernt worden – beispielsweise außen die Mühlenflügel und innen der Drehkranz. Im obersten Stockwerk – quasi in der Turm-Etage – weist Kothe auf weiße Flecken an der Wand hin: Dort hat sich der Drehkranz befunden. Auf den insgesamt 167 Quadratmeter in der Mühle fühlt sich der Bettmarer pudelwohl: „Das ist eine runde Sache.“

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