Petition und Demo zur Forderung „Weg mit Strabs in Vechelde“

Sierße  Die neue Sierßer Bürgerinitiative „Weg mit alten Strabs in Vechelde“ will die Gemeindepolitik mit verschiedenen Aktionen überzeugen.

Mehr als 200 Zuhörer kamen zur Gründungsversammlung der Sierßer Bürgerinitiative „Weg mit alten Strabs in Vechelde“.

Mehr als 200 Zuhörer kamen zur Gründungsversammlung der Sierßer Bürgerinitiative „Weg mit alten Strabs in Vechelde“.

Foto: Harald Meyer

. Der Stein ist ins Rollen geraten – und er wird sich kaum noch aufhalten lassen: Bei der Gründungsveranstaltung der Sierßer Bürgerinitiative „Weg mit alten Strabs in Vechelde“ im Saal des Landhauses haben die Stühle längst nicht mehr ausgereicht – die Besucher saßen auch auf den Tischen oder mussten stehen. Kein Wunder: Mit 70 Teilnehmern haben die Organisatoren gerechnet. „Es sind 217 geworden“, stellt ein sichtlich überwältigter Initiator Klaus Jurczyk fest.

Ohne viel Drumherumgerede fragt er das Publikum: „Wer will diese Bürgerinitiative gründen?“ – sofort heben sie zustimmend ihre Hände. Schließlich geht es um ihr Geld: Denn die Gemeinde Vechelde plant den Ausbau der Straßen Heisterkamp und Kälberanger – in ihrem diesjährigen Haushalt sind diese beiden Namen aufgeführt, dazu kommt der Zusatz „und so weiter“, so dass sie in Sierße davon ausgehen, dass auch „In den Vorlingen“, Grabenweg und Angerbrücke ausgebaut werden. Für „Heisterkamp, Kälberanger und so weiter“ sind im Etat Ausgaben von 410.000 Euro enthalten: zu bezahlen von der Kommune und den Anliegern – in Form von Straßenausbaubeiträgen (Strabs).

Genau diese Straßenausbaubeiträge (Anliegerbeiträge) seien es aber, die manch einen Anwohner in arge finanzielle Not brächten oder gar in seiner Existenz bedrohten – das ist der Tenor der Gründungsversammlung. „Am Ende bleibt jeder Anlieger mit seiner Rechnung alleine“, ärgert sich ein Zuhörer – da würden die von Kommunen angebotenen Entgegenkommen wie Ratenzahlung, Stundung oder Ablöseverträge auch nicht helfen.

Ein anderer Teilnehmer meint, er müsse 10.000 Euro für den Ausbau des Heisterkamps zahlen – unfassbar und nicht hinnehmbar. Zumal diese Straße nur deshalb ausgebaut werden solle, weil „der Wasserverband Peine dort die Kanalisation erneuert“. Dabei sei der Zustand der Fahrbahn völlig ausreichend für eine solche Tempo-30-Zone, und „der Fußweg ist zwar nicht schön, aber immerhin noch als ein solcher erkennbar“. Ein anderer aus dem Publikum ist überzeugt, es reiche, den Heisterkamp nur auszubessern (eine solche Unterhaltung bezahlt die Gemeinde komplett), man müsse ihn nicht komplett neu ausbauen (das bezahlen Anlieger und Gemeinde).

Doch die Bürgerinitiative geht ja noch einen Schritt weiter und verlangt, die Straßenausbaubeiträge in der Gemeinde Vechelde komplett abzuschaffen – dann hätte sich auch der Streit über Unterhaltung/Ausbau erledigt. „Entweder übernimmt die Gemeinde auch die bisherigen Anliegerbeiträge“, verlangt Jurczyk. Oder es gibt eine niedersachsenweite Lösung, bei der das Land in allen Kommunen – also auch in Vechelde – diese Summen finanziert.

„Um das zu erreichen, müssen wir etwas tun“, appelliert der Sierßer – nach eigener Aussage parteilos – an die Anwesenden. Ins Leben gerufen hat er bereits die Online-Petition „Weg mit alten Strabs in Vechelde“, die jeder in der Gemeinde unterschreiben solle: In der Gründungsversammlung in Sierße haben sie davon schon reichlich Gebrauch gemacht. „Wenn mindestens 20 Prozent der Gemeindebevölkerung mitmachen, dann ist das gegenüber der Gemeindepolitik ein überzeugendes Argument“, ist Jurczyk überzeugt. Unterschriftenlisten für die Petition liegen in Vechelde aus im Friseurgeschäft Köhler und im Zeitungs-und Lotto-Laden im Rewe-Markt.

Damit nicht genug: Für April plant die Initiative eine Demo gegen die Strabs auf der Hildesheimer Straße in Vechelde vor dem Rathaus. Dabei sollen die Teilnehmer in roten Westen aufmarschieren – in Anspielung auf die Gelbwesten in Frankreich. „Es wird Zeit, dass wir uns nicht alles gefallen lassen“, kommentiert ein Besucher.

Außer der Maximalforderung „Weg mit alten Strabs“ gibt es noch die Minimalforderung: die Abschaffung dieser Beiträge auf Gemeindeebene bei gleichzeitiger Anhebung der Grundsteuer.

Jurczyk zufolge ziehen die Anwohner ihre (mündliche) Zustimmung zum Ausbau des Heisterkamps – in einer Anliegerversammlung getätigt – wieder zurück: Fachleute der Gemeindeverwaltung und des Wasserverbands sollten in einer Info-Veranstaltung zu den Sierßer Ausbauprojekten Rede und Antwort stehen. „Des Weiteren erwarten wir kostengünstigere Vorschläge zum Ausbau der Straßen in Sierße“, setzt Jurczyk hinzu.

Die Adresse für die Online-Petition lautet https://www.openpetition.de/petition/online/weg-mit-der-strabs-in-vechelde im Internet. Zudem ist die Online-Petition unter openpetition.de/!vgnws im Internet erreichbar, mit dieser Adresse ist auch die Seite der Sierßer Initiative zu erreichen.

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