SPD-Spitze: Olaf Marotz soll Vechelder Bürgermeister werden

Vechelde.  Der Vorstand schlägt den 50- Jährigen als Kandidaten vor, die Mitglieder entscheiden. Zusammen mit Romec Manns stellt sich Marotz im Interview.

Stellen sich dem Interview (von links): SPD-Ratsfraktionschef Romec Manns und der mögliche SPD-Bürgermeisterkandidat Olaf Marotz. 

Stellen sich dem Interview (von links): SPD-Ratsfraktionschef Romec Manns und der mögliche SPD-Bürgermeisterkandidat Olaf Marotz. 

Foto: Harald Meyer

Sie kommen im „ Doppelpack “, unterstreichen den Schulterschluss: Bei der Vechelder Bürgermeisterwahl im kommenden September will die SPD mit Olaf Marotz ins Rennen gehen – diese Empfehlung gibt der SPD-Ortsvereinsvorstand und erhält Unterstützung von der SPD-Gemeinderatsfraktion. Gemeinsam informieren darüber Ortsvereinschef Marotz und Ratsfraktionschef Romec Manns . In einer Mitgliederversammlung im nächsten Jahr entscheiden die SPD-Anhänger über diese Personalie – das Nominierung von Olaf Marotz zum Bürgermeisterkandidaten gilt als sicher. Bürgernähe, Transparenz bei den Entscheidungen und der Wunsch, in der Rathausverwaltung und Politik „neue Wege “ zu gehen – diese Stichworte fallen im gemeinsamen Interview mit Marotz mit Manns.

Herr Manns, warum ist Olaf Marotz der Richtige bei der Bürgermeisterwahl?

Manns : „Weil Olaf Marotz wie kein anderer die Ernsthaftigkeit und Professionalität verkörpert, die für dieses wichtige Amt erforderlich sind, und dies noch verbindet mit einer modernen Herangehensweise an die Dinge. All das, was die Vechelder bisher bei den Bürgermeistern zu schätzen wissen, bekommen sie mit Olaf Marotz, dazu kommen Faktoren wie Bürgerbeteiligung und Transparenz. Klar ist aber auch: Nur wer bei der Gemeinderatswahl SPD wählt, erhält auch 100 Prozent Olaf Marotz.“

Herr Marotz, Ihr Vater Hartmut Marotz war 16 Jahre Bürgermeister in Vechelde. Ist Ihr Weg vorgezeichnet mit der Bürgermeistermeisterkandidatur vorgezeichnet gewesen?

Olaf Marotz : „Vorgezeichnet war der Weg nicht, meine Kandidatur ist nicht geplant gewesen. Ich habe Jura studiert, hätte auch in der Wirtschaft landen können. Bei meiner Entscheidung, für das Bürgermeisteramt anzutreten, musste ich abwägen – ich habe viele Gespräche geführt, auch mit meinem Vater. In meiner bisherigen Arbeit in der Kommunalpolitik habe ich aber gemerkt, wie sehr es mir Spaß macht zu gestalten. Ich kandidiere also nicht, um meinem Vater zu gefallen.“

Manns : „Olaf Marotz muss den Vergleich mit seinem Vater nicht scheuen, sondern kann ihn offensiv annehmen. Olaf Marotz hat viel von seinem Vater – er hat auch die Seriosität und das Anständige –, aber er passt besser in die heutige Zeit.“

Herr Marotz, was dürfen wir von Ihnen als Bürgermeister erwarten?

Marotz : „Mein Anspruch ist es, ein Bürgermeister für alle Bürger zu sein – das heißt für Menschen über alle politischen Richtungen hinaus. Ich werde für jeden in der Gemeinde ansprechbar sein, denn mir ist klar: Wir werden weiterhin erfolgreich sein, wenn wir für die Masse der Bürger die guten Lebensverhältnisse erhalten oder noch verbessern. Nur wenn wir aber unsere guten finanziellen Möglichkeiten erhalten, können wir die Dinge auch gestalten – und neue Wege gehen.

Und die sehen wie aus?

Marotz : „Corona hat gezeigt, wie wichtig die Elektro-Mobilität ist – ich meine nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder: Gefordert ist ein regionales Verkehrskonzept. Auch bei den Radwegen dürfen wir nicht in Gemeindegrenzen denken, sondern müssen die Region sehen. Sollte ich Bürgermeister werden, werde ich dafür sorgen, dass der Radweg an der Landesstraße von Sonnenberg nach Groß Gleidingen gebaut wird – von der Kreisstraße gibt es bereits einen Weg nach Braunschweig. Denn die Menschen wollen mit dem Rad nach Braunschweig fahren, etwa zur Arbeit. Und die Menschen wollen an der Bundesstraße von Sierße nach Dungelbeck und dann nach Peine radeln: Ich werde mich daher für den 2,5 Kilometer langen Lückenschluss stark machen von Sierße an der Bundesstraße bis zum Abzweig nach Schmedenstedt. Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir Lösungen anbieten – und beispielsweise aufs Fahrrad setzen.“

Mietwohnungen – noch dazu mit bezahlbaren Mieten – sind auch in der Gemeinde Vechelde knapp: Was ist zu tun?

Marotz : „Wir als Gemeinde können nicht alleine in die finanzielle Förderung des Mietwohnungsbaus einsteigen, sondern nur mit anderen kommunalen Partnern. Vielleicht ergeben sich da Möglichkeiten.“

Der ewige Vorwurf lautet: Die Gemeinde investiere in den Hauptort Vechelde, vernachlässige aber die umliegenden Ortschaften…

Marotz : „Wir haben eine gute Infrastruktur in der Gemeinde, aber eine Kommune ist kein Gemischtwarenladen: Wir können nicht alles überall vorhalten. Wenn sich irgendwo ein Lebensmittelgeschäft ansiedeln möchte, begleiten wir das gerne: Doch einkaufen müssen schon die Menschen vor Ort in dem Tante-Emma-Laden. Als großes Thema sehe das Leben in unseren Ortschaften im Alter an – dazu brauchen wir Lösungen.“

Herr Marotz, Sie haben noch nicht in einer Kommunalverwaltung gearbeitet, wie wollen Sie das Rathaus führen?

Marotz : „Ganz klar, indem ich im Team mit allen Gemeindeverwaltungsmitarbeitern vertrauensvoll zusammenarbeite – zum Glück sind die Stellen im Rathaus mit guten Leuten besetzt. Als Volljurist mit 20-jähriger Berufserfahrung bringe ich juristische Analysefähigkeiten mit. Im Rathaus kann ich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Ich bin Paragrafenreiter und bislang auf einem anderen Pferd unterwegs. Doch letztlich geht es beim Rechtsanwalt und beim Bürgermeister um dasselbe: Probleme der Mandanten beziehungsweise der Bürger lösen.“

Zur Kommunalwahl im nächsten Jahr soll Olaf Marotz für die Gemeinderatswahl an Position eins der SPD-Kandidatenliste antreten und zugleich als Bürgermeisterkandidat? Warum diese Absicherung durch die Gemeinderatswahl – zweifeln Sie an einem Erfolg bei der Bürgermeisterwahl?

Manns : „Die Gemeinde Vechelde ist keine SPD-Hochburg – es wäre arrogant zu glauben, Olaf Marotz wäre als Bürgermeister schon gewählt. Wir werden in unserer Gemeinde hart um jede Stimme für die Ortsräte, den Gemeinderat und den Peiner Kreistag, aber auch für unseren Bürgermeisterkandidaten Olaf Marotz kämpfen müssen.“

Fakten:

Olaf Marotz ist 50 Jahre alt und arbeitet als Rechtsanwalt in einer Kanzlei in Peine: Der Vechelder hat nach seinem Abitur an einem Braunschweiger Gymnasium Jura studiert in Göttingen. Sozialdemokrat Marotz, verheiratet und Vater eines Kindes, gehört dem Vechelder Gemeinderat seit 2011 an; ebenfalls seit neun Jahren ist er Vorsitzender des Vechelder SPD-Ortsvereins. Seit 2014 ist Marotz zudem (ehrenamtlicher) Ortsbürgermeister in Vechelde/Vechelade. Als Hobbys gibt er an: Kochen , Heimwerken, Fahrradfahren, Kommunalpolitik, Tennis und Tanzen. Sein Vater ist Hartmut Marotz (SPD/72), der von 1998 bis 2014 (hauptamtlicher) Bürgermeister der Gemeinde Vechelde gewesen ist: Zurzeit gehört Hartmut Marotz dem Vechelder Gemeinderat und dem Peiner Kreistag an. Der amtierende Bürgermeister der Gemeinde Vechelde, Ralf Werner (SPD/65), kandidiert bei der nächsten Bürgermeisterwahl im September 2021 nicht mehr – er ist seit 2014 im Amt. Gewählt wird der neue Amtsinhaber im nächsten Jahr für fünf Jahre (also bis 2026). Die CDU und die Grünen haben bislang noch keine Bürgermeister-Kandidaten nominiert.

Kommentar von Harald Meyer (Redakteur der Braunschweiger Zeitung/Peiner Nachrichten):

Sicherer Sieg – große Fallhöhe

Der Name ist für die Vechelder SPD ein Glücksfall – bei Hartmut Marotz ist das der Fall gewesen, und bei Olaf Marotz wird das jetzt nicht anders sein. Während der Vater seine beiden Bürgermeisterwahlen souverän gewonnen hat, wird es ihm der Sohn im nächsten Jahr gleichtun. Bei der CDU haben sie resigniert auf die „ Nach-Marotz-Ära “ gehofft und dabei Hartmut Marotz gemeint – das selbe gilt aber auch für Olaf Marotz. Realistischerweise wird kein anderer Kandidat im Kampf um das höchste Gemeindeamt in Vechelde eine Chance haben.

Doch dieser (vorhergesagte) Sieg bedeutet keineswegs, dass es Olaf Marotz als Bürgermeister der Ostkreiskommune leicht haben wird – und das fängt schon am Wahlabend an. Denn es liegt auf der Hand, dass der Sohn immer mit dem Vater verglichen wird – und so wird die Messlatte beim Urnengang bei den 65,3 Prozent/73,5 Prozent der Stimmen liegen, die Hartmut Marotz einst geholt hat.

Olaf Marotz weiß um diese ständigen Vergleiche; er weiß um die Erwartungshaltung, die die Bevölkerung ihm gegenüber einnehmen wird – dass er sich trotzdem zur Bürgermeisterkandidatur entschieden hat, spricht für ihn. Und für sein gesundes Selbstbewusstsein , das alles ertragen zu können. Ein Selbstbewusstsein, das von den Menschen – anders als bei Hartmut Marotz – aber nicht als Arroganz ausgelegt wird.

Und so bleibt die Hoffnung, dass Olaf Marotz die Bevölkerung nicht so sehr polarisieren wird wie sein „alter Herr“, denn nur so kann der künftige Bürgermeister auch sein Wahlversprechen wahr machen: bei den Entscheidungen die Bürger mitzunehmen und einzubinden.

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