Von Harvesse nach Neuseeland – ein Abenteuer

Harvesse.  Abenteuer Neuseeland - Corona-bedingt endet es für Lisa Rodde aus Harvesse früher als geplant. Toll war es trotzdem.

Lisa und Jan sind am Milford Sound, auf der Südinsel, mit dem Kajak in einer unglaublich schönen Natur unterwegs. Lisa Rodde sagt: „Man muss dagewesen sein um das zu glauben. Fotos können die Schönheit dieses Ortes nicht ausdrücken. Und das, obwohl es dort fast jeden Tag regnet.“

Lisa und Jan sind am Milford Sound, auf der Südinsel, mit dem Kajak in einer unglaublich schönen Natur unterwegs. Lisa Rodde sagt: „Man muss dagewesen sein um das zu glauben. Fotos können die Schönheit dieses Ortes nicht ausdrücken. Und das, obwohl es dort fast jeden Tag regnet.“

Foto: Privat

Mit dem Zug von Braunschweig nach Frankfurt, dort in den Flieger nach Dubai, weiter nach Bali und von dort nach Auckland – es ist etwa ein Jahr her, dass solche Reisen noch „einfach so“ möglich waren. Und so startete Lisa Rodde dieses Abenteuer, das dann aber wegen Corona früher endete. Eine Rechnung wegen des so nicht geplanten Rückfluges kam nun noch hinterher. „Aber ich kann nur sagen, dass ich diese Reise immer wieder machen würde“, sagt die 21-Jährige aus Harvesse. „Die Erfahrungen und die Selbstständigkeit die man erlangt sind unbezahlbar.“

Ihre Mutter sei für wenige Wochen in Australien gewesen und habe ihr früher, als Kind, immer Fotos gezeigt, „von der Weite des Landes und von den knuffigen Tieren“, erzählt Lisa Rodde. So sei sie auf die Idee für ihre Reise gekommen. „Meine Familie hat mich dabei mit dem Startkapital unterstützt. Etwas Angst hatte ich schon – das erste Mal allein weit, weit weg.“

Über Travelworks, eine Agentur, bekam Lisa eine Steuernummer, das Bankkonto und alles andere Nötige. Erste Station war ein Hostel im Norden des Landes, zusammen mit einer Gruppe von rund 30 jungen Leuten, die auch mit der Organisation dort waren. „Die meisten kamen aus Deutschland. Doch es waren auch Engländer, Amerikaner, Italiener dabei. Es waren lustige erste Wochen. Wir sahen unseren ersten Wasserfall und wurden mit der Kultur der Ureinwohner bekannt gemacht. Nach den Wochen ging man seine eigenen Wege.

Lisa Rodde schloss sich einer kleinen Gruppe an. „Mit Hilfe der Organisation bekamen wir unseren ersten Job auf der Kiwi Plantage. „Von drei Knospen sollten wir nur eine stehen lassen, damit es nicht mehrere kleine Kiwis gibt, sondern eine große“, schildert sie ihre Arbeit. „Die Tage waren morgens mit 5 Grad ziemlich kalt und Mittag mit bis zu 39/40 Grad, ohne Schatten quälend warm.“

Nach sechs Wochen zog sie allein weiter, nach Auckland, kaufte sich ein Auto, „einen 1999, Nissan R´nessa, mit einem Bett, einer Toilette und einer Arbeitsplatte mit einem Waschbecken drin“. Damit fuhr sie die Ostküste hoch. „Dort habe ich den ersten Sonnenaufgang auf einem Leuchtturm gesehen und mir die ersten Städte in Neuseeland angeschaut. Die haben mich an die ländlichen Städte in Amerika erinnert, die man im Fernsehen immer sieht.“

Den Dezember überschreibt sie in ihrem Bericht mit „Neuer Monat, neuer Job“, diesmal auf einer Apfelplantage, zusammen mit drei weiteren „Work and Traveller“ und zwei Maori, Ureinwohner von Neuseeland. „Herzensgute und sehr hilfsbereite Menschen.“

Weihnachten 2019 erlebte Lisa in einem Hostel mit 30 Leuten und internationalem Buffet der Kulturen. „Es gab neuseeländische Suppe, koreanischen Tofu-Eintopf, französische Dattel mit Speck, japanischen Nachtisch und natürlich deutsche Nussecken. Danach ging es an den Strand zum Schwimmen. „Ein etwas anderes Weihnachten, was ich so schnell nicht vergessen werde. Silvester dagegen war etwas enttäuschend. Es ist verboten selbst ein Feuerwerk zu veranstalten. Darum gab es kein großes Böllern. Dafür aber ein Lagerfeuer neben einer Partyscheune.“

Mitte Januar ging ihre Reise weiter zur Südinsel. „Kilometerlange Strände mit Seerobben-Kolonien. Sie hatten grade Junge, die miteinander spielten. Unglaubliche Berge. Langes Warten auf die blue eyed penguins. Noch längeres warten auf die yellow eyed penguins. Alles Warten hat sich gelohnt. Sie sind so tollpatschig während des Gehens und so elegant im Wasser.“

Beim Besuch des „slope points“, des südlichsten Punkts der Südinsel fand sie eine „Paua Muschel“, ein Wahrzeichen von Neuseeland. „Erklimmen des Roy´s Peak, zwei Wochen Nachtschicht arbeiten in Blenheim, in einer Muschelfabrik am Fließband“, schildert Lisa Rodde im Zeitraffer weiter.

Im März gesellte sich ihr Freund Jan zu ihr. „Er hatte sich extra einen Monat lang freigenommen, um mit mir Neuseeland zu entdecken.“ Ihre Reise führte auf die Halbinsel neben Christchurch. „Dort konnten wir in einem sehr kleinen Boot und nur zu zehnt mit Delfinen schwimmen. Es war artgerecht, da es im offenen Meer war und die Delfine freiwillig bei uns und dem Boot bleiben sollten. Es wurde keinem Tier hinterhergejagt.“ Beobachten konnte die Gruppe auch einen Pelikan, weitere Pinguine und einen Baby Delfin mit seiner Mutter. Danach ging es mit dem Reiseanbieter „Go Orange“ zum Kajakfahren am meistfotografierten Wasserfall von Neuseeland, dem Milford Sound. „Es ist malerisch und ich kann gar nicht beschreiben, wie schön die Natur dort ist. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben.“

Dann ging es die Westküste entlang. „Die Gletscher, Berge und das Farbenspiel der Flüsse und Seen sind bewundernswert. Im Norden war kilometerlang nur Strand zu sehen. Wir haben uns einige Sonnenuntergänge angesehen. Diese Dauern in Neuseeland nur fünf Minuten. Es geht sehr schnell. Und die Sterne sind unglaublich. Fast jede Nacht saßen wir ein bis zwei Stunden draußen, um den Nachthimmel zu bewundern. Sternschnuppen gibt es dort auch zu genüge.“

Mit dem einzigen Postboot setzten die beiden ihre Reise fort zur Nordinsel, mit Führung durch die Weta Studios. Dort wurden die Spezial Effekte für den Film Herr der Ringe, der Hobbit und viele andere Filme entwickelt. Auch Kostüme, Masken. Dort machte sich zum ersten Mal das „neue Virus“ bemerkbar. Lisa: „Es gab nur Gruppen bis zu zehn Personen und man musste sich immer die Hände desinfizieren.“ Nach einem Zweitages-Stopp in Hastings und Napier ging es zu dem Glühwürmchen-Höhlen. Es war wunderschön.“

Genau einen Tag später kam das Verbot für den Besuch von Freizeitparks und anderen touristischen Attraktionen – und der Lock Down folgte: „Wir haben uns beide bei den Online-Portalen der BRD angemeldet. Erst zur Erfassung aller und danach bei der Rückholaktion.“ Lisa musste noch ihr Auto zu verkaufen. „Der Händler, von dem ich es auch gekauft habe, hat es mir für einen lachhaft günstigen Preis abgenommen. Doch ich war nur froh, dass ich mir in Deutschland keine Sorgen um ein Auto in Neuseeland machen musste.“

In einer Ferienwohnung warteten die beiden auf ihren Rückflug. „Das Quartier war perfekt. Es war ein Raum mit eigenem Eingang und einem kleinen Bad. Mit meinem kleinen Gaskocher konnten wir uns auf der Terrasse Essen kochen. Die Mutter der Familie hat sich während der Gartenarbeit mit uns Unterhalten und uns Selbstgebackenes gegeben. Die Waschmaschine durften wir auch mitbenutzen. Und zehn Tage später kam die lang herbeigesehnte E-Mail mit den Flugtickets. Wir hatten schon feste Tickets, andere waren nur auf der Nachrückerliste.“

Mit nur einem Zwischenstopp in Kanada ging es nach Frankfurt am Main. „Wir waren die gesamte Zeit über im Flugzeug. Jeder hat ein Schreiben zum Verhalten in Deutschland mitbekommen: Quarantäne, Mund und Nasenschutz, Abstand halten. Mit dem Ticket des Rückholfluges konnten wir auch noch den ICE nach Braunschweig nehmen. Dort wurden abgeholt. In unserer Wohngemeinschaft haben wir unsere zweiwöchige Quarantäne abgesessen. Unsere Eltern haben uns etwas zu Essen vor die Tür gestellt. Zum Glück haben wir uns nicht angesteckt.“

Prägend war die Reise den weiteren Weg der 21-jährigen Harvesserin. „Ich werde in Potsdam Biowissenschaften studieren. Mich interessieren die Naturwissenschaften und besonders Biologie sehr. Damit kann ich später zum Beispiel in einem Labor forschen.“

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