Warum Justin Amash die US-Wahl entscheiden könnte

Washington.  Justin Amash steigt ins Präsidentschaftsrennen ein. Der Ex-Republikaner könnte Trump und Biden wichtige Stimmen abspenstig machen.

So wird in den USA gewählt

Alle vier Jahre wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Das Wahlsystem unterscheidet sich deutlich von unserem.

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Wenn Vertreter von Splitter-Gruppen ins Rennen um die Präsidentschaft einsteigen, kommt im verkalkten Zwei-Parteiensystem Amerika reflexartig immer sofort eine Frage ins Spiel: Wem wird Mr. X eher Stimmen abluchsen? Im aktuellen Fall dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump? Oder seinem designierten demokratischen Herausforderer Joe Biden?

Bei Justin Amash, dem 40-jährigen Juristen aus Grand Rapids im Bundesstaat Michigan, der aus Enttäuschung über und Verachtung für Trump im vergangenen Jahr am Nationalfeiertag (4. Juli) sein republikanisches Parteibuch zurückgab, kann man sich nach Ansicht von Wahl-Analytikern da heute noch nicht sicher sein.

Das erklärt, warum die Personalie des Sohnes palästinensisch-syrischer Einwanderer-Flüchtlingseltern, der Ende Mai für die Libertären die Kandidatur erringen will, in den Zentralen beider Groß-Parteien gerade Kopfzerbrechen auslöst.

Justin Amash votierte für die Amtsenthebung Donald Trumps

Amash, der mit 30 als Vertreter der radikalen Tea-Party-Bewegung zum ersten Mal ins Parlament von Washington gewählt wurde, war der einzige Republikaner im Kongress, der in der Ukraine-Affäre für die Amtsenthebung Donald Trumps votierte und damit eine gewisse nationale Bekanntheit erlangte.

Er hält den Präsidenten, der ein Geschöpf der künstlich erzeugten Feindseligkeit von Demokraten und Republikanern in Washington sei, mental für instabil, ja amtsunfähig. Unter Trump seien die Republikaner zu einem Kult für Nationalismus und Protektionismus mutiert, findet Amash.

Joe Biden: Der Versöhner tritt gegen Donald Trump an
Joe Biden- Der Versöhner tritt gegen Donald Trump an

In seinem Heimatbundesstaat Michigan könnte er Trump entscheidende Stimmen abjagen, wenn sich konservative Wähler für ihn entscheiden, die des Amtsinhabers absolut überdrüssig sind. Auf der anderen Seite ist es auch denkbar, dass Amash Wähler absaugt, die Trump hassen aber niemals für einen Demokraten stimmen würden und Joe Biden nur für das kleinere von zwei Übeln halten. Was am Ende Biden straucheln und Trump obsiegen lassen könnte.

US-Präsidentschaftswahl: Immer wieder gehen wichtige Stimmen an Dritte

Um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um Hirngespinste handelt, muss man nicht unbedingt zurückdatieren auf Ross Perot (der 1992 George H.W. Bush die Wiederwahl vermieste) oder Ralph Nader (der 2000 dazu beitrug, dass nicht Al Gore sondern George W. Bush ins Weiße Haus einzog).

2016 war es Gary Johnson, Ex-Gouverneur von New Mexiko und heute erfolgreicher Marihuana-Unternehmer, der als Libertärer landesweit 3,3 Millionen Stimmen einheimste. Knapp 170.000 davon im Schlüsselstaat Michigan, den Donald Trump nur mit rund 10.000 Stimmen Vorsprung vor der Demokratin Hillary Clinton holte – und damit 16 wichtige Stimmen im „electoral college”, dem Wahlmänner-Gremium, das de facto den amerikanischen Präsidenten wählt.

Ohne Johnson und die Grüne Jill Stein, die landesweit zusammen 4,5 Prozent holten und Clinton vor allem in umkämpften Bundesstaaten wie Pennsylvania, Wisconsin und eben Michigan schwächten, wäre Trump nach Ansicht von Politikforschern heute wahrscheinlich nicht Präsident.

Zurzeit hat Joe Biden in Michigan noch einen soliden Sechs-Prozent-Vorsprung vor Trump. Aber das kann sich ändern. Nähern sich die Dickschiffe einander an, könnte es eine Rolle spielen, wie sich etwa die große arabisch-stämmige Gemeinde in Michigan bei der Wahl verhält. Gibt sie aus ethnischer Verbundenheit Amash die Stimme? Bleibt sie bei Trump? Oder geht sie zu Biden?

Justin Amash will sich von solchen Spekulationen nicht beeindrucken lassen. Er ist überzeugt, dass Trump abgewählt gehört, weil er die Verfassung via Amtsanmaßung zu Schaden reite. Biden, den Amash eindeutig für den „besseren Menschen“ hält, verdiene die Berufung ins höchste Staatsamt nicht, weil er ebenfalls für ein System der politischen Lagerbildung stehe, von der sich Millionen Amerikaner nicht vertreten fühlten. Amash: „Wir benötigen einen prinzipientreuen Präsidenten, der ehrlich ist.“

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