Fotoreportage aus Moria: Leben zwischen Heimat und Hölle

Lesbos.  Flüchtlinge aus Moria haben unserem Fotografen Reto Klar ihr letztes Foto aus glücklichen Tagen gezeigt. Das sind ihre Geschichten.

Fotograf Reto Klar über Moria: "Man lebt dort nicht, man überlebt"

Funke-Fotograf Reto Klar berichtet über seine emotionalen Eindrücke aus Moria. Noch kurz vor dem Brand besuchte er das überfüllte Flüchtlingslager auf Lesbos. Hier zeigten die Geflüchteten ihm alte Handyfotos aus schöneren Zeiten.

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Monatelang waren sie vergessen, jetzt hat das Feuer im Flüchtlingslager Moria sie wieder in die Schlagzeilen gebracht. Männer, Frauen und Kinder sind über Nacht auf der Insel Lesbos obdachlos geworden. Doch wer sind die Menschen, und was ist ihre Geschichte?

Noch bevor das Lager brannte, war unser Fotograf Reto Klar mehrfach auf der Insel. Zuletzt Ende August. Er suchte nach Antworten und fragte die Flüchtlinge nach ihren letzten Handyfotos in der Heimat, um zu zeigen, wie sie früher waren und was die Zeit im Lager aus ihnen gemacht hat. Um somit jedem von ihnen ein Stück seiner Würde zurückzugeben.

Flüchtlinge in Moria – Reisen um die halbe Welt

Sie kommen aus Herat in Afghanistan, aus Damaskus in Syrien, aus Bagdad im Irak und Kinshasa im Kongo. Die Gründe, warum sie im Flüchtlingslager von Moria gelandet sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie alle eint, dass sie die Freiheit gesucht haben. Dafür sind sie um die halbe Welt gereist, zu Fuß, mit dem Flugzeug, mit Schleppern in Lkw und klapprigen Bussen, auf nicht seetauglichen Booten. Sie eint auch, dass ihre Reise, ihre Flucht vorerst im Flüchtlingslager von Moria endete.

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In ihrer Heimat hatten sie Berufe, Wohlstand, Freunde und Verwandte, viele von ihnen hatten ein glückliches Leben. Bis der Krieg, die politische Situation oder auch die herrschende Religion sie in die Flucht trieb. So wie den 16-jährigen Sarwar Mohammad aus Baglan in Afghanistan. Sein Vater kämpfte gegen die Taliban und ist gefallen. Als kurze Zeit später seine Mutter an Herzversagen starb, flüchtete er mit seinen drei Geschwistern.

Während er im sogenannten Dschungel, im Wald um das Lager herum, lebte, waren seine zwei kleinen Geschwister drinnen allein. Seine ältere Schwester ist in einem Lager bei Athen. Nur vom Zaun aus konnte er Kontakt zu den Kleinen halten. Niemand weiß, wann und wo die vier Geschwister sich wiedersehen werden. (fmg)

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