Gewählter Präsident Biden: Wer kommt in seine Regierung?

Washington.  Schwarze, Frauen, Latinos: Das Kabinett von Joe Biden, dem jüngst neugewählten US-Präsidenten, soll so vielfältig werden wie nie zuvor.

Wer unter Biden Minister werden könnte

Während US-Präsident Donald Trump seine Wahlniederlage weiterhin nicht eingesteht, bereitet der neugewählte Präsident Joe Biden bereits die Amtsübernahme vor. Mit wem der neugewählte Präsident wichtige Ministerposten besetzen könnte, zeigt ein Überblick:

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Es ist das beliebteste Spiel nach jeder Präsidentschaftswahl in den USA: Wer bekommt die wichtigsten Kabinettsposten in der neuen Regierung? „President-elect“ Joe Biden hat versprochen, seine Regierungsmannschaft werde nach Geschlecht und ethnischer Herkunft so bunt gemischt sein wie nie zuvor.

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Weil Biden von der Mitte aus Politik machen will und auf Persönlichkeiten setzt, die a) ideologisch zu ihm passen und b) allesamt kein Training am Arbeitsplatz benötigen, ist Groll vom links-progressiven Flügel der Demokraten programmiert. Wer wird wofür gehandelt? Eine Liste möglicher Kandidaten:

Stabschef

Eine erste Top-Personalie ist geregelt: Ron Klain (59), seit über 30 Jahren im Biden-Orbit, ein Jurist mit hohem Organisationstalent, seit der Ebola-Krise 2014 auch Experte bei der Bekämpfung von Epidemien, wird Manager in der Regierungszentrale. Er entscheidet über den Tageskalender und, fast noch wichtiger, darüber, wer direkten Zugang zum Präsidenten erhält.

Biden flocht seinem neuen „Chief of Staff“ einen üppigen Kranz: „Seine tiefgreifende, vielfältige Erfahrung und Fähigkeit, mit Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum zusammenzuarbeiten, ist genau das, was ich von einem Stabschef brauche.“ Klain, Jura-Absolvent der Harvard-Universität, hatte früher für Vize-Präsident Al Gore gearbeitet. Er ist bekannt für gute Laune unter hoher Belastung.

Auch die demokratische Linke findet ihn gut. „Vielversprechende Wahl“, sagte die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez.

Bidens Vertrauter Klain soll Stabschef im Weißen Haus werden
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Auswärtiges

Die frühere UN-Botschafterin Susan Rice ist die heißeste Anwärterin auf den Kabinettsposten. Sie war nationale Sicherheitsberaterin unter Barack Obama. Die 55-Jährige Afrika-Expertin hat jedoch einen Makel: Ihre Bestätigung in einem republikanisch regierten Senat (Entscheidung nach Stichwahl in Georgia im Januar) würde schwierig.

Rice spielte beim tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi 2012 keine optimale Rolle. Sie soll die Öffentlichkeit falsch informiert und den Terrorakt von Radikalislamisten verharmlost haben. Damals kamen vier Amerikaner, darunter der Botschafter, ums Leben. Bei vielen Republikanern gilt sie als Feindbild.

Alternativ dürfen sich darum William Burns , der bereits mit den Alt-Außenministern Warren Christopher und Madeleine Albright gearbeitet hatte, und Senator Chris Coons aus Bidens Heimat-Bundesstaat Delaware Hoffnungen machen. Coons ist international als Außenpolitiker geschätzt.

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Verteidigung

Sie könnte die erste Pentagon-Chefin in der US-Geschichte werden: Michèle Flournoy war dort in der Obama-Zeit bereits Staatssekretärin. Die 59-Jährige leitet heute eine Denkfabrik (Center for a New American Security) und gilt als Befürworterin breiter Allianzen, um den geopolitischen Hauptgegner China einzuhegen. Hintergrund: USA und China: So gefährlich ist der Streit der Supermächte

In puncto Natobeitrag würde Flournoy Deutschland in der Sache genauso hart angehen wie Donald Trump das getan hat; aber lächelnd. Flournoys Handicap: Sie hat sehr enge Drähte zur Rüstungsindustrie. Unter Obama forderte sie höhere Militärausgaben. Das ist der demokratischen Linken ein Dorn im Auge. Lesen Sie hier : Nutzt Trump eine Hintertür und bleibt US-Präsident?

Finanzen

Als Favoritin wird die in Hamburg geborene, in Polen aufgewachsene und in Bonn zur Schule gegangene Lael Brainard (58) gehandelt. Sie ist seit sechs Jahren im Gouverneursrat der US-Notenbank, war früher Staatssekretärin im Finanzministerium. Brainard, die immer als akribisch vorbereitet gilt, ist in internationalen Expertenrunden der G20 und der G7 als besonnene Zuhörerin bekannt, die ihre Interessen mit „sanfter Überzeugungskraft“ vertritt, wie ein europäischer Diplomat unserer Redaktion sagte.

Die dreifache Mutter ist finanzpolitisch keine Hardlinerin, hat stark den Arbeitsmarkt im Auge. Dem linken Flügel der Demokraten ist sie nicht progressiv genug. Ambitionen haben auch: Senatorin Elizabeth Warren , Galionsfigur der Parteilinken, vor der sich die Wall Street fürchtet, Janet Yellen , frühere Notenbank-Chefin, und Raphael Bostic , afroamerikanischer Chef der regionalen Notenbank in Atlanta.

Veteranen

Joe Bidens Ex-Rivale Pete Buttigieg hat in Afghanistan gedient und genießt in militärischen Kreisen Ansehen. Er gilt seit seinen guten Ergebnissen bei den ersten Vorwahlen und mit 38 Jahren als Hoffnungsträger der Demokraten für die kommenden zehn, 20 Jahre. Buttigieg, einst Bürgermeister der Industriestadt South Bend/Indiana, befürwortet eine weitaus intensivere und verlässliche Versorgung der Veteranen, die für Amerika in Übersee gekämpft haben.

Seit Jahren steht das zuständige Ministerium in der Kritik , vor allem bei der medizinischen Betreuung von chronischen, traumatischen Belastungsstörungen ehemaliger Soldaten zu versagen. „Das muss sich ändern“, sagt Buttigieg. Aufgrund seiner akademischen Herkunft und Weltgewandtheit, er spricht acht Sprachen fließend, ist „Mayor Pete“ auch für den Posten des UN-Botschafters in New York im Gespräch. Lesen Sie auch : Künftiger Präsident: Was Joe Biden jetzt schon tun kann

Arbeit und Soziales

Der parteiunabhängige Senator Bernie Sanders aus Vermont hat, falls der „Gestaltungsspielraum“ stimmt, nach eigenen Worten hohes Interesse an der Position. Der aussichtsreichste Ex-Rivale Bidens um das Präsidentschaftsticket ist ein strenger Verfechter höherer Mindestlöhne und starker Gewerkschaften. Er könnte linke Positionen in den Regierungskreislauf einspeisen und eine ähnlich einflussreiche Rolle wie Robert Reich in der Regierung von Bill Clinton einnehmen.

Mit Sanders hätte der progressive Flügel der Demokraten ein Schwergewicht am Kabinettstisch. Der 79-Jährige, der vor allem junge Wähler begeistert, hatte sich für einen Schuldenerlass für Studenten und ein staatliches Förderprogramm für grüne Infrastruktur eingesetzt. Joe Biden, der mit Sanders seit langer Zeit ein enges Verhältnis pflegt, hat beides in Grundzügen in sein Programm übernommen.

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