Exklusiv-Umfrage

Grünen-Wähler: Wenig Hoffnung auf eine Kanzlerin Baerbock

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Grüne wollen im Wahlkampf wieder in die Offensive kommen

Grüne wollen im Wahlkampf wieder in die Offensive kommen

Die Grünen wollen im Bundestagswahlkampf wieder in die Offensive kommen: Die Partei hat ihre "optimistische" Wahlkampagne vorgestellt. Zuletzt gab es viel Wirbel um Spitzenkandidatin Annalena Baerbock; die Grünen fielen in Umfragen deutlich zurück.

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Exklusiv-Umfrage: 59 Prozent rechnen mit Laschet, neun Prozent setzen auf Baerbock. Besonders überraschend, was Grünen-Wähler sagen.

Wäre Armin Laschet ein Auto, würde für ihn die alte VW-Werbung gelten: „Er läuft und läuft und läuft.“ Im Kanzlerkandidaten-Duell mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bewies er langen Atem – und gewann. In der Flut-Katastrophe stapfte Laschet mit Barbourjacke und schwarzen Gummistiefeln durch den Schlamm der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Altena.

Bilder, die den landesväterlichen Macher und Kümmerer zeigten. Und in den Meinungsumfragen kennt der Trend nur eine Richtung: nach oben. Die Deutschen rechnen fest damit, dass der Spitzenmann der Union als Nachfolger von Angela Merkel ins Kanzleramt einzieht. Hintergrund: Alle Infos zur Bundestagswahl 2021

Nach einer Kantar-Umfrage im Auftrag unserer Redaktion stellen sich 59 Prozent auf einen Kanzler Laschet ein. Einen Erfolg von Grünen-Bewerberin Annalena Baerbock bei der Bundestagswahl im September erwarten nur 9 Prozent der Befragten.

Etwas besser schneidet SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit 11 Prozent ab. 2 Prozent nennen den FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner. 19 Prozent wollten sich für keinen der vier zur Auswahl gestellten Politiker entscheiden.

Im Lager der Grünen schwindet die Hoffnung

Selbst in der Anhängerschaft der Grünen gibt es kaum Hoffnung, dass Baerbock das Land regieren wird. Nur 13 Prozent rechnen mit ihr als Kanzlerin. Überdurchschnittlich viele - 71 Prozent - glauben an Laschet.

Scholz kommt im Grünen-Lager auf 9 Prozent. Unter den SPD-Anhängern erreicht Scholz immerhin 23 Prozent. 50 Prozent halten Laschet für den aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten, 15 Prozent Baerbock.

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In der Wählerschaft der Union kommt Laschet auf 82 Prozent. 8 Prozent stellen sich auf Scholz, 2 Prozent auf Baerbock ein. Ein anderes Bild als beim erwarteten Wahlausgang ergibt sich in der Kantar-Umfrage bei der Präferenz: Während 59 Prozent von Laschets Wahlsieg ausgehen, würden bei einer Direktwahl nur 19 Prozent den Kanzlerkandidaten der Union tatsächlich wählen.

17 Prozent gaben an, für Baerbock zu stimmen, 15 Prozent würden Scholz wählen. Immerhin 10 Prozent wünschen sich Lindner im Kanzleramt. 23 Prozent würden sich für keinen der vier genannten Spitzenkandidaten entscheiden, weitere 16 Prozent machten keine Angabe.

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Alle Kanzlerkandidaten werden in der Bevölkerung als relativ schwach bewertet“, betont Politikforscher Torsten Schneider-Haase von Kantar. „Aber bei der Bundestagwahl spielt nicht nur der Kanzlerkandidat eine Rolle, die Programmatik der Partei und die möglichen Koalitionsvarianten sind ebenfalls wichtig.“

Laschets Rückhalt in eigenen Reihen bei nur 54 Prozent

Die stärkste Unterstützung im eigenen Lager genießt Baerbock - 83 Prozent der Grünen würden sie direkt zur Kanzlerin wählen. Laschets Rückhalt unter den Anhängern der Union beschränkt sich dagegen auf 54 Prozent. Größere Unterstützung genießt Scholz bei den Sozialdemokraten (62 Prozent). 57 Prozent der FDP-Wähler würden bei einer Direktwahl des Kanzlers für Lindner stimmen.

Der Höhenflug der Grünen, die vor Wochen in den Umfragen noch knapp vor der Union lagen, ist erst einmal vorbei. Die öffentlichen Vorwürfe gegen Baerbock – aufgehübschter Lebenslauf, fehlende Angabe von Quellen in ihrem Buch – dürften ihre Spuren hinterlassen haben.

Da aber die Parteibindung in allen politischen Lagern relativ gering ist, könnten auch einzelne Ereignisse für einen Meinungsumschwung sorgen, sagen Demoskopen. „Die Flut-Katastrophe wird die Themen Klimawandel und Umwelt verstärkt auf die politische Agenda drücken. Das nutzt den Grünen“, unterstreicht Schneider-Haase. Ob auch Baerbock davon profitieren kann, bleibt allerdings die spannende Frage.

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