Bundestagswahl

Politikwissenschaftler spricht von "Wahldebakel" für Union

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Der Weg zur neuen Regierung könnte lang und steinig werden

Der Weg zur neuen Regierung könnte lang und steinig werden

Nach der Bundestagswahl ist noch längst nicht klar, wer Deutschland künftig regieren wird. Der Weg zu einer neuen Koalition kann lang und steinig werden: Bis zur Bildung der neuen Regierung müssen die Parteien noch einen regelrechten Marathon absolvieren.

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Berlin  Union und SPD liegen bei der Bundeswahl knapp beieinander. Eine schwere Niederlage für die Union, sagt Politikwissenschaftler Hubert Kleinert.

Die ersten Prognosen und Hochrechnungen zur Bundestagswahl zeigen das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union. In der ARD-Prognose von Infratest Dimap liegen Union und SPD um 18.00 Uhr gleichauf, auch in den folgenden Hochrechnungen liegen beide Parteien nah beieinander, die SPD kann einen knappen Vorsprung verbuchen. Die Grünen schwanken zwischen 13 und 15 Prozent, die FDP liegt bei rund 11 bis 12 Prozent. Die Linke muss weiter um den Einzug in den Bundestag bangen, in den ersten Prognosen und Hochrechnungen kam sie auf rund 5 Prozent der Stimmen.

Für Hubert Kleinert, Professor für Politische Wissenschaft an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Gießen und ehemaliger Grünen-Politiker, ist das Ergebnis „die schwerste Niederlage in der Geschichte der Union.“ Die Ära Merkel würde damit in einem „Wahldebakel“ enden. Trotzdem sei das Ergebnis für die Union nicht so schlimm ausgefallen, wie es zwischendrin erwartet worden sei.

Kleinert erwartet komplizierte Regierungsbildung

Die Koalitionsverhandlungen könnten nun jedoch sehr kompliziert werden, erklärt der Politikwissenschaftler: „Es wird sicher eine ganz schwierige Regierungsbildung werden.“ Relevant sei dafür auch, dass es für Rot-Grün-Rot wohl nicht reichen werde, denn „das macht in den Koalitionsverhandlungen die Position von Christian Lindner stärker.“

Am Ende könnte die Frage „ob die SPD ganz knapp vorne liegt oder nicht, eine wichtige Rolle spielen“, sagt Kleinert. Das würde auch einen psychologischen Unterschied machen: „Mit einem Wahlsieger muss man eher koalieren als mit einem Wahlverlierer. Letzten Endes entscheidet das dann vermutlich die FDP.“

Keine schnellen personellen Veränderungen in Union

Dass die Niederlage der Union noch am Abend personelle Konsequenzen haben könnte, davon geht Kleinert allerdings nicht aus. "Das Ergebnis wird eine ganz rasche personelle Veränderung nicht hergeben, so dass möglicherweise Laschet auch die Koalitionsverhandlungen führt.“

Auch aufgrund der vielen Briefwähler und -wählerinnen, könnte sich die Auszählung der Stimmen am Sonntagabend in die Länge ziehen. Dass diese Stimmen jedoch noch einmal einen großen Unterschied machen könnten, sei laut Kleinert eher unwahrscheinlich, da mittlerweile Wähler und Wählerinnen aus allen politischen Richtungen diese Art der Stimmabgabe nutzen würde. Möglicherweise, so spekuliert er, könnten sich die Briefwahl-Stimmen leicht negativ für die Union ausschlagen, „weil die meisten Briefwähler zu einer Zeit gewählt haben, als es der Union ganz schlecht ging.“

"Der Anspruch der Grünen war zu hoch"

Die Grünen können nach ersten Prognosen ein historisch gutes Ergebnis verbuchen. Aber richtig feiern könne die Partei das trotzdem nicht, erklärt Kleinert. Das erklärte Ziel der Grünen war das Kanzleramt. „Der Anspruch der Grünen war zu hoch. Vielleicht war es sogar ein Fehler, sich um das Kanzleramt zu bewerben und das Erfolgsduo durch diese Kandidatur ein Stück weit aufzubrechen“, sagt er. Trotz des historisch besten Ergebnisses könnten die Grünen ihren Sieg nicht feiern, „weil sie viel mehr erwartet haben.“ Deswegen werde man wohl „verhalten aus dem Abend herausgehen, denn das ist nicht das, was man vor Monaten erwartet hat.“

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