Geschichte

Koalitionen: So wurde Deutschland seit 1949 regiert

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"Ampel", "Jamaika", "GroKo": Mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl

"Ampel", "Jamaika", "GroKo": Mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl

Wer stellt die künftige Regierung in Deutschland? Diese Frage bleibt nach der Bundestagswahl zunächst offen. Während vor der Wahl noch von bis zu fünf möglichen Konstellationen die Rede war, sind es jetzt nur noch zwei bis drei, darunter die "Ampel"- und die "Jamaika"-Koalition.

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Berlin  Die Koalitionsverhandlungen für die nächste Bundesregierung beginnen langsam. Wie wurde Deutschland bisher regiert? Ein Blick zurück.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde seit 1949 stets von Koalitionsbündnissen regiert – bis auf ein Jahr. Nur Konrad Adenauer regierte von November 1961 bis Dezember 1962 ohne eine weitere Partei im Kabinett. Nach der Bundestagswahl Ende September müssen die Parteien nun wieder miteinander verhandeln, wer Teil der nächsten Regierung sein wird.

Bisher wurde Deutschland meist von Zweier-Bündnissen geführt – auf Bundesebene gab es bisher schwarz-gelbe, schwarz-rote, sozialliberale und rot-grüne Koalitionen. In der frühen Bundesrepublik regierten auch die damals noch bestehende Deutsche Partei, der GB/BHE sowie die FDP-Abspaltung FVP in Kabinetten mit.

Meist folgt das Entstehen von Koalitionen einem einfachen Prinzip: Die größeren Parteien Union (CDU/CSU) und SPD suchen sich häufig einen kleineren Koalitionspartner, sodass sie parlamentarisch eine Mehrheit erreichen. Nur selten bilden Christ- und Sozialdemokraten zusammen eine sogenannte „Große Koalition“, wie es sie in den letzten zwei Kabinetten unter Angela Merkel gab.

So sahen die Regierungskoalitionen in der Bundesrepublik seit 1949 aus

  • Deutschlands erster Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) regierte insgesamt rund 14 Jahre in wechselnden, aber ähnlichen Koalitionen, meist mit FDP und DP, von 1953 bis 1955 auch mit der GB/BHE und von 1960 bis 1961 als Alleinregierung
  • Ludwig Erhard (CDU) regierte in einer schwarz-gelben Koalition aus CDU/CSU und FDP und zum Ende seiner zweiten Amtszeit 1966 für mehrere Wochen als Minderheitsregierung der Union
  • Kurt Georg Kiesinger (CDU) regierte als Kanzler einer schwarz-roten Koalition gemeinsam mit der SPD in den Jahren 1966-1969
  • SPD-Kanzler Willy Brandt regierte von 1969 bis 1974 mit zwei sozialliberalen Kabinetten, also einer Koalition von SPD und FDP
  • Helmut Schmidt regierte genauso weiter: Auch von 1974 bis 1982 wurde Deutschland von SPD und FDP geführt, zum Ende des dritten Kabinetts Schmidt für zwei Wochen als Minderheitsregierung der SPD
  • Von 1982 bis 1988 regierte Helmut Kohl (CDU) mit einer schwarz-gelben Koalition aus CDU/CSU und FDP
  • Gerhard Schröder (SPD) bildete gemeinsam mit den Grünen ein Kabinett und regierte so zwei Legislaturperioden von 1998 bis 2005
  • Angela Merkel führte vier verschiedene Kabinette als Regierungschefin an. Darunter drei schwarz-rote Koalitionen (CDU/CSU und SPD) und ein schwarz-gelbes Bündnis von 2009 bis 2013

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Nach Bundestagswahl 2021: Erstmals wieder Dreier-Bündnis im Bund

Auf Landesebene sind in Deutschland Koalitionen aus drei Parteien mittlerweile viel üblicher. So gibt es Thüringen eine rot-rot-grüne Koalition (unter Führung der Linken und mit Beteiligung von SPD und Grünen) und in Schleswig-Holstein eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Bis zur Abgeordnetenhauswahl am 26. September 2021 wurde auch das Land Berlin von Rot-Rot-Grün regiert.

Die aktuellen Mehrheitsverhältnisse und der praktische Ausschluss der Formierung einer Großen Koalition machen erstmals auch auf Bundesebene ein Dreier-Bündnis notwendig. Derzeit laufen die ersten Sondierungen von Grünen und FDP, die in den nächsten Tagen dann wiederum mit der Union und der SPD verhandeln. Ob sich am Ende die „Ampel“ oder „Jamaika“ durchsetzen wird, ist noch offen. Lesen Sie auch: Habeck, Lindner & Co.: Gemeinsames Selfie sorgt für Debatte

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