Bundestagswahl

Ampel-Koalition: Diese Politiker könnten die Minister werden

| Lesedauer: 4 Minuten
Alle Zeichen stehen auf Ampel-Koalition

Alle Zeichen stehen auf Ampel-Koalition

Tag zwei nach der Bundestagswahl: Die Fraktionen treffen sich erstmals in neuer Besetzung im Bundestag - auch die Grünen. Bei der Ökopartei bevorzugen viele ein Ampel-Bündnis mit Olaf Scholz als Kanzler. Doch zunächst stehen Verhandlungen mit der FDP an.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Über Personalfragen wird eigentlich zuletzt entschieden – doch bei SPD, Grünen und FDP gibt es Spekulationen über künftige Minister.

Mit Koch-Kellner-Vergleichen kann Olaf Scholz wenig anfangen. Dem SPD-Kanzlerkandidaten schwebt eine Ampel-Koalition auf Augenhöhe vor. Das hätte bei einer Koalitionsbildung Folgen, auch personell. Zusammen sind Grüne und FDP so stark wie die SPD. Das dürfte sich beim Zuschnitt der Ressorts und ihrer Besetzung zeigen. Erfahrungsgemäß werden die Personalien zum Schluss von Koalitionsverhandlungen aufgerufen. Spekulationen aber gibt es längst.

Ampel-Koalition: So könnten die Ministerposten besetzt werden

Scholz machte klar, dass er SPD-Chefin Saskia Esken (60) für ministrabel hält. Die Informatikerin käme als Chefin eines Digitalisierungsressorts infrage.

Die Vizekanzlerschaft kann niemand den Grünen nehmen, sie sind die zweitstärkste Kraft. Der erklärte Traumjob von Grünen-Chef Robert Habeck (52) wäre das Finanzministerium. Aber auch in einem starken Umweltministerium könnte er viel umsetzen – erst recht, wenn er dazu noch Vizekanzler wäre. Der Kampf gegen den Klimawandel ist die Aufgabe der nächsten Jahre – und das Identitätsthema der Grünen.

Schuster, bleib bei deinem Leisten, würde es dann auch für FDP-Chef Christian Lindner (42) als Finanzminister heißen. Wenn die Liberalen ein Alleinstellungsmerkmal haben, dann bei Steuersenkungen.

„Keine Experimente“ heißt es bei der SPD auf ihrem klassischen Feld, der Arbeits- und Sozialpolitik. Für das Stammressort kommt jemand mit Kabinettserfahrung in Betracht: Svenja Schulze (53). Für sie spricht auch, dass sie aus dem starken NRW-Verband kommt. Allerdings könnte es Scholz gelingen, Andrea Nahles zurück in die Politik zu holen. Zur Ex-SPD-Chefin besteht ein enges Vertrauensverhältnis.

Bei Christine Lambrecht(56) müsste er nicht lange Überzeugungsarbeit leisten, um sie für das Innenministerium zu gewinnen. Die bisherige Justizministerin aus der SPD wird in Sicherheitskreisen geschätzt.

Innen und Justiz stehen in einer natürlichen Rivalität. In kaum einem anderen Ressort haben Liberale so Maßstäbe gesetzt wie im Justizministerium: Lindners Vertrauter Marco Buschmann (44) könnte den Zuschlag bekommen.

Das Außenministerium geht üblicherweise an den zweitstärksten Koalitionspartner – in diesem Fall käme man auf Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock (41). Hier könnte sie den Klimaschutz global vorantreiben. In Abstimmung mit Habeck – und dem künftigen Entwicklungshilfeminister.

Sollte die FDP vier Ministerien bekommen, könnte Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff (54) das Amt des Entwicklungsministers übernehmen.

Mit den Sicherheitsressorts kann man wenig gewinnen, aber viel verlieren. Es liegt nahe, dass Scholz das Verteidigungsministerium mit einem Mann besetzt, der sein vollstes Vertrauen genießt. Die Rede ist von Lars Klingbeil (43), der SPD-Generalsekretär ist der Sohn eines Berufssoldaten und war im Verteidigungsausschuss engagiert.

Auch wenn Scholz der FDP die Finanzen überlässt, so dürfte er bestrebt sein, die Wirtschaftskompetenz der SPD unter Beweis zu stellen – ein Feld, das seit Langem Hubertus Heil (48) umtreibt und um die Baupolitik ergänzt werden könnte.

Für viele Bürger war er schon in der Pandemie eine Art-Schatten-Gesundheitsminister: Karl Lauterbach (58). Wenn die SPD das so bürgernahe Ressort übernehmen sollte, wäre er die erste Wahl.

Die Klimapolitik kann nur gelingen, wenn auch die Verkehrspolitik in ihren Dienst gestellt wird. Das Bestreben der Grünen ist, das Elek­troauto und noch mehr den Bahnverkehr zu fördern. Da kommt man an Anton Hofreiter (51) kaum vorbei.

Wenn Hofreiter als Verkehrsminister zum Zuge kommt, dann erst recht die erfahrene Katrin Göring-Eckardt (55). Sie könnte ein weiteres Profilierungsfeld der Grünen beackern: als Familien- und Frauenministerin.

Für die grüne Klientel ist erst recht der Bereich der Landwirtschaft und des Tierschutzes wichtig. Da kann die Partei auf viele Experten verweisen. Als Agrarministerin infrage käme die frühere Parteimanagerin Steffi Lemke (53).

Bildung ist eines der Schlüsselthemen für die Liberalen. Mit der hessischen Landeschefin und Fraktionsgeschäftsführerin Bettina Stark-Watzinger (53) würde die FDP neben den drei Männern eine Frau ins Kabinett schicken.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: [email protected]

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (2)