Altersvorsorge

Rentenlücke: So berechnen Sie ihren Bedarf für die Rente

| Lesedauer: 7 Minuten
Was ist die Rentenlücke

Was ist die Rentenlücke

Die meisten Menschen werden im Alter zu wenig Rente bekommen. Das Video erklärt, wie man die eigene Rentenlücke ausrechnet.

Beschreibung anzeigen

Berlin   Im Ruhestand fehlt häufig das Geld um den gewünschten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. So ermitteln Sie ihren Bedarf für die Rente.

Die Welt bereisen, mit den Freunden schick essen gehen oder sich voll und ganz dem Garten widmen? Es gibt viele Beispiele, wie man die Zeit im Ruhestand bestmöglich verbringen kann. Doch eines haben sie fast alle gemeinsam: Sie kosten Geld.

Wer frühzeitig wissen will, welchen Lebensstandard er sich im Ruhestand leisten kann oder sich vor Altersarmut absichern will, kommt daher nicht an dem Stichwort Rentenlücke vorbei. In unserer Übersicht klären wir, was das ist und was Sie brauchen, um sie zu berechnen.

Rentenlücke berechnen Schritt 1: Wie viel Geld brauche ich eigentlich im Ruhestand?

Die Rentenlücke ist sowohl Verkaufsargument für Versicherungsagenten als auch politisches Schlagwort in Talkshows. Der Begriff drückt dabei im Kern immer ein Defizit aus, zwischen dem Einkommen was Rentner und Rentnerinnen erhalten und was sie eigentlich benötigen. Sie müssen sich also zunächst fragen: Wie viel Geld brauche ich im Ruhestand, um den von mir gewünschten Lebensstandard aufrechtzuerhalten?

Eine Frage, die weder leicht, noch mit absoluter Genauigkeit zu beantworten ist. Finanzberater empfehlen daher häufig als Finanzbedarf zwischen 70 und 80 Prozent des letzten Nettogehalts als Untergrenze anzusetzen.

Denn im Ruhestand sinken auch viele Kosten. Beispielsweise muss kein Geld mehr für den Arbeitsweg ausgegeben werden oder mancher hat zu diesem Zeitpunkt seine Immobilie bereits abbezahlt. Allerdings sollten Sie dann Rücklagen für Investitionen in eben jene Immobilie in den Finanzbedarf mit einberechnen.

Wie hoch das letzte Nettogehalt ausfallen wird, ist nur ungefähr vorauszusehen. Je nach Ausbildung und Beruf ist eine jährliche Steigerung zwischen einem und zwei Prozent realistisch.

Lesen Sie dazu: Wer in Deutschland wo am meisten verdient

Rentenlücke berechnen Schritt 2: Wie viel Rente bekomme ich überhaupt?

Diese Information gibt Ihnen die Deutsche Rentenversicherung (DRV) entweder auf Anfrage oder über den Rentenbescheid, beziehungsweise die Rentenauskunft. Den Rentenbescheid schickt die DRV an jede Person ab 27 Jahren, die mindestens fünf Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat. Die Rentenauskunft wird an Personen ab 55 Jahren verschickt.

Im Rentenbescheid finden Sie drei Werte über die zu erwartende monatliche Rente in brutto. Zunächst berechnet die DRV ihre Bezüge mit den Werten des aktuellen Jahres.

Die Rente wird jedoch regelmäßig angepasst. Die DRV gibt Ihnen daher auch noch die monatliche Rente an, wenn diese jährlich um ein Prozent erhöht werden sollte und wenn diese um zwei Prozent erhöht werden sollte.

Es bleibt Ihnen überlassen, ob sie für die Berechnung ihrer Rentenlücke optimistisch bleiben und von einer jährlichen Zwei-Prozent-Steigerung ausgehen oder pessimistisch von überhaupt keiner Steigerung.

Das die Rente sinkt, ist durch die Rentengarantie gesetzlich ausgeschlossen. Allerdings berechnet die DRV bei der Rente eine mögliche Inflation nicht ein. Dazu später mehr bei den zu erwartenden Ausgaben.

Rentenlücke berechnen Schritt 3: Was bekomme ich zusätzlich zur gesetzlichen Rente?

Neben der gesetzlichen Rente beziehen viele Menschen im Alter auch noch Einnahmen aus der betrieblichen und/oder der privaten Altersvorsorge, wie zum Beispiel Riester-Verträgen. Prüfen Sie also genau ihre Verträge und Sparpläne, um zu erfahren, wie viel Geld ihnen daraus im Ruhestand pro Monat zur Verfügung steht.

Ein zusätzliches Einkommen im Ruhestand können auch Mieteinnahmen darstellen. Auch diese sollten Sie in ihre Rechnung einbeziehen.

Es gibt weitere Einnahmen, die nicht außer Acht gelassen werden sollten, mit denen aber in der Zukunft relativ schwierig zu planen ist. Dazu zählen:

Die gesamten Einnahmen zusammenzurechnen, kann sehr kompliziert sein. Gerade wenn Sie mehrere Verträge zur Altersvorsorge abgeschlossen haben. In so einem Fall kann ein Rentenberater helfen.

Unterstützung finden Sie etwa bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, bei den Verbraucherzentralen oder bei einem Honorarberater. Wer bereits einen Vorsorgevertrag hat, bekommt meist auch eine Beratung bei dem Vermittler, bei dem er diesen abgeschlossen hat.

Auch sonst informieren Mitarbeiter von Banken und Versicherungen über Produkte – oft aber nicht produktunabhängig und nur scheinbar kostenlos, denn pro Vertragsabschluss wird häufig eine Provision fällig.

Rentenlücke berechnen Schritt 4: Mit welchen Abzügen muss ich im Ruhestand rechnen?

Die monatlichen Einnahmen, die Sie sich nun zusammengerechnet haben, werden Sie im Ruhestand nicht vollständig einbehalten können. Denn Steuern zahlen müssen auch Rentner und Rentnerinnen, sobald sie den Grundfreibetrag (9984 Euro für Ledige 2022) überschreiten.

Zudem soll die Steuerlast in den kommenden Jahren noch steigen. Bisher ist geplant, dass bis zum Jahr 2040 der Rentenfreibetrag kontinuierlich auf null Prozent sinkt. Heißt: Ihre gesamte Rente wird dann zur Berechnung der Einkommenssteuer herangezogen.

Sie müssen außerdem im Ruhestand weiter Beiträge an Kranken- und Pflegeversicherung abgeben. Diese werden sowohl auf die gesetzliche Rente und bei Überschreiten eines Freibetrages auch auf die Betriebsrente fällig. Der Beitragssatz für die Krankenversicherung liegt 2022 bei 14,6 Prozent, wovon die DRV die Hälfte trägt. Haben Sie Kinder, liegt ihr Beitragssatz für die Pflegeversicherung 2022 bei 3,05 Prozent, ohne Kinder bei 3,45 Prozent.

Lesen Sie dazu auch: Brutto-Netto-Rechner - So viel Rente bleibt am Monatsende übrig

Rentenlücke berechnen Schritt 5: Inflationen beachten

Wenn Sie sich nun einen Überblick über ihre Netto-Rente verschafft haben, gilt es die Inflation zu beachten. Denn das Geld, was Ihnen heute noch für den Ruhestand reicht, könnte ja bis zum Erreichen dessen, viel weniger Wert sein. Ihre Kaufkraft sinkt.

Wie sich die Inflationsrate in Zukunft entwickelt, lässt sich leider ebenfalls nur abschätzen. Die durchschnittliche Steigerung in den vergangenen zwei Jahrzehnten lag laut Statistischem Bundesamt bei 1,6 Prozent pro Jahr. Es ist demnach realistisch für die Inflation in der Zukunft je nach Optimismus einen Wert zwischen einem und zwei Prozent anzusetzen.

Vereinfachte Beispielrechnung für die Rentenlücke

Eine Bäckerin aus Essen ist 50 Jahre alt, hat noch 17 Jahre bis zum Renteneintritt und möchte einen Überblick über ihre monatliche Rentenlücke erhalten. Ihre Beispielrechnung sieht folgendermaßen aus:

Letztes Nettoeinkommen 2500 Euro
Finanzbedarf im Ruhestand (80 Prozent) 2000 Euro
Einnahmen:  
Gesetzliche Rente +1400 Euro
Betriebliche und private Vorsorge +200 Euro
Sonstige Einnahmen keine
Gesamt 1600 Euro
Ausgaben:  
Inflation (17 Jahre, 1,5 % pro Jahr) - 358 Euro
Steuern - 162 Euro
Kranken- und Pflegeversicherung - 145 Euro
Gesamt - 665 Euro
Zur Verfügung stehendes Geld: 935 Euro
Rentenlücke: -1065 Euro

(mit dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder