Bundesregierung

Jedes fünfte Kind gilt in Deutschland als armutsgefährdet

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Berlin.  Jedes fünfte Kind hierzulande ist armutsgefährdet, heißt es in einem Schreiben der Regierung. Die Linke fordert ein höheres Kindergeld.

Rund jedes fünfte Kind in Deutschland gilt als armutsgefährdet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Linksfraktionschefs Dietmar Bartsch hervor. Das Schreiben aus dem Bundesarbeitsministerium liegt unserer Redaktion vor. 20,2 Prozent der unter 18-Jährigen sind demnach im Jahr 2020 armutsgefährdet gewesen.

Bundesweit lebten 2020 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 13,75 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Damit würden rund 2,77 Millionen Kinder und Jugendliche als armutsgefährdet gelten.

Kinderarmut: In Bremen liegt sie bei 42,0 Prozent

Deutliche Unterschiede gibt es dabei zwischen den einzelnen Bundesländern. Gemessen am Bundesmedian des Nettoäquivalenzeinkommens sind in Bremen 42,0 Prozent der Kinder laut Arbeitsministerium armutsgefährdet. In Bayern sind es dagegen lediglich 12,2 Prozent.

Die Berechnung der Armutsgefährdungsquote basiert maßgeblich auf dem Haushaltseinkommen der Eltern. Bestimmt wird das sogenannte Nettoäquivalenzeinkommen. Dabei wird das Haushaltseinkommen auf den Bedarf der im Haushalt lebenden Personen, also auch der Kinder, umgerechnet. Genutzt wird für die Berechnung eine Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Als armutsgefährdet definiert die Bundesregierung, wenn dieses Bedarfseinkommen weniger als 60 Prozent des Mittelwerts der Privathaushalte beträgt.

Hohe Armutsgefährdungsquote auch in Berlin und NRW

Unterschiede gibt es dabei zwischen dem bundesweiten und dem landesweiten Mittelwert. Während im Bundesmedian in Bremen 42,0 Prozent der Kinder als armutsgefährdet gelten, wären es beim Maßstab, der lediglich die Bedarfseinkommen des Bundeslandes berücksichtigt, „nur“ 28 Prozent.

In Berlin gilt im Verhältnis zum Landesmedian fast jedes vierte Kind (24 Prozent) als armutsgefährdet. Hoch sind die Quoten in Bezug zum Landesmedian auch in Hessen (23,8 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (23,1 Prozent). Die niedrigste Armutsgefährdungsquote im Landesmedian hat demnach Sachsen mit 14,7 Prozent, gefolgt von Thüringen und Bayern mit jeweils 15,9 Prozent.

Die Armutsgefährdungsquote von unter 18-Jährigen gemessen am Bundesmedian und Landesmedian in Prozent:

  • Baden-Württemberg: Bundesmedian: 15,8 / Landesmedian: 18,8
  • Bayern: 12,2 / 15,9
  • Berlin: 26,1 / 24,0
  • Brandenburg 16,8 / 15,8
  • Bremen: 42,0 / 28,0
  • Hamburg: 21,0 / 22,3
  • Hessen: 23,2 / 23,8
  • Mecklenburg-Vorpommern: 24,4 / 17,2
  • Niedersachsen: 23,0 / 22,2
  • Nordrhein-Westfalen: 23,2 / 23,1
  • Rheinland-Pfalz: 20,2 / 20,4
  • Saarland: 21,6 / 20,8
  • Sachsen: 21,1 / 14,7
  • Sachsen-Anhalt: 26,2 / 20,1
  • Schleswig-Holstein: 20,3 / 21,0
  • Thüringen 21,7 / 15,9

Bartsch fordert höheres Kindergeld

„Armut ist ein gesellschaftliches Phänomen mit vielen Facetten. Sie ist im Wesentlichen ein Mangel an Mitteln und Möglichkeiten das Leben zu gestalten. Als komplexes Phänomen entzieht sie sich einer einfachen und eindeutigen Messung. Das gilt auch für die Armut von Kindern“, schreibt die Bundesregierung. Als statistische Größe liefere die Armutsquote daher keine Informationen über individuelle Bedürftigkeiten.

Dietmar Bartsch kritisierte die Entwicklung scharf. „Kinderarmut ist ein trauriger Skandal in unserem reichen Land. Chancengleichheit Fehlanzeige! Eine inakzeptable Hypothek für nächste Generationen“, sagte Bartsch unserer Redaktion. Der Fraktionsvorsitzende der Linken sprach sich für Maßnahmen gegen Kinderarmut aus. „Das Kindergeld sollte für alle Kinder sofort auf 328 Euro steigen. Für die ärmsten Kinder braucht es eine armutsfeste Kindergrundsicherung bis 630 Euro“, forderte Bartsch.

Das Bundesarbeitsministerium teilte in der Antwort mit, dass die von SPD, Grünen und FDP im Koalitionsvertrag vereinbarte Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Kindergrundsicherung „in Kürze“ starten solle.

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