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Trotz Bremse: Wir müssen diesen Winter Energie sparen!

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EU-Energieminister beschließen Abschöpfung von Krisengewinnen

EU-Energieminister beschließen Abschöpfung von Krisengewinnen

Die EU-Energieminister haben sich auf eine Abschöpfung der Gewinne von gut verdienenden Energiekonzernen geeinigt. Die Abgabe soll EU-weit 140 Milliarden Euro einbringen und an die Verbraucher weitergegeben werden.

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Berlin.  Es wird gedeckelt und gebremst, wo es nur geht. Aber die hohen Preise sind nur ein Problem. Ein anderes ist, wenn uns das Gas ausgeht.

Ob in Berlin, in Brüssel oder anderen europäischen Hauptstädten: Angesichts der dramatisch hohen Energiepreise bemüht sich die Politik, die Kosten für Strom und Gas zu deckeln und zu bremsen, wo es nur geht. Schließlich hat der von Russlands Herrscher entfachte Energiekrieg das Potenzial, die wirtschaftlichen und sozialen Grundfesten der europäischen Gesellschaften gefährlich zu erschüttern. Dass aber der Staat nicht alle Härten abfedern kann, ist trotz der milliardenschweren Entlastungsbeschlüsse offensichtlich. Das gilt auch für den Energieverbrauch.

Mit ihren Plänen für eine Gaspreisbremse setzt die Ampel-Koalition das Signal, dass sie Privathaushalte wie Unternehmen vor dem Energiepreisruin schützen will. Viele Details des Vorhabend sind bislang offen, sodass die Wirksamkeit des Kostenstoppers noch nicht abzusehen ist. Liefert die Koalition aber nun handwerklich besser ab als bei der inzwischen beerdigten Gasumlage, kann die Preisbremse helfen, eine finanzielle Überlastung von Familien und Firmen zu verhindern. Der bis zu 200 Milliarden Euro große Abwehrschirm lässt also mit weniger Sorge auf die kommenden Monate gucken.

Grund zur Sorglosigkeit besteht jedoch nicht. Das Gebot der Stunde heißt immer noch Sparsamkeit. Denn von dem Versprechen einer Gaspreisbremse darf sich niemand in falscher Sicherheit wiegen lassen. Auch wenn die Bundesregierung kräftig auf die Bremse tritt, wird sie damit den Gaspreis absehbar nicht auf das Niveau der Vorkriegszeit drücken können. Wer außerdem über den staatlich subventionierten Grundbedarf hinaus Gas verbraucht, bekommt dafür eine ganz besonders saftige Rechnung von seinem Energieversorger.

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Die Verfügbarkeit von Gas ist ein Problem

Und diejenigen, die es finanziell nicht juckt, ob sie ein paar hundert Euro mehr im Monat mehr für lange warme Duschen und ausgiebiges Heizen ausgeben, sollten sich an eins erinnern: Die Preise für Energie sind nur ein Problem, die Verfügbarkeit von Gas ist ein anderes.

Zwar sind die deutschen Speicher in den vergangenen Wochen trotz der ausgebliebenen Gaslieferungen aus Russland schneller gefüllt worden, als von der Bundesregierung geplant. Ein kritischer Engpass bei der Gasversorgung im Winter ist aber weiterhin ein Szenario, das uns droht.

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Nun ist es bereits so, dass sich viele Menschen Gedanken darüber gemacht haben, wie sie ihren Verbrauch senken können: kürzer Duschen, die Grundeinstellungen der Heizung senken, mit kaltem Wasser die Hände waschen. In den nächsten Monaten heißt es, dranzubleiben.

Über gesellschaftliche Unruhen freut sich einer: Wladimir Putin

Denn die noch vor Kurzem selbstbewusst geäußerte Zuversicht der Regierung, dass wir gut durch den Winter kommen, beruhte auf der Annahme, dass der Gasverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel sinkt. Mit Beginn der kälteren Tage im September nahm der Verbrauch jedoch deutlich zu – und lag sogar über dem der im Vergleich milderen Vorjahreswochen.

Zwar waren nun keine erneuten Tipps zur Morgenwäsche mit dem Waschlappen zu hören, wohl aber der politische Appell zum Sparen.

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Denn noch mehr als einen hohen Gaspreis, der immerhin unter dem Einsatz von Milliardensummen gebremst werden kann, fürchtet die Regierung, dass es nichts zum Bremsen oder Deckeln gibt. Stehen aufgrund von Gasmangel die Bänder in den Fabriken still, bleiben die Wohnungen eiskalt, wäre das für die Stimmung im Land und den gesellschaftlichen Zusammenhalt verheerend. Die Hände reiben, nicht vor Kälte, sondern vor Freude, würde sich jedoch einer: Wladimir Putin.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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