Verband kritisiert: „Hartz IV schützt nicht vor Armut“

Berlin.  Die Hartz-IV-Leistungen schützen laut einer Studie nicht vor Armut. Vor allem für Singles habe sich die Situation weiter verschärft.

Homeschooling mit Hartz IV: Abgehängt in der Corona-Krise

Nicht einmal ein Euro ist vorgesehen im Hartz-IV-Regelsatz für Kinder und Jugendliche, wenn es um das Thema Bildung geht. Einen Rechner davon anzuschaffen, ist praktisch aussichtslos. In der Corona-Krise verschärft sich die Bildungsungerechtigtkeit.

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432 Euro im Monat erhalten alleinstehende Erwachsene – laut einer Studie für den Paritätischen Wohlfahrtsverband bewahren die derzeitigen Hartz-IV-Leistungen die Betroffenen nicht vor Armut. Vor allem gesunde Lebensmittel könnten mit dem Arbeitslosengeld nicht bezahlt werden.

Auch sei ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe finanziell kaum möglich, teilte der Sozialverband am Dienstag in Berlin unter Verweis auf Untersuchungen seiner eigenen Forschungsstelle mit.

Massive Defizite gebe es insbesondere bei den Leistungen für alleinstehende Erwachsene sowie Haushalte von Alleinerziehenden. „Hartz IV schützt nicht vor Armut, sondern manifestiert sie“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider.

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Singles mit Hartz IV: Selbst der Internetanschluss ist zu teuer

Seit 2010 habe sich die Situation alleinstehender Erwachsener beständig verschärft und mittlerweile ein Niveau der „strengen Armut“ erreicht. Ein Viertel aller Singles mit Hartz IV kann sich laut Studie mittlerweile nicht einmal mehr einen Internetanschluss leisten. Dabei sei auch die Gefahr der Vereinsamung bei dieser Gruppe am größten.

Aber auch für alle anderen Haushalte in der Grundsicherung seien die Chancen auf politische, soziale und kulturelle Teilhabe viel schlechter als für den Rest der Gesellschaft.

Die Organisation forderte umgehende Maßnahmen noch vor der gesetzlich vorgesehenen Neufestsetzung der Regelsätze. Im Januar 2021 steigt der Satz für alleinstehende Erwachsene von 432 auf mindestens 439 Euro.

Für den Wohlfahrtsverband kommt das zu spät. Pro Kopf sollen dem Verband zufolge bis Januar 2020 übergangsweise 100 Euro mehr pro Monat sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro überwiesen werden. Dies koste etwa sechs Milliarden Euro. Auch die Leistungen nach Bafög und Asylbewerberleistungsgesetz sollten entsprechend steigen.

(afp/jha)

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