Neue IFK-Präsidentin: Der Austausch der Kulturen ist wichtig

Wolfsburg.  Kerstin Stackmann spricht im Interview über ihr neues Amt beim Internationalen Freundeskreis Wolfsburg – aber auch zukünftige Projekte des Vereins.

Kerstin Stackmann ist neue Präsidentin des Internationalen Freundeskreises Wolfsburg (IFK).

Kerstin Stackmann ist neue Präsidentin des Internationalen Freundeskreises Wolfsburg (IFK).

Foto: Darius Simka / regios24

Nach 13 Jahren hat der Internationale Freundeskreis (IFK) eine neue Präsidentin: Kerstin Stackmann löst Elisabeth Pötsch an der Spitze des Präsidiums ab. Kerstin Loehr und Julia Popp sprachen mit Kerstin Stackmann über ihre Auslandserfahrungen, darüber, welche Akzente sie beim IFK setzen möchte – aber auch über ihre Vorlieben zur Musik und zum VfL-Frauenfußball.

Frau Stackmann, erzählen Sie uns doch erst mal ein bisschen über sich...

Gebürtig bin ich aus Köln, dort bin ich zur Schule gegangen und habe dort auch BWL studiert. Nach dem Studium habe ich bei den Ford-Werken gearbeitet und später eine eigene Unternehmensberatung geführt. Ich bin verheiratet – mit dem Volkswagen-Vorstand Jürgen Stackmann – und wir haben vier Kinder im Alter von 18 bis 31 Jahren.

Vor unserer Ehe, und auch gemeinsam mit meiner Familie, habe ich in verschiedenen Ländern gelebt wie zum Beispiel in Italien, Spanien, Griechenland, in der Tschechischen Republik und auch in England. Zuletzt war es mir wichtig, unsere jüngste Tochter in München beim Internationalen Abitur zu begleiten – und so sind wir dann im vergangenen Sommer zu meinem Mann nach Wolfsburg gezogen.

Und wie sind Sie zum Internationalen Freundeskreis gekommen?

Durch Freunde bin ich auf den IFK aufmerksam geworden und habe mich eingeschrieben – schon als ich in München gelebt habe. Als Mitglied habe ich bald verschiedene Veranstaltungen besucht, mich informiert und später auch die Zusammenarbeit der Stadt mit ihren Partnerstädten kennengelernt.

Vor allem haben mir hier der Dialog zwischen den Kulturen und die Integrationsarbeit wirklich gut gefallen. Mit meinem Hintergrund und den Erfahrungen im Ausland habe ich mir zugetraut, etwas beitragen zu können. So etwa weiß ich, wie es ist, sich in ein neues Land einzuleben und eine neue Kultur zu erleben. Wo immer ich fremd war, habe ich es mir zum Motto gemacht, das Schöne und Bereichernde anzunehmen und dabei trotzdem „ich selbst“ zu bleiben.

Wie erleben Sie Wolfsburg?

Ich bin hier toll aufgenommen worden. Die Wolfsburger haben eine unglaublich nette Willkommenskultur. Und was ich sehr beachtlich finde: Die Menschen fühlen sich nicht bedrängt, wenn jemand – so eine Kölnerin wie ich – hier aktiv werden möchte. Vielmehr begrüßen sie dieses Engagement. In anderen Städten wäre das schwieriger. Es ist wirklich einer der positivsten Punkte für mich, dass die Wolfsburger so offen sind. Und im Grunde heißt das schon „international sein“.

Und nun sind Sie IFK-Präsidentin – was hat Sie daran gereizt?

… die Stadt Wolfsburg, die wirklich international ist – auch wenn es andere Stimmen gibt. Die Stadt selbst pflegt viele Städtepartnerschaften und ich hatte bereits mehrfach die Gelegenheit, bei Begegnungen dabei sein zu können. Diese Zusammenarbeit mit den Delegationen hat mich zum Beispiel gereizt. Und wie auch viele unserer Mitglieder erlebe ich diese Vielfalt gern.

Welche Erfahrungen aus dem Ausland sind da besonders wertvoll?

Für die Arbeit beim IFK ist mir wichtig zu vermitteln, dass gute Integration bedeutet, die eigene Kultur in eine Gemeinschaft einzubringen und nicht, sich zu assimilieren. Das habe ich selbst auch nie versucht: Ich bin in Spanien ja auch keine Spanierin geworden.

Elisabeth Pötsch war 13 Jahre lang Präsidentin des IFK, hat den Freundeskreis stark geprägt. Wollen Sie ihren Weg weitergehen oder ein eigenes Profil entwickeln?

Darüber habe ich lange nachgedacht. Ich gehe an meine neue Aufgabe tatsächlich mit Besonnenheit heran. Aber vor allem bei der Integration verschiedener Kulturen in unsere Stadt möchte ich weitere Akzente setzen.

Frau Pötsch, das Präsidium und das Kuratorium haben in den 13 Jahren wunderbare Arbeit geleistet. Und für mich ist das ein guter Anfang, weil ich zwar in große Fußstapfen trete, aber dennoch in sehr geordnete. Vieles existiert schon, das ich in der Zukunft weiterentwickeln möchte.

Die Integrationsarbeit ist mir dabei das wichtigste Anliegen, weil ich dieses Thema ganz authentisch nachvollziehen kann. Aber auch bei den schon etablierten Formaten wie der „Wobversation“ und bei unserem Neujahrsempfang möchte ich neue Ideen einbringen.

Am Gründonnerstag gab es erneut eine Messerstecherei am Nordkopf zwischen Nordafrikanern – das ist Wolfsburg eben auch, und das macht auch vielen Wolfsburgern Angst. Wie sollte da Ihrer Meinung nach „Integrationsarbeit“ aussehen?

Ich möchte jetzt zweiteilig antworten. Wolfsburg teilt sich dieses Phänomen mit jeder Stadt der Welt. Solche Übergriffe gibt es ja auch in anderen Städten. Und ich denke auch, dass Kriminalität keine Frage einer Bevölkerungsgruppe ist. Das ist der eine Punkt.

Der zweite Punkt ist: Selbstverständlich haben die Bürger Angst vor solchen Situationen. Für die Integration ist wichtig, dass wir Veranstaltungen schaffen, wo sich Menschen verschiedener Kulturen treffen und austauschen können, damit wir die Angst vor dem Fremden verringern. Ich glaube nicht, dass wir die Welt der Kriminalität verändern, aber Aufklärung und Begegnung sind Maßnahmen, mit denen der IFK unterstützen kann.

Können Sie uns schon verraten, welche IFK-Projekte in Planung sind?

Ja, die „Wobversation“ am 5. November zum Beispiel, bei der wir zwei Referentinnen gewinnen konnten: Iris Bothe als Vertreterin der Stadt und Ariane Kilian von Volkswagen. Das Thema ist diesmal die Integrations- und Flüchtlingsarbeit vor Ort – verbunden mit den Fragen: Welche Projekte gibt es schon in Wolfsburg? Was kann besser werden? Wir freuen uns schon sehr und ich bin gespannt darauf, welche Fragen vom Publikum kommen.

Am 26. Mai ist Europawahl. Was ist Ihnen an Europa wichtig?

Wir haben in einer gelebten Demokratie ein ganz wichtiges Privileg – und das ist die Wahl. Es ist wichtig, dieses Privileg wahrzunehmen und die eigene Stimme abzugeben, damit die positiven Kräfte Europas weitergestalten können.

Die Idee, die hinter Europa steckt, ist groß und richtig. Wir haben über Jahrzehnte von dem Zusammenhalt profitiert. Wir leben in Sicherheit, ohne Kriege. Wir können grenzenlos reisen und soviel Schönes in den verschiedenen Ländern erfahren. Ich wünsche mir, dass wir dies weiterführen können. Und das kann nur erreicht werden, wenn die Wahlbeteiligung bei der Europawahl hoch ist.

Zurück zur Familie: Sie haben vier Kinder groß gezogen – ein absoluter Fulltime-Job, dazu diverse Umzüge. Wie ging das?

Bis zur Geburt unserer letzten Tochter habe ich gearbeitet und dann pausiert. Später habe ich mich beruflich selbstständig gemacht. Als wir schließlich nach London gezogen sind, habe ich mich ganz auf die Familie konzentriert.

Denn ist anspruchsvoll, mit vier Kindern umzuziehen und immer wieder ein neues soziales Umfeld zu schaffen. Die Familie braucht einen Ruhepol, einen Fels in der Brandung.

Ihr Mann hat gearbeitet, Ihre Kinder sind zur Schule gegangen. Wie haben Sie sich in den Ländern eingelebt?

Gern habe ich mich ehrenamtlich betätigt – zum Beispiel in den jeweiligen internationalen Schulen. Und in jedem Land, in das wir gezogen sind, habe ich mir auch einen Chor gesucht. Das Schöne an Chören sind – neben dem Musizieren -- die Gemeinschaft und ihre Geselligkeit.

Haben Sie in Wolfsburg denn schon eine neue Chorheimat gefunden?

Nein, da habe ich noch kein Glück gehabt. Die Chöre sind tatsächlich voll besetzt.

Spielen Sie denn auch ein Instrument?

Ich spiele Klavier, nur war ich nie so fleißig wie meine Kinder. Aber ich liebe einfach die Musik. Und höre ich einen Musiktext, dann kann ich ihn mir recht schnell merken – genauso wie Sprachen. Drei meiner Sprachen habe ich tatsächlich allein über das Sprechen und Hören gelernt.

Gibt es noch andere Hobbys?

(lächelt) Ja – Fußball. Das rührt daher, dass ich ein Einzelkind und nun einmal kein Sohn geworden bin. Meinen Vater hat das nicht gestört und so hat er mich dazu gebracht, selbst Fußball zu spielen.

In Wolfsburg habe ich jetzt natürlich viel Freude an unserer Damenmannschaft, die sehr erfolgreich ist und technisch schönen Fußball spielt. Die Fußballerinnen sind richtige Sympathieträgerinnen für die Stadt und ich bin wirklich bei jedem Spiel dabei. Den Männerfußball schaue ich dann mit meinem Mann zusammen an. Ich bin ja Demokratin.

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