Seid nett zueinander: Wofür unsere Leser dankbar sind

Leserinnen und Leser berichten im Rahmen unserer Aktion von Hilfsbereitschaft, die sie erfahren haben – und sagen ihren Helfern Danke.

Nach einem Sturz mit dem Fahrrad boten zwei junge Männer einem Leser aus Braunschweig sofort ihre Hilfe an.

Nach einem Sturz mit dem Fahrrad boten zwei junge Männer einem Leser aus Braunschweig sofort ihre Hilfe an.

Foto: Daniel Bockwoldt / Dpa

Carolin Nöth aus Velpke schreibt, dass sie in letzter Zeit vielen zuvorkommenden Leuten begegnet ist – egal, ob alt oder jung, im Ausland oder hier in Deutschland:

„’Der Typ hätte dir den Koffer klauen können!’“, meine Freundin spricht später das laut aus, was ich auch in jenem Moment für einen Bruchteil einer Sekunde gedacht habe. Hamburger Hauptbahnhof, keine Rolltreppe, ich aste umständlich mein schweres Gepäckstück peu à peu die Stufen herunter. Plötzlich kommt ein junger Mann, Typ sportlicher Student, schnell auf mich zu und fragt mit bereits ausgestrecktem Arm: „Kann ich Ihnen helfen?“. Sein Blick wirkt ehrlich, sein Gesicht sympathisch. Instinktiv entscheide ich mich, ihm zu vertrauen. Mit energischen Handgriffen wuchtet er meinen Koffer die Treppen herunter und verabschiedet sich mit einem Lächeln. Was hätte der arme Kerl wohl gedacht, wenn ich ihn mit finsterem, ablehnendem Blick einfach hätte stehen lassen? Würde er in einer ähnlichen Situation noch mal so hilfsbereit anderen gegenüber handeln?

Es war gut, das Vertrauen in die Mitmenschen nicht verloren zu haben trotz einiger negativer Schlagzeilen hier und da. Überhaupt wird mir auf einmal bewusst, dass ich in der jüngsten Vergangenheit vielen zuvorkommenden Leuten begegnet bin – egal, ob alt oder jung, im Ausland oder hier in Deutschland.

Als ich mir im letzten Jahr den Fuß gebrochen hatte, mit Rollstuhl und zwei Krücken durch die Gegend geeiert bin, gab es oft helfende Hände. Tür aufhalten, klar, das sowieso, aber auch, dass man mir in einer Café-Kette den Kaffee am Tisch serviert hat oder wildfremde Menschen am Buffet meinen Teller gefüllt haben. Es kam sogar vor, dass Unbekannte den Rollstuhl unaufgefordert schoben, derweil sie aufmunternden Smalltalk betrieben.

Dass Mitbürger höflich und hilfsbereit sind, fällt mir insbesondere auf, wenn ich mit meinem kleinen Enkel unterwegs bin in der Stadt. Von wegen: Deutschland ist kinderfeindlich! Ernste Menschen lächeln uns plötzlich zu oder winken scheu. Der eigentlich gestresste Schaffner im Zug wird mild, rückt eine Kinderfahrkarte raus und lässt uns in den Führerstand bei einem Halt im Bahnhof gucken. Ein junger Schüler bietet uns in der Straßenbahn sofort seinen Platz an. Es gibt noch so etliche Beispiele. Klar, es sind alles nur kleine Gesten im Alltag, aber die Summe macht es! Seid nett zueinander!

Unglaubliche Hilfsbereitschaft aller Beteiligten

Gabie Skusa-Krempec aus Braunschweig schildert, wie sie dank Feuerwehr und Polizei ihr verlorenes Smartphone zurückbekam:

„Es ist schon etwas her, aber meine Dankbarkeit ist täglich gegenwärtig. Auf dem Weg zu einer Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße in Braunschweig parkte ich am Rand der sehr stark befahrenen Straße vorm Bravopark. War sehr in Eile! Mein Smartphone muss mir aus der Tasche geglitten sein. Bei der Ausstellung vermisste ich mein Smartphone zum Fotografieren, auch zu Hause konnte ich es nicht finden. Bei der Suche im Haus erhielt ich einen Anruf der Polizeistation Stöckheim auf meinem Festnetztelefon. Ein Feuerwehrmann der Braunschweiger Feuerwehr hatte das Smartphone auf der Straße liegen sehen, aufgehoben und bei der Polizeistation Stöckheim abgegeben. Die Polizisten haben über die im Smartphone eingespeicherte Nummer meinen Sohn und danach wiederum mich erreicht. Eine Halbe Stunde Später hatte ich mein unversehrtes Smartphone , das ich jeden Tag nutze, wieder in den Händen. Unglaublich, die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten!

DANKE! Viele Grüße.“

Die Hilfe kommt von Menschen aller Altersstufen

Ulrike Block von Schwartz erlebt viel Hilfsbereitschaft, seit sie mit einem Rollator unterwegs ist:

„Erst seit kurzer Zeit bin ich mit meinem Rollator unterwegs. Ich erlebe Erstaunliches: Wenn ich ein Geschäft betreten will, wird mir oft die Tür aufgehalten. Beim Einsteigen in Bus bzw. Straßenbahn wollen mir oft Personen helfen. Da ich die Hilfe meist nicht brauche, mein Rollator ist leicht und kann auch eine Stufe überwinden, bedanke ich mich und sage, dass ich die Hilfe eben nicht brauche. Im Bus gibt es Plätze, wo ich mich auf den Klappsitz setzen kann, der oft von Personen ohne Rollator oder Rollstuhl besetzt ist.

Meistens werden die für mich frei gemacht, aber wenn die Person versunken ist in ihre Musik, die sie von ihrem Smartphone über Kopfhörer genießt, kann es passieren, dass sie nicht ansprechbar ist und mit Hilfe anderer MitfahrerInnen durch Anfassen aufmerksam gemacht werden muss. Kurz und gut: Mit Rollator wird mir viel geholfen, die helfenden Personen sind junge und Personen aller Altersstufen und Männer wie Frauen, deutsch oder arabisch aussehend. Mit Rollator erlebe ich diese Hilfsbereitschaft, die ich alte, gebrechliche Frau sonst eher wenig erlebe. Ich bin dankbar für die Hilfe, durch sie ist mir allerdings klar geworden, dass ich eine hilfsbedürftige Frau bin.“

Angenehm überrascht, dass es keine Gaffer gab

Annelise Buchholz schildert die Hilfsbereitschaft nach einem unglücklichen Sturz in der Braunschweiger Bahnhofsvorhalle:

„Am Sonntag, dem 10. November, brachte ich meine Enkeltochter zum Zug. Als ich zurück in die Bahnhofsvorhalle kam, hörte ich schöne Klaviermusik und wollte sehen, woher sie kam. Dabei stolperte ich über ein Podest und stürzte unglücklich und blieb liegen. Sofort kamen mir mehrere Leute zur Hilfe. Ein Mann wählte den Notruf, ein anderer hob mein weggerutschtes Schlüsselbund auf, ein anderer bot mir seine Jacke an, zwei Frauen mit Kind sagten mir sofort zu, bei mir zu bleiben, bis der Krankenwagen kommt, und auch andere Helfer blieben solange bei mir. Mich hat angenehm überrascht, dass es keine Gaffer gab, sondern nur viele freundliche Helfer. Ich möchte mich bei allen noch einmal ganz herzlich bedanken.“

Diese liebenswürdige Geste hat meinen Tag gerettet

Julia von der Lieth schildert, wie sie dank der Hilfe einer anderen Frau ihren Bus gerade noch erreichte:

„Es ist vielleicht nichts Besonderes, aber für mich war es das. Nach Feierabend wollte ich schnell von der Braunschweiger Maienstraße aus mit dem Bus Richtung Hamburger Straße. Der Bus stand, und man hörte bereits den Signalton, dass die Türen sich jetzt schließen. Eine Dame, die gerade ausgestiegen war, sah mich anlaufen, drehte sich nochmal um und stellte den Fuß in die Bustür um diese aufzuhalten. So schaffte ich den Bus noch. Diese liebenswürdige Geste hat meinen ansonsten recht deprimierenden Tag gerettet. Danke nochmal. Danke auch nochmal an die Redaktion für eure Aktion „Seid nett zueinander“. Was ich da so lese, gibt einem echt Hoffnung, dass es doch noch viele gute Menschen da draußen gibt.“

Die jungen Männer waren sehr um mein Wohl bemüht

Ronen Lengyel aus Braunschweig berichtet über Hilfe, die er bei seinem seinen Unfall mit dem Fahrrad erlebte:

„Ich (49) stürzte mit meinem Fahrrad gegen 14.50 Uhr an der Braunschweiger Straßenbahn-Haltestelle Mühlenpfordtstraße (Am Wendenwehr) stadteinwärts. In der Stadt war ich mit meiner Frau zum Essen verabredet. Der Sturz kam aus dem Nichts, und ich lag innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde an der Bordsteinkante der Haltestelle. Dabei war mir der Lenker ins Gesicht geschlagen. Zwei junge Männer, die an der gegenüberliegenden Haltestelle warteten, kamen sofort zu mir herübergeeilt, boten ihre Hilfe an, richteten mein Rad auf und waren sehr um mein Wohl bemüht.

Ich war leider zu durcheinander – außer mehrfach wiederholtem „Danke“ und der Vermutung, dass meine Nase gebrochen, sonst aber alles in Ordnung sei, kam mir nicht viel über die Lippen. Ich bin anschließend, mein Rad schiebend, die Mühlenpfordtstraße weiter stadteinwärts gegangen und habe sofort meine Frau angerufen, dass ich mich wegen des Sturzes verspäten würde. Meine Frau erkundigte sich, wo ich sei.

Ich sah das hohe Gebäude zwischen Schleinitz- und Pockelsstraße und blickte zurück in Richtung Hamburger Straße, aber obwohl ich das alles hunderte Male gesehen habe, wusste ich nicht, wo ich bin, mir fielen auch keine Straßennamen ein. So, wie man im Traum aus seiner vertrauten Wohnung geht und sich plötzlich in fremder Umgebung befindet.

Meine Erinnerung endet an dieser Stelle, ich weiß lediglich, wie ich mein Rad vor der Apotheke am Hagenmarkt abstellte und in die Apotheke ging. Von meiner Frau weiß ich im Nachhinein (und auch von den Daten aus dem Smartphone), dass wir zehn Minuten telefonierten, wobei sie ergebnislos versuchte, herauszubekommen, wo ich mich befand. In der Apotheke hat man sich unheimlich fürsorglich, zugewandt und absolut professionell verhalten.

Man sorgte dafür, dass eine Mitarbeiterin (nicht mehrere oder wechselnde, um mich nicht zu verwirren – das erfuhren wir am vergangenen Montag, als wir uns in der Apotheke bei der Mitarbeiterin bedankten) sich ständig um mich kümmerte und im Gespräch blieb, da man mich zunehmend desorientiert erlebte (Datum, Wochentag waren mir entfallen; auch der Grund, warum ich in der Stadt war) und Sorge hatte, dass ich eventuell einen Schlaganfall erlitten haben könnte. Es gelang der Mitarbeiterin, meine Frau zu verständigen, die wenig später dazukam. Außerdem wurde der Rettungswagen geholt, mit dem ich in die Holwedestraße gebracht wurde. Im Krankenhaus erholte ich mich innerhalb von knapp drei Stunden, es wurde lediglich eine Gehirnerschütterung und eine Nasenprellung festgestellt.

Inzwischen war ich an der Unfallstelle. Die einzige Erklärung für den Sturz ist, dass ich mit dem Rad auf die nasse Straßenbahnschiene gekommen und sofort weggerutscht bin. Kommend aus Richtung Hamburger Straße/Lampestraße wird der Abstand zwischen Schiene und Bordsteinkannte an der Haltestelle sehr gering.“

Danke für die nette Art des Engagements

Clas Schilling aus Salzgitter schreibt über Hilfsbereitschaft bei der Müllabfuhr:

Unverständnis im Wiesenweg. Noch nie wurden die Mülltonnen vor 14 Uhr geleert. Plötzlich letzten Montag fuhren die Fahrzeuge schon um kurz nach sieben durch den Weg. Mit Sicherheit haben sich die Stadtangestellten über die wenigen Tonnen in der Straße gewundert. Auch die aufgeregten Bewohner trafen sich zu ungewohnter Stunde, um über das Ereignis sich auszutauschen. Ergebnis: Frust machte sich breit.

Die Lösung wurde mit Hilfe einer Angestellten im Büro der Müllabfuhr ohne Klagen perfekt gelöst: Sie versprach in einem Telefonat mit einem Beteiligten für Abhilfe zu sorgen. Ergebnis: Um das Geschehen am Montag aus der Welt zu schaffen, wurde der Wiesenweg am Dienstag noch einmal angefahren, und die Grünen Tonnen stehen jetzt zur Aufnahme weiterer Gartenabfälle wieder leer an Ort und Stelle. Wir sagen Danke für die nette Art des Engagements.

Wie herbeigezaubert waren zwei junge Mädchen bei mir

Hadmute Küfner aus Wolfsburg freut sich, denn „es gibt auch noch Engel auf der Straße“.

„Mein Erlebnis, von dem ich berichten möchte, liegt schon vier oder fünf Jahre zurück, die Erinnerung daran ist aber noch immer sehr stark. Deshalb freue ich mich, dass ich davon berichten kann in der Hoffnung, dass vielleicht die damals daran beteiligten Personen den Artikel lesen und wissen, wie dankbar ich ihnen noch heute bin.

Ort des Geschehens: Braunschweig. Es war ein wunderschöner Sommertag, ich kam gerade von einem Arztbesuch und ging fast etwas beschwingt aufgrund eines für mich sehr erfreulichen Ergebnisses den Steinweg entlang in Richtung Parkhaus, in dem mein Auto stand. Wie aus heiterem Himmel – in der Tat war es ja ein heiterer Sommertag – verlor ich irgendwie den Boden unter den Füßen, wie in Zeitlupe kam der Gehweg auf mich zu, unfähig, den Fall zu bremsen, schlug ich mit einem Knall mit dem Gesicht aufs Pflaster.

Es hat wirklich geknallt!! – Und nun geschah das Wunder: Wie herbeigezaubert waren zwei junge Mädchen bei mir, sprachen beruhigend auf mich ein und wurden mit der größten Selbstverständlichkeit aktiv: Eines der Mädchen setzte sich auf den Boden und bettete meinen Kopf in ihrem Schoß, das zweite Mädchen sammelte meine verstreuten Dinge wie Handtasche und Brille ein und sie blieben weiter bei mir. Das Wunder ging weiter: Ein junger Mann hatte die Situation im Nu erfasst, registrierte die bereits anschwellende Stirn, flitzte in die glücklicherweise in unmittelbarer Nähe liegende Apotheke und kam mit einer Eiskompresse zurück. Wohl wissend, dass man so ein Ding nicht unmittelbar auf die Haut legen soll, rief er in die Runde der sich inzwischen angesammelten Zuschauer nach einem Tuch. Fehlanzeige, also zog der junge Mann kurzerhand sein T-Shirt aus (!), wickelte es um die Kompresse und legte es mit großer Sorgfalt auf meine Stirn! So ausgesprochen liebevoll umsorgt, blieben die drei Engel noch bei mir, um mich dann in einem inzwischenherbeigerufenen Krankenwagen zu verfrachten. Im Krankenhaus erfolgte eine eingehende Untersuchung vom Kopf – es war alles in Ordnung!

Am späten Abend konnte mich meine Familie abholen. Nachspann: am nächsten Tag war eine Gesichtshälfte blau, das Auge zugeschwollen, aber ansonsten war ich einigermaßen fidel und nach ca. 3 Wochen sah ich mir wieder ähnlich. Fazit der Geschichte: Es ist nicht so, dass alle vorbeilaufen, wenn jemand Hilfe in irgendeiner Form nötig hat – es gibt auch noch die Engel auf der Straße!

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