„Schwimmen zu können, ist wichtiger als Radfahren“

Wolfsburg.  Melanie Ziembinski bringt Kindern im Wolfsburger Badeland ehrenamtlich das Schwimmen bei und ist für den Gemeinsam-Preis nominiert.

Melanie Ziembinski setzt sich für ehrenamtlichen Schwimmunterricht ein und ist für den Gemeinsam-Preis nominiert.

Melanie Ziembinski setzt sich für ehrenamtlichen Schwimmunterricht ein und ist für den Gemeinsam-Preis nominiert.

Foto: Helge Landmann / regios24

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) veröffentlichte in diesem Frühjahr ihre Statistik zum Thema „Ertrinkungstod“: Demnach ertranken im Jahr 2019 in Deutschland 417 Menschen. Dieser Zahl möchte Melanie Ziembinski entgegenwirken: Sie bringt nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen das Schwimmen bei.

Mehrmals in der Woche besucht die 43-Jährige das Wolfsburger Badeland. Nach Feierabend finden die verschiedenen Kurse in den Becken statt. „Am Anfang half ich aus, wenn Not am Mann war“, erinnert sich die Wendschotterin, die schon viele Jahre Mitglied bei der DLRG Vorsfelde ist – und inzwischen sogar im Vorstand mitarbeitet.

„Schwimmen zu können, ist wichtiger als Radfahren“

In verschiedenen Stufen werden die Kinder an das Schwimmen gewöhnt. Schon ganz früh sollen Mädchen und Jungen mit dem Wasser in Berührung kommen, um keine Angst vor Wasser zu haben. Mit Schwimmen hat das natürlich noch nicht viel zu tun. Einige Jahre später dann schon. Und dann kommt Melanie Ziembinski ins Spiel. Sie betreut unter anderem die Pinguine. „Die Kinder haben die ersten zwölf Stunden absolviert, haben aber noch kein Seepferdchen“, berichtet die 43-Jährige. Diese jungen Teilnehmer bräuchten eben etwas mehr Zeit, erklärt die Wendschotterin, die viel Spaß bei der ehrenamtlichen Arbeit hat. Es ist ihr wichtig, dass möglichst viele Menschen schwimmen lernen. Sie sagt: „Schwimmen zu können, ist wichtiger als Radfahren.“

Schritt für Schritt geht es weiter. Nach dem Seepferdchen, welches übrigens kein offizielles Abzeichen ist, geht es schließlich weiter mit dem Bronzeabzeichen. Also mit dem Freischwimmer. „Hier haben sich in diesem Jahr die Bestimmungen geändert“, berichtet Ziembinski, die regelmäßig an Schulungen teilnimmt. „Es geht darum, dass wir sichere Schwimmer ausbilden“, betont die 43-Jährige – auch in Hinblick auf die Zahl der Ertrinkungstode. Eine Forderung für Bronze: Die Teilnehmer müssen in 15 Minuten 200 Meter zurücklegen. Dabei müssen sie in zwei Lagen ihre Bahnen ziehen: 150 Meter also in Bauch- oder Rückenlage. Die restlichen 50 Meter schließlich in einer anderen Schwimmart.

Erwachsene benötigen zwischen drei und fünf Monate zum Schwimmenlernen

Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt, die die Übungen absolvieren. Auch die großen Leute unterrichtet Ziembinski im Wolfsburger Badeland. „Die Erwachsenen kommen oft, wenn sie eigene Kinder haben“, erzählt die Wendschotterin. Sie wollen Vorbild sein und ihrem Nachwuchs nicht mitgeben, Angst vorm Wasser haben zu müssen. Oftmals haben sie in ihrer Kindheit blöde Erfahrungen mit Wasser gemacht. Oder hatten Eltern, die das Schwimmen nicht förderten.

Ziembinski weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass die Erwachsenen häufig mehr Zeit zum Lernen brauchen. „Sie machen sich viel mehr Gedanken als Kinder“, berichtet die Ausbilderin und fügt an: „Aus diesem Grund benötigen sie in der Regel zwischen drei und fünf Monate.“ Der Ehrgeiz sei aber sehr groß. „Sie wollen unbedingt das Abzeichen machen“, freut sich Ziembinski. Und den Erfolg zu sehen, sei ein tolles Gefühl. „Die Erwachsenen fangen auch mit einer Schwimmnudel, mit einem Gürtel an – und können dann nach einigen Monaten schwimmen.“

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