Ehrenamtliche wagen Neuanfang in Salzgitters Begegnungscafé

Hallendorf.  Auch nachdem sich das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) als Träger zurückgezogen hat, soll es weitergehen mit dem Begegnungscafé in Hallendorf.

Sie setzen sich dafür ein, dass ein neuer Trägerverein für das Begegnungscafé in Hallendorf entsteht (von links): Dieter Sibilis, Erika Mucha, Georg Groh und Klaus Steffen.

Sie setzen sich dafür ein, dass ein neuer Trägerverein für das Begegnungscafé in Hallendorf entsteht (von links): Dieter Sibilis, Erika Mucha, Georg Groh und Klaus Steffen.

Foto: Michael Kothe

Zwei Monate, nachdem sich das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) als Träger aus dem Begegnungscafé zurückgezogen hat, wollen die ehrenamtlichen Helfer nicht aufgeben. Noch in diesem Jahr soll ein Verein gegründet werden, der den im Stadtteil immer beliebter werdenden Treffpunkt in Eigenregie weiter betreibt.

Enttäuschte Reaktionen

Die Entscheidung des CJD hatte viele Beteiligte Mitte Mai überrascht. Das Team der Ehrenamtlichen, der Ortsbürgermeister von Ost, Marco Kreit (SPD), und der Wohnungsvermieter TAG, der die Räume Am Immenhof 15 zur Verfügung stellt, wurden nach eigenen Angaben völlig unerwartet vom Ausstieg der Werkstätten unterrichtet. Kreit fühlte sich vom CJD „allein gelassen“. Die Helfer um Dieter Sibilis, dessen Vertrag als CJD-Projektleiter Ende August auslief, reagierten „sehr, sehr enttäuscht“.

Das Jugenddorfwerk sprach dagegen in unserer Zeitung von einer wirtschaftlich bedingten Entscheidung, beschleunigt durch Corona. Der Braunschweiger Gesamtleiter Kirk Chamberlain nannte das Café ein Projekt, das von Beginn an zeitlich befristet gewesen sei.

Der Ende 2017 eröffnete Treffpunkt startete damals als Inklusionsprojekt – die örtlichen Werkstätten sollten das Café mit eigenen Produkten beliefern und wollten Menschen mit Behinderungen einbinden. Zuletzt bot das CJD nach eigenen Angaben einen Wäscherei-Service an, einen regelmäßigen Mittagstisch, aber auch Kaffee und Kuchen sowie bis zu fünf Freizeitangebote pro Woche. Von Inklusion keine Spur, werfen Kreit, aber auch Sibilis und ehrenamtliche Helfer wie Ortsratsmitglied Georg Groh, Erika Mucha und Klaus Steffen dem Unternehmen vor.

Ehrenamtliche wollen nicht aufgeben

Dennoch sind sie fest entschlossen weiterzumachen. Unter Regie von Sibilis, der sich auch in der Arbeitslosigkeit weiter fürs Café engagiert, sind die meisten Lücken, die der CJD-Ausstieg riss, mittlerweile gestopft. So liefert jetzt die Salzgitter AG dienstags Eintopf und mittwochs Portionen des werkseigenen Kantinenessens in den Stadtteil. Hallendorfer Frauen sorgen freitags von 15 bis 19 Uhr für eine Kaffeetafel. Steffen organisiert Bingo-Spiele. Es gibt monatliche Kreativangebote. Auch Feste mit Vereinen waren schon geplant, mussten aber wegen Corona abgesagt werden, betont Groh. Das Café habe sich zur festen Größe im Ort gemausert, ist er überzeugt.

Ein Anwalt und Notar stellt derzeit die Weichen zur Gründung eines Trägervereins und damit zur Zukunft des Treffpunkts. So hoffen die Helfer, dass sich ihnen weitere Bürger anschließen, die Lust haben, ehrenamtlich mitzuwirken. Und sie ahnen, dass sie auf diese Weise auch Sibilis` Stelle finanzieren können.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder