Vermisstenfall in Salzgitter

Leichenfund in Salzgitter – so entwickelte sich die Suche

| Lesedauer: 6 Minuten
Schon am Montagabend hatten Ermittler aus Salzgitter Spürhunde zur Suche der vermissten 15-Jährigen eingesetzt. Am Dienstag stieß die Polizei auf eine Frauenleiche in Salzgitter-Fredenberg.

Schon am Montagabend hatten Ermittler aus Salzgitter Spürhunde zur Suche der vermissten 15-Jährigen eingesetzt. Am Dienstag stieß die Polizei auf eine Frauenleiche in Salzgitter-Fredenberg.

Foto: Rudolf Karliczek / Salzgitterinfos

Salzgitter.  Drei Tage lang hat Salzgitters Polizei nach einer vermissten 15-jährigen Schülerin im Fredenberg gesucht. Dann stieß sie auf eine Leiche.

Der Fund einer Frauenleiche auf einem verwilderten Grundstück mitten im Fredenberg hat Dienstagmittag die fieberhafte Suche nach einer 15-jährigen Schülerin auf schreckliche Weise beendet. Etwa 50 Beamte der Bereitschaftspolizei hatten zuletzt nahezu im Dauereinsatz mit Spürhunden, Drohnen und auf Fahrrädern das Wohngebiet nach dem Mädchen durchkämmt.

Dass es sich bei der Leiche um die vermisste Schülerin handelt, wollte die Polizei am Dienstag noch nicht abschließend bestätigen. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, gilt das aber als relativ sicher. Zudem deuteten die Umstände darauf hin, dass die 15-Jährige Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Nur eine Stunde zuvor hatten die Polizisten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Fredenbergerin ihren Eltern wohlauf übergeben zu können. Ein Protokoll dieses dramatischen Morgens belegt das.

So verlief die Suche nach der Vermissten in Salzgitter

Kurt-Schumacher-Ring, 11 Uhr: Zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes. Auf den Straßen sind uniformierte Polizisten zu sehen, die Passanten befragen, Müllcontainer durchsuchen und die Wohngegend in der Nähe des Schulzentrums systematisch abgehen auf der Suche nach Spuren der vermissten Mädchens. Seit Sonntag, sagt Sprecher Matthias Pintak, werde das Mädchen vermisst.

Erste Befragungen von Menschen aus dem näheren Umfeld der Schülerin hätten jedoch keine hilfreichen Erkenntnisse erbracht. Daher hätten die Beamten die Suche anderntags intensiviert, berichtet Pintak.

Unterstützt von der Diensthundestaffel und Kräften der Zentralen Polizeidirektion hätten Ermittler das gesamte Quartier durchkämmt, erst in den Abendstunden sei die Suche unterbrochen worden. „Wir hoffen immer noch, dass wir das Mädchen lebendig auffinden“, meint der Sprecher. Ihm ist anzumerken, dass er zwei Tage nach der Vermisstenmeldung markigen Optimismus kaum noch begründen kann.

Hans-Böckler-Ring, 11.15 Uhr: Alle möglichen Theorien sind denkbar. Ist das Mädchen womöglich von daheim ausgerissen? Hatte die 15-Jährige einen Unfall, liegt vielleicht schwer verletzt nach einem Sturz hilflos in einem Graben?

Erinnerungen werden wach an die Suche nach Vermissten am Salzgittersee oder einen Vorfall Anfang Mai 2021 am Heerter See: Damals hatte die Polizei in der Nacht per Hubschrauber eine 70-Jährige aus Elbe gesucht. Eine Freundin hatte die Seniorin als vermisst gemeldet, da sie per Handy nicht erreichbar war. Daraufhin suchten die Besatzungen dreier Streifenwagen sowie ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera die Umgebung ab. Die Frau war in der Nacht zum Joggen an den Heerter See gefahren, hatte sich aber in der Dunkelheit verirrt. Die Polizei setzte die Suche bis zum Morgengrauen fort. Doch zumindest dieser Vorfall endete glücklich: Gegen 4.45 Uhr hatte die 70-Jährige offenbar selbst zurück zu ihrem abgestellten Wagen gefunden. Sie wurde von der Polizei wohlbehalten aufgefunden.

11.20: Doch je länger die Beamten suchen, desto mehr sinkt die Hoffnung im Fall der Schülerin aus dem Fredenberg. Viele Beamte haben begonnen, systematisch Wertstoffinseln abzusuchen. Müllbeutel werden geöffnet, der Inhalt nach Spuren durchsucht. Morgens schon waren Altkleider-Container geöffnet worden, weil nicht auszuschließen war, dass das Mädchen dort hineingefallen war und nicht mehr herauskommt. Indes kursiert ihr Foto sogar in den sozialen Netzwerken.

11.26 Uhr: Die Suche konzentriert sich auf das bewaldete Eckgrundstück zwischen Kurt-Schumacher und Hans-Böckler-Ring. Ein Ermittlerteam fährt vor und hievt einen „DJI Matrice 300“ aus dem Kofferraum. Die mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne ist seit 2010 bei solchen Suchen im Einsatz. 35 Minuten lang kann sie sich in der Luft halten. Doch sie hat einen Nachteil, sagt die Beamtin, die die Drohne fernsteuert. Die Drohne kann menschliche Körper nur orten, solange sie sich auf freiem Gelände befinden. Unter Blättern oder Laubwerk ist die Suche zum Scheitern verurteilt.

11.44 Uhr: Doch im Fall der vermissten Schülerin ist es anders. Nur wenige Minuten, nachdem die Drohne hoch in der Luft ihre Kreise über dem unbebauten Grundstück zieht, meldet die Polizei den Fund einer weiblichen Leiche.

Salzgitter-Fredenberg: Kurz nach dem Drohnenaufstieg entdeckt die Polizei die Leiche

12.05 Uhr: Der Hans-Böckler-Ring ist durchweg mit Absperrbändern abgeriegelt, die Polizei konzentriert Einsatzkräfte und Fahrzeuge auf das Grundstück. Schaulustige säumen den Kurt-Schumacher-Ring. Die Informationen, die Pressesprecher Pintak gibt, sind äußerst spärlich. „Derzeit ermittelt die Polizei die Identität der jungen Frau. Ob es sich um das vermisste 15-jährige Mädchen handelt, müssen die Ermittlungen zeigen. Dies kann derzeit noch nicht bestätigt werden“, sagt er schmallippig.

Offiziell heißt es, weder Selbsttötung noch Gewaltverbrechen seien auszuschließen. Weitere Ermittlungen müssten nun klären, wie die Frau gestorben sei. Die Polizei ermittele in alle Richtung, betont Pintak.

17 Uhr: Die Beamten sichern weitere Spuren, die Straße bleibt abgeriegelt, gilt nun als Tatort. Wer dort wohnt, muss sein Auto außerhalb abstellen, sich bei der Polizei melden, wird zur Wohnung begleitet. Wie lange es dauern wird, bis alle Spuren ausgewertet und asserviert sind? Das könne „einige Tage“ dauern, vermutet Pintak. Was die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche zum möglichen Tatablauf und zu Details des mutmaßlichen Gewaltverbrechens zu Tage fördern wird, ist völlig offen.

Was bleibt, ist Ohnmacht, Entsetzen und Sprachlosigkeit angesichts einer Gewalttat, die sich inmitten eines Wohngebiets zugetragen haben könnte. „Wenn das zutrifft, handelt es sich um ein schlimmen Fall, wie ich ihn hier noch nicht erlebt habe“, sagt Pintak betroffen.

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