Vortrag zum Auftakt

Auftakt für Frauennetzwerk in Salzgitter

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Neues Frauennetzwerk in Salzgitter (v.l.): Nicole Mölling, Antje Staffa, Stephanie Borrmann

Neues Frauennetzwerk in Salzgitter (v.l.): Nicole Mölling, Antje Staffa, Stephanie Borrmann

Foto: Verena KleiN

Salzgitter.  Salzgitter hat ein neues Frauennetzwerk. Den Auftakt bildete eine Veranstaltung mit einem Vortrag einer Führungskraft bei Jägermeister.

„Wenn Frauen etwas wollen, machen sie es einfach“, lautet ein Glaubenssatz von Nicole Mölling, den sie am vergangenen Mittwoch umsetzte. Mit der Veranstaltungsreihe „female perspective“ im Schloss Salder schuf sie einen Begegnungsraum für Frauen in männerdominierten Branchen. Der Start eines starken, regionalen Frauennetzwerkes.

„Wir haben uns erst einen Tag vor Abschicken der Anmeldungen für diese besondere Location entschieden“, so Nicole Mölling, Leiterin der Direktion Salzgitter der Volksbank BraWo. Die Marketing Abteilung sei über die geringe Vorlaufzeit wenig begeistert gewesen. Für Mölling jedoch war klar – einer besonderen Veranstaltung gebührt ein besonderer Rahmen, und den böte der Salon Schloss Salder. „Und wenn Frauen was wollen, geht das schnell.“ Heidrun Striese, Assistenz der Direktion, wirbelte und machte es möglich.

Vorläufer des Netzwerks waren „Terrassengespräche“

Insgesamt 36 Frauen waren Möllings Einladung gefolgt. „Frauen, die aus der Region kommen oder hier arbeiten.“ Denn: „Wir wollen hier in Salzgitter etwas bewegen.“ Sie betont den Stadtbezug noch oft an diesem Abend. Er ist ihr enorm wichtig: „Salzgitter muss die Keimzelle des Netzwerkes bilden, es muss hier heimisch werden.“ Versammelt hatten sich Frauen aus verschiedensten Branchen. „Aber alles Frauen, die sich durch die Männerwelt boxen“, so Mölling. Darunter Start-Ups, traditionelle Unternehmen, Berufe von technisch bis kunstorientiert und sogar eine Professorin. Ebenfalls dabei: Vertreter der regionalen „Big Five“. „Frauen sind anders und haben manchmal das Bedürfnis, Themen anders zu besprechen – dafür haben wir diesen Ort geschaffen“, so Mölling.

Die Idee entstand aus Begegnungen der vergangenen eineinhalb Jahre, die sie nun als Direktorin tätig ist. Zunächst startete sie die „Terrassengespräche“ bei sich zu Hause. Schnell stand fest, dass man einen größeren Raum für diese Themen schaffen wollte. Mit ihrem Vortrag „Leidenschaft! Mut? Einfach mein Weg“ eröffnete Antje Staffa, Vize-Präsidentin bei Mast-Jägermeister SE in Wolfenbüttel, das erste Treffen des Netzwerkes. Leidenschaft – das könne sie eindeutig mit ja beantworten. Mut? Der würde ihr nachgesagt, sie selber wisse jedoch nicht, ob sie sich als mutig bezeichnen würde. Was es aber definitiv sei: Ihr persönlicher Weg. „Denn es gibt nie nur den einen Weg.“

2018 startete die in Berlin lebende Staffa bei Jägermeister. Und bekam als erste Frau in dieser Position zu hören: „Endlich eine Frau auf dieser Ebene“ und „Wir sind gespannt, wie du dich da oben behauptest.“ Sie gesteht: „Ohne diese Stelle hätte ich mich wohl nie mit dem Thema Frauen in Führungspositionen beschäftigt.“ Sie fragte sich erstmalig: „Mit was für einem Frauenbild bin ich eigentlich großgeworden?“ Denn: „Das war nie ein Thema bei uns.“ In Rostock geboren, war es für sie normal, dass alle arbeiten gingen. „Es gab keine Unterschiede in der Führungsebene. Die Frage nach Mann oder Frau stellte sich nicht.“ Nach dem Jurastudium absolvierte sie ein Referendariat in Itzehoe, machte dann Halt in Hamburg, Heidelberg und Nürnberg. Sie nahm insgesamt sieben verschiedene Rollen an, war sogar zwischenzeitlich selbstständig. All das: Nicht immer einfach. Und obwohl ihr Lebenslauf sehr stringent wirke, sei er dies nicht. „Habe ich mich dafür bewusst entschieden? Nein! Ich habe immer das gemacht, was mir Spaß gemacht hat.“ Dabei stellte sie sich die Frage: Was ist mir gerade wichtig?

Referentin sieht Probleme bei der Frauenquote

In ihrem Vortrag zeigte Staffa auch Probleme beim Thema Frauenquote auf. „Viele Strukturen in Unternehmen sind gewachsen. Das Thema Frauenquote ist ein Prozess: Wir brauchen dafür freie Stellen.“ Man könne jedoch schlecht einfach Männer entlassen, um Frauen einzustellen. Ihr sei es wichtig, das Thema nicht auf Mann oder Frau zu reduzieren. Es käme darauf an, den Menschen ganzheitlich zu betrachten. Man müsse zuversichtlich sein, den eigenen Weg finden, aus der Opferrolle rauskommen und Glaubenssätze neu definieren.

„Am Ende des Tages gucke ich auf mich: Was kann ich verändern? Was ist mein Weg? Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?“ Was am Ende auch heißen könne, den Mut zu haben zu gehen. „Und genau dafür sind solche Netzwerke da.“

Viele hätten sich gewünscht, Staffa noch länger zuhören zu können. Die authentisch wirkende Vize-Präsidentin regte mit „ihrem Weg“ Diskussionen unter den Frauen an.

Später analysierte man in offener Runde weitere Themen wie Mentoring oder interne und externe Frauennetzwerke. Der Bedarf für derartige Begegnungsabende scheint demnach vorhanden. Mölling hat bereits die nächste Veranstaltung ins Auge gefasst: „Vielleicht können wir uns im März erneut treffen.“

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